Die Kino-Kritiker: «A Million Ways to Die in the West»

Nach der Teddybär-Komödie «Ted» liefert Seth MacFarlane mit seinem Projekt «A Million Ways to Die in the West» eine amüsante und durchdachte Westernposse, die ihre Wurzeln nicht leugnet und mit einem tollen Cast aufwarten kann.

Filmfacts: «A Million Ways to Die in the West»

  • Kinostart: 29.05.14
  • Genre: Western/Komödie
  • FSK: 12
  • Laufzeit: 116 Min.
  • Kamera: Michael Barrett
  • Musik: Joel McNeely
  • Autor: Seth MacFarlane, Alec Sulkin, Wellesley Wild
  • Regie: Seth MacFarlane
  • Darsteller: Seth MacFarlane, Charlize Theron, Amanda Seyfried, Liam Neeson, Neil Patrick Harris
  • OT: A Million Ways to Die in the West (USA 2014)
Der Typ von «Ted» hat es schon wieder getan – und einen Film gemacht. Besagter Typ ist Seth MacFarlane, seines Zeichens Schöpfer der Kult-Trickserien «American Dad», «Family Guy» und eben dem perversen Teddybären, der 2012 knapp dreieinhalb Millionen Zuschauer in die deutschen Lichtspielhäuser locken konnte. Nach Mark Wahlberg und Mila Kunis versammelt der Oscar-Host von 2013 nun eine noch größere Heerschar an Superstars um sich und versucht sich in «A Million Ways to Die in the West» an der Erzählung eines waschechten Western. Die Betonung liegt auf „erzählen“, denn anders als in der infantilen Plüschkomödie gibt sich der Regisseur, Produzent und Schauspieler hier sichtlich Mühe, eine Geschichte zu inszenieren, die nicht bloß auf einem einzigen, in die Länge gezogenen Gag basiert, sondern mit einer durchdachten Handlung und interessant gezeichneten Charakteren aufwartet, sowie technisch in einer ganz anderen Liga spielt als MacFarlanes Vorwerk.

Der Wilde Westen ist wirklich ein verdammt gefährliches Pflaster. Andauernd will irgendjemand einen umbringen. Banditen und Indianer sowieso. Aber auch besoffene Typen, wilde Tiere oder sogar der Doktor. Selbst auf dem eigentlich harmlosen Jahrmarkt sterben jedes Jahr Leute. Deshalb hält sich Schafzüchter Albert (Seth MacFarlane) bei brenzligen Situationen auch lieber im Hintergrund. Er hat zwar ein loses Mundwerk und gibt zusammen mit seinem Kumpel Edward (Giovanni Ribisi) zu allem einen frechen Kommentar ab, einen Revolver hat er allerdings noch nie in die Hand genommen. So gilt Albert auf den Straßen von Old Stump als unverbesserlicher Feigling, weshalb ihn auch seine Freundin Louise (Amanda Seyfried) verlassen hat. Die macht jetzt mit dem wesentlich mutigeren, vor allem aber auch wohlhabenden Bartträger Foy (Neil Patrick Harris) rum.Doch mit der Ankunft der wunderschönen Anna (CharlizeTheron) ändert sich alles. Albert ist von dem blonden Superweib, das nicht nur fluchen, schießen und ordentlich trinken kann, sondern auch noch seinen schrägen Humor teilt, hin und weg. In ihrer Begleitung wandelt sich der schlaffe Schäfer zum wilden Wolf. Na, ja … fast. Eine Sache vergaß Anna allerdings zu erwähnen: Sie ist mit einem eifersüchtigen Banditen verheiratet. Wird Alberts neu entdeckter Mut also reichen, um es mit dem schießwütigen Gatten seiner Angebeteten aufzunehmen?

Bereits der Plot von «A Million Ways to Die in the West» lässt die Dimensionen erahnen, in welchen der Regisseur, der zusammen mit seinen Stamm-Schreibern Wellesley Wild und Alec Sulkin das Drehbuch verfasste, sich sein neustes Projekt vorgestellt haben muss. Passend zu derlei passionierten Westernfantasien beginnt der Film mit einem klassischen Vorspann, der zu treibenden Wild-West-Klängen (der für diverse Direct-to-DVD-Produktionen verantwortliche John McNeely) waschechtes Cowboy-Feeling in die Kinosäle peitscht. Schon jetzt gibt die schwelgerische Kameraarbeit von Michael Barrett («Ted») einen Einblick in die Detailverliebtheit bei der Kulissenwahl. Gedreht wurde in New Mexico und Arizona, gleichzeitig versprühen die Sets ein herrlich nostalgisches Flair. So möchte man manchmal sogar meinen, es den Holzhäusern anzusehen, wie diese bloße Pappaufsteller sind, die beim nächsten Windstoß umzukippen drohen. Sind die rhythmischen Gitarrenklänge erstmal verstummt, wird das Publikum Zeuge einer Geschichte, die wie die Überhöhung typischer «Winnetou»-Streifen klingt, alles in allem jedoch weniger Parodie denn vielmehr satirisch angehauchte Western-Komödie ist und nicht davor scheut, mit der einen oder anderen Überraschung um die Ecke zu kommen. Ganz zu schweigen von zwei großartigen Cameo-Auftritten alter Hollywood-Kollegen, die sich als so punktgenau platziert erweisen, dass diese schlussendlich für die größten Lacher mitverantwortlich sind.

