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«Ottis Schlachthof»: Ein letztes Halleluja

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Nach 17 Jahren wird der Kabarett-Stammtisch im Bayerischen Fernsehen eingestellt. Ein Kommentar.

„Bis zuletzt habe ich versucht, den Kollegen Parkinson zu ignorieren. Beim Film und auf der Bühne kann man dieser Krankheit trickreicher begegnen, weniger da, wo's die Schlagfertigkeit braucht.“ Sprach Ottfried Fischer im Juli, als er das Ende seiner langjährig erfolgreichen Kabarett-Show «Ottis Schlachthof» bekannt gab. Am Freitagabend läuft nun die letzte Folge, eingeladen sind Fischers Weggefährten der vergangenen Jahre – unter anderem Urban Priol, Monika Gruber und Willy Astor. Sie alle wollen ihm einen gebührenden Abschied bereiten.

Seit 1995 war der monatlich ausgestrahlte «Schlachthof» eine feste Institution im Bayerischen Fernsehen. Zu seinen besten Zeiten galt er als scharfzüngiger Debattierclub, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Aber auch als Talentschmiede für junge Künstler, nicht nur des Kabaretts, sondern auch aus der Kleinkunstszene. Irgendwie aber ist das Format auch in der Zeit stehen geblieben: Der Vorspann wirkt wie ein Relikt aus den experimentellen 90er Jahren, die Kulisse selbst ist wie eh und jeh das Münchner Wirtshaus im Schlachthof. Wohl gerade dieser Traditionalismus hat dem Fernsehpublikum gefallen; Ottis Einschaltquoten waren stets hoch. Die Zuschauer wussten: Auch wenn die Welt verrückt spielt – am Ende wird wieder gemeinsam am «Schlachthof»-Stammtisch drüber gelacht.

Ein letztes Mal also wird Ottfried Fischer in dieser Woche seine Lachsalven abfeuern – stakkatohaft wie immer und rasend schnell, dass jeder Teleprompter abrauchen würde. Mit Pausen zwischen den Sätzen, die fragen lassen, ob die Pointe schon gesetzt wurde oder ob sie noch folgt. Die Scharfzüngigkeit und Selbstironie ist zweifellos auch heute vorhanden beim bayerischen Urgestein, die Schlagfertigkeit aber – Fischer hatte sie im obigen Zitat selbst angesprochen – schwindet, dies sah man in den letzten Sendungen. Vielleicht auch deshalb hat er sich mit Michael Altinger einen festen Kollegen an die Seite geholt, der seit Mai in jeder Show am Stammtisch sitzt. Altinger, selbst seit vielen Jahren immer wieder Gast in «Ottis Schlachthof», steht stellvertretend für die Bedeutung des Formats für junge Kabarett-Künstler: Fischer hat ihm – wie vielen anderen wie Django Asül – früh eine Plattform, ein großes Publikum gegeben und damit die Karriere gefördert.

Allein darum ist es schade um das Ende von «Ottis Schlachthof» nach über 170 Folgen: Eine Kabarett- und Stand-Up-Institution verlässt die Fernsehbühne, die viel für die bayerische Szene getan hat. Im BR ist ein Nachfolgeformat nicht in Sicht, auf Ottfried Fischer selbst müssen seine treuen Zuschauer aber wohl nicht verzichten: „Wo die Reise hingeht, weiß ich noch nicht genau, aber ich werde weiterhin, entschleunigt zwar, Bühnenprogramme spielen, Bücher schreiben und neue Projekte entwickeln, auch im Bereich des Produzierens von Filmen“, so Fischer im Sommer. Und fügt an: „Keine Angst, Sie entkommen mir nicht. Wir sehen uns – Mehr sog i ned.“

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