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Souvignier: 'Wie Phoenix aus der Asche'

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Vor rund vier Jahren musste er Insolvenz anmelden, jetzt sind die Auftragsbücher wieder voll: Zeitsprung-Chef Michael Souvignier plaudert mit uns über den neuen Barschel-Film für Das Erste, das Starfighter-Drama für RTL und die MIPCOM in Cannes.

Zur Person: Michael Souvignier

Michel Souvignier ist Geschäftsführer und Produzent bei der 1985 von ihm gegründeten Firma Zeitsprung, die ihren Sitz in Köln, sowie eine Niederlassung in Ludwigsburg und München hat. Das Unternehmen produzierte Filme wie «Blutgeld», «Contergan», «Marco W.», «Tarragona», «Das Wunder von Lengede», aber auch leichtere Stoffe wie «Der Weihnachtskrieg».
Herr Souvignier, Sie waren zwei Tage lang in Cannes bei der Messe MIPCOM: Welche Eindrücke haben Sie dort gewonnen?
Es war weniger los als sonst, weil es oft geregnet hat (lacht). Und wenn es regnet, dann sind die Straßen meist eher leergefegt und die MIPCOM ist nicht so impulsiv. Die Messe ist mittlerweile in erster Hinsicht ein Meet and Greet. Die angebotenen Produkte sind vorher schon bekannt und über das Internet auch präsentierbar. Aber wichtig ist, dass die Amerikaner nach Cannes kommen. Dies tun sie zur MIPCOM, weniger zur MIPTV.

Die Liste der Filme, die Sie gemacht haben, ist lang – und da reiht sich eine große Produktion an die nächste: «Marco W.», «Beate Uhse», «Das Wunder von Lengede» oder «Contergan». Welcher Film ist für Sie persönlich ein Highlight?
Sicherlich «Contergan». Einen solchen Film machst du als Produzent einmal in deinem Leben. Der Film hat nicht nur in Quote und Wirkung für Aufsehen gesorgt, sondern die Geschädigten auch vor dem Vergessen bewahrt. Nach der Ausstrahlung des Films wurde die Rente dieser Menschen versechsfacht, dies wäre ohne den Film nicht geschehen. Und dieser Erfolg ist mehr wert als jeder Fernsehpreis. Mit der Produktion ging ein mehr als zweieinhalb Jahre andauernder Prozess einher, der bis vor das Bundesverfassungsgericht ging. Wir haben gewonnen und mit dem Urteil
Geschichte geschrieben.

Würden Sie das alles noch einmal machen? Ein derart langer Prozess ist sicher auch sehr ermüdend.
Ich kann mich an solchen Themen regelrecht festbeißen und bin ein Überzeugungstäter. Wenn ich einen Stoff mache, dann auch richtig.

Sie haben nun auch die Geschichte von Kurt Landauer, dem ersten Präsidenten des FC Bayern München, verfilmt. Zudem arbeiten Sie an Projekten über Anne Frank und Uwe Barschel. Was kommt noch alles?
Es wird noch ganz viel kommen in nächster Zeit, es ist nur ein bisschen zu früh, um schon über alle Projekte zu sprechen. Es ist meine Spezialität Zeitgeschichte fiktional umzusetzen.

Ganz intensiv arbeiten Sie jetzt an einem ARD-Degeto-Film zum Fall Uwe Barschel, dem Politiker, den man tot in einer Badewanne fand. Wenn ich alte Artikel dazu lese oder Bilder sehe: Ich habe mindestens genauso viele Fragezeichen im Kopf wie Gänsehaut an den Armen.
Für mich ist klar, dass Uwe Barschel keinen Selbstmord beging, sondern getötet wurde. Das ist eigentlich schon das Fazit. Wir werden unseren Film ein bisschen wie «JFK - Tatort Dallas» aufziehen.
Zeitsprung-Chef Michael Souvignier zu seinem neuen Barschel-Film
Da geht es mir genauso. Für mich ist klar, dass Uwe Barschel keinen Selbstmord beging, sondern getötet wurde. Das ist eigentlich schon das Fazit. Wir werden unseren Film ein bisschen wie «JFK - Tatort Dallas» aufziehen. Wir müssen aber wissen, dass wir im Fall Barschel die Wahrheit wohl nie erfahren werden. Den Film betreue aber nicht ich, sondern Ariane Krampe in München.

