Wirtschaft

Der Rubel rollt: Wie geht es RTL, P7S1, Constantin und Co.?

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Wir haben mit Manuel Koch vom Deutschen Anleger Fernsehen gesprochen. Er weiß, wie die großen deutschen Fernsehunternehmen wirtschaftlich dastehen.

Unser Experte

Manuel Koch (31) ist der US-Chefkorrespondent vom Deutschen Anleger Fernsehen in New York. Er berichtet seit zwei Jahren täglich live von der Wall Street im DAF-Programm und für den Nachrichtensender N24 in der «Börse am Abend». Im Jahr ist er in über 700 Live-Schalten zu sehen und moderiert 150 Sendungen von «Inside Wall Street» und «Nasdaq Report». Zudem berichtete er über Hurrikan Sandy, die Bomben-Anschläge in Boston und den Regierungs-Shutdown in Washington. Der Berliner studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Öffentliches Recht auf Magister und arbeitete nach seinem Abschluss für N24, Reuters, Euronews und FocusTV.
Einschaltquoten sind längst nur noch ein Teil dessen, was für die Fernsehbosse das A und O sind. Eine gute Quote bringt nicht gleich wirtschaftlichen Erfolg und eine schlechte nicht zwingend monetären Misserfolg. Das zeigt aktuell der Sport-Sender Sport1, der trotz wachsender Marktanteile in der Zielgruppe diese nicht in steigende Werbeumsätze ummünzen kann. Für Quotenmeter.de hat Manuel Koch die Lage der großen deutschen Fernsehsenderketten eingeschätzt – er sagt, welchen Unternehmen es rosig geht und wo um die wirtschaftliche Gesundheit gebangt wird. Ein Beispiel für eine Firma, in der es nicht nach Plan läuft, ist Sport1-Mutterkonzern Constantin. „Das mittelständisches Medienunternehmen Constantin Medien AG blieb im dritten Quartal deutlich hinter den Erwartungen zurück. Nach vorläufigen Berechnungen sank der Umsatz um fast 27 Prozent auf 116 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal. Unter dem Strich steht ein Minus von 5,9 Millionen Euro. Das Ergebnis ist für das Unternehmen selbst überraschend schlecht ausgefallen, so dass auch die Umsatzprognose für das Gesamtjahr von bis 480 Millionen Euro nicht mehr gehalten werden kann“, sagt Manuel Koch.

Seine Analyse ergibt: „Belastend wirkten sich hohe Ausgaben im Sportsegment aus. Die Programm- und Produktionsinvestitionen haben sich bisher noch nicht ausgezahlt. Auch bei internationalen Filmen steht ein Minus. Diese hatten äußerst erfolgreiche Vorquartale. Der Trend aktuell ist also erst einmal negativ.“

Ansonsten stellt er recht positive Zeugnisse aus, auch für die RTL Group, die im Vergleich mit ProSiebenSat.1 und Sky Deutschland vielleicht noch etwas schwächer abschneidet. „Bei der RTL Group sank der Umsatz, der Gewinn konnte aber trotz schwacher Werbemärkte gesteigert werden. Der Gesamtumsatz bei Europas größter werbefinanzierter Senderfamilie war in den ersten neun Monaten des Jahres leicht rückläufig und lag bei 4,05 Milliarden Euro. Das sind 1,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum“, weiß der 31-Jährige.

„Dank eines Sparprogramms stieg der Nettogewinn aber um rund 41 Prozent auf 535 Millionen Euro. Die RTL Group verfehlte damit trotzdem die Erwartungen der Analysten. In Deutschland lief das Geschäft der Sendergruppe weiter gut und ist eine bedeutende Säule. Der Start in das wichtige vierte Weihnachtsquartal sei positiv verlaufen. Die Aktie des Unternehmens hat sich zuletzt positiv entwickelt“, so der Finanzjournalist.

Begeistert ist Koch derweil von der Gesamtentwicklung des Abo-Unternehmens Sky mit Sitz in Unterföhring. „Wenn ich zurückdenke, hatte früher keiner meiner Freunde Pay-TV. Zu Premiere-Zeiten hieß es immer, das funktioniere in Deutschland nicht. Ein Abo von Sky Deutschland haben heute einige, die ich kenne. Sky wurde von den Machern mit Geduld und Geld fit gemacht“, meint er und sieht rosige Zeiten auf die Firma zukommen, nicht ohne zu erwähnen, dass Medienmogul Rupert Murdoch dafür 1,5 Milliarden Euro investieren musste.

Kursentwicklung Sky Deutschland

  • 22.11.2010: 1,70 €
  • 21.11.2011: 1,59 €
  • 19.11.2012: 3,90 €
  • 18.11.2013: 7,55 €
„Der lange Atem scheint sich auszuzahlen. Das Unternehmen ist auf dem Weg aus den roten Zahlen. Der Umsatz machte einen großen Sprung, unter dem Strich blieb aber ein Verlust von 14,2 Millionen Euro. Die Frage ist: Kann Konzernchef Brian Sullivan den Sender dauerhaft profitabel machen? Die Aufwärtsbewegung ist klar zu sehen, auch wenn im vergangenen Quartal nur 76.000 neue Kunden gewonnen werden konnten. Analysten waren von bis zu 85.000 ausgegangen. 3,5 Millionen Abonnenten hat Sky jetzt. Zugpferd ist ganz klar die Bundesliga. Die US-Investmentbank Goldman Sachs erhöhte zudem gerade ihr Kursziel für die Sky-Aktie von 8,80 auf 9,40 Euro. Dank seiner Ausrichtung auf strukturelle Wachstumsmärkte nehme der Bezahlender eine führende Position in seiner Branche ein. Ich denke, dass der Sender Zukunft hat, weil man in Qualität investiert - das merkt der Zuschauer“, sagt Koch.

Auch bei ProSiebenSat.1 läuft es rund – allerdings hat sich in diesem Unternehmen zuletzt der Fokus der Geschäftsaktivitäten etwas geändert. „Mit ProSiebenSat.1 verbinden wohl die meisten die Fernsehsender. Auch wenn das TV-Kerngeschäft deutlich zulegen konnte, verbuchen aber die Angebote für Video-Spiele oder Filme auf Abruf das höchste Wachstum und machen mittlerweile über ein Fünftel am Gesamtumsatz aus. Auch die Beteiligungen an Online-Anbietern für Reisen oder Mietwagen werden immer wichtiger für den Konzern. Im dritten Quartal stieg der Umsatz deshalb um knapp 14 Prozent auf rund 577 Millionen Euro. Unter dem Strich stieg der Gewinn von 50 auf 63,8 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Manuel Koch vom Deutschen Anleger Fernsehen.

„Für das Schlussquartal rechnet ProSiebenSat.1 damit, dass das Ergebniswachstum unter dem Niveau der ersten Monate bleibe. Denn um zu wachsen, will man zuerst in neue Sender und digitale Geschäfte investieren.“ Die US-Investmentbank Goldman Sachs erhöhte jüngst das Kursziel von 37 auf 44 Euro pro Aktie. Manuel Koch dazu: „Der Onlinesektor biete den europäischen Medienunternehmen Chancen, die die Risiken überträfen. Der Konzern steckt also viel Geld in Online-Angebote jeglicher Art. Das ist gut so - denn da spielt die Zukunftsmusik. Trotzdem sollte man aber nicht die Kernkompetenz von unterhaltsamen, innovativen und guten TV-Angeboten vergessen. Auch das erfordert stetige Investitionen und oft Mut zum Wagnis.“


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