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Juwelen des Fernsehens: «Die Harald Schmidt Show»

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Die tägliche Unterhaltungsshow wurde vom 5. Dezember 1995 bis zum 23. Dezember 2003 in Sat.1 ausgestrahlt. Sie gilt als einzige erfolgreiche, deutsche Late-Night-Show und wurde nach anfänglichen Misserfolgen wegen ihrer kreativen Freiheiten zu einer einmaligen Institution im deutschen Fernsehen.



Den Weg für «Die Harald Schmidt Show» ebnete 1995 der damalige Sat.1-Chef Fred Kogel, der Harald Schmidt zusammen mit Thomas Gottschalk und Fritz Egner von den öffentlich rechtlichen Sendern zu Sat.1 holte. Die drei sollten dem Privatsender helfen, sich langfristig gegen die immer stärker werdende Konkurrenz von RTL zu behaupten. Während Egner einige banale Gameshows und Thomas Gottschalk mit «Gottschalks Hausparty» ein regelmäßiges Primetimeformat bekamen, sollte Harald Schmidt mit einer klassischen Late-Night-Show im amerikanischen Stil hohe Marktanteile erzielen. Das Genre der in Amerika sehr beliebten allabendlichen Unterhaltungsshows war in Deutschland bis dahin nie richtig erfolgreich betrieben worden. Zwar konnte Thomas Gottschalk mit seiner «Late Night» gute Reichweiten erzielen, aber die Sendung konnte nicht als Late-Night-Show im eigentlichen Sinne, sondern eher als Talkshow bezeichnet werden. Auch sein späterer Nachfolger Thomas Koschwitz, dessen «RTL Nachtshow» deutlich mehr an die amerikanischen Vorbilder erinnerte, war nie wirklich erfolgreich.



Jede Sendung der «Harald Schmidt Show» begann mit einem Monolog und Einspielfilmen mit Gags zum aktuellen Tagesgeschehen. In der zweiten Hälfte der Show saß Schmidt hinter einem Schreibtisch und empfing prominente Gäste. Begleitet wurden die Aktionen von einer Live-Band im Studio dessen Bandleader Helmut Zerlett war.



Auch Schmidt musste lang um seinen Erfolg kämpfen. Zwar legte «Die Harald Schmidt Show» am 05. Dezember 1995 einen überzeugenden Start hin, doch bereits ab der zweiten Ausgabe sanken die Zuschauerzahlen meist unter den Senderschnitt. Dies lag daran, dass in den Anfangsjahren die Show eine perfekte Kopie der amerikanischen «Late Show with David Lettermann» war. Die deutschen Fernsehzuschauer nahmen diese Kopie nicht an, denn es fehlte die besondere Schmidt’sche Note. Trotzdem hielt Sat.1 an seinem Prestige-Objekt fest.



Zunächst lief die