Und dann arbeiten Sie noch an «Anne Frank» und in diesem Zusammenhang hatte zuletzt das ZDF etwas Trouble.
Wir hatten einst vom Anne-Frank-Fonds die Rechte an der Verfilmung erworben – so wie es sich auch gehört, würde ich mal sagen. Wichtig ist mir, dass wir den Stoff im Sinne von Anne Frank, mit Unterstützung des Anne-Frank-Fonds umsetzen.

Vielleicht wäre auch ein Film über Sie, Herr Souvignier, interessant. Vor rund vier Jahren mussten Sie mit Zeitsprung Insolvenz anmelden, weil Sie einige Projekte vorfinanziert hatten. Was haben Sie aus dieser Zeit gelernt und würden Sie sagen, dass Sie jetzt noch stärker sind?
Ich gehe gestärkt aus dieser Insolvenz hervor – ich würde sagen, wie Phönix auf der Asche. Denn jetzt mache ich mehr Filme als je zuvor.
Zeitsprung-Chef Michael Souvignier über die Zeit nach der Insolvenz seiner Firma
Das ist eine gute Frage. Die Zeit hat mich jedenfalls nicht gehindert, weiter mit unermüdlichem Engagement Filme zu machen. Ich möchte über diese Zeit eigentlich gar nicht mehr sprechen. Das ist alles fast vier Jahre her und natürlich ist eine Insolvenz immer auch ein Stück weit peinlich. Ja, ich gehe gestärkt aus dieser Insolvenz hervor – ich würde sagen, wie Phönix auf der Asche. Denn jetzt mache ich mehr Filme als je zuvor.

Wie wichtig sind denn auch weitere Produktionen von Privatsendern für Zeitsprung? Für Sat.1 haben Sie ja einige wichtige Filme gedreht.
Privatsender sind als Kunden wichtig, keine Frage. Ich habe 1984 erstmals für Sat.1 gearbeitet – da war der Sender ganz am Anfang. Seitdem habe ich immer die Schnelligkeit der dort getroffenen Entscheidungen geliebt. Das ist bis heute so. Ich denke, dass meine Filme und Stoffe für jeden deutschen Sender geeignet sind, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat.

Sie arbeiten nun auch mit RTL zusammen, produzieren einen Film zum Starfighter-Skandal. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit dem neuen Fiction-Chef Philipp Steffens?
Er steht gerade fünf Meter neben uns (grinst). Die Zusammenarbeit ist außerordentlich positiv. Philipp Steffens ist ein total engagierter Fiction-Macher. Ich mag es außerdem, wenn Verantwortliche auf Senderseite selbst schon einmal Produzent waren, weil sie dann sehr genau wissen, was für uns als Produktionsfirma wichtig ist. Für Zeitsprung ist die Arbeit mit und für RTL eine große Freude.

Worum geht es in «Witwenmacher»?
So hat man im Volksmund die Starfighter-Flugzeuge genannt. Die Bundesrepublik hatte in den 60ern im Kalten Krieg über 800 Starfighter bestellt, das damals modernste Kampfflugzeug der Welt. Die BRD rüstete auf, auch weil andere europäische Länder uns weit voraus waren. mehr als 200 dieser Maschinen fielen bis zum Dienstenede aber letztlich vom Himmel – und mit ihnen die Piloten. Junge Männer, die damals Helden waren – und entsprechend auch von den Frauen angehimmelt wurden. Der Film beginnt als Action-Film, fast wie in «Top Gun». Er endet aber als Drama, weil Militär und Politik die Abstürze als Pilotenfehler hinstellen wollten. Dies ließen sich die Witwen aber nicht gefallen und gingen gegen den Hersteller vor und gewannen.

Danke für das Interview.

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