Selbiges gilt für die Darsteller. Allen voran CharlizeTheron («Prometheus») legt eine ungeheure Spielfreude an den Tag, die sie ausnahmslos sämtliche Schauspielkollegen an die Wand spielen lässt. Zusammen mit Seth MacFarlane – beide bestreiten den Film über die großzügige Laufzeit von knapp zwei Stunden zum Großteil im Alleingang –bildet sie ein stimmiges Duo, gleichwohl wirkt MacFarlane ab und an zu unkonzentriert, um der blonden Schönheit in irgendeiner Form das Wasser reichen zu können. Das männliche Pendant zu Theron bildet dagegen «How I Met Your Mother»-Kultstar Neil Patrick Harris. Seine Darstellung eines machohaft-arroganten Schnösels, dessen einziges Alleinstellungsmerkmal auffälliger Schnurrbartwuchs ist, ist brillant und von einem großartigen komödiantischen Timing. Amanda Seyfried («Les Misérables») versucht sich dagegen erfolgreich an überspitzter Selbstdemaskierung, während der mit viel zu wenig Screentime gesegnete Liam Neeson («Non-Stop») einen echten Gauner verkörpern darf. Das große Star-Ensemble harmoniert hervorragend untereinander und verhilft «A Million Ways to Die in the West» zur notwendigen Erdung, die «Ted» nicht besaß und «American Dad» sowie «Family Guy» nur bedingt aufweisen.

Hierzu trägt auch die dramaturgische Aufteilung des Streifens bei. Wie es im Western-Genre so üblich ist, erweckt auch der hiesige Vertreter den Eindruck, über eine sehr lange Strecke von etwa der Hälfte an Laufzeit nicht über den Prolog hinauszukommen. Der Plotmittelpunkt kristallisiert sich nur schleppend heraus. Dass die erste Filmstunde sich dennoch nicht als langweilig entpuppt, ist der inszenatorischen Raffinesse des Teams zu verdanken. Flüssig geschriebene Pointen und sympathische Charakterentwicklungen entführen das Publikum auf einen Trip durch die wilde Prärie. Selbst den von MacFarlane so geliebten, infantilen Humor bekommt man nur an ausgewählten Stellen zu spüren. Zwar ist «A Million Ways to Die in the West» nicht völlig frei von Haudrauf-Humor, doch die wenigen unter die Gürtellinie zielenden Gag-Spitzen werden in ihrer Absurdität soweit ausgekostet, dass das wiederum richtig lustig ist. Was man hingegen schmerzlich vermisst, ist der in den Trailern groß angekündigte Blut-Gehalt. Entgegen sämtlicher Erwartungen ist MacFarlanes Komödie kein ernstzunehmender Konkurrent für «Django Unchained». Die deutschlandweite FSK-Freigabe ab 12 lässt bereits erahnen, dass sich der Streifen wenig bis kaum auf Gemetzel und Ballerei verlässt. Für die Konsequenz der Prämisse ist dies lohnenswert. Wer das Kinoticket jedoch vor allem des Splattergehalts wegen löst, wird dagegen wohl enttäuscht werden.

Fazit: Mit «A Million Ways to Die in the West» liefert Blödelbarde Seth MacFarlane einen wesentlich bodenständigeren Komödienvertreter ab, als man es nach seiner bisherigen Vita von ihm erwartet hätte. Anders als vermutet, ist der Streifen weder Westernparodie noch Splatterfest und punktet mit einer angenehmen Mischung aus spitzzüngigen Pointen, kurzweiliger Story und sympathischen Figuren. Das authentische Westernflair und die technisch gelungenen Faktoren runden das Seherlebnis ab und versprechen mutiges, modernes Westernkino.

«A Million Ways to Die in the West» ist ab dem 29. Mai bundesweit in den Kinos zu sehen.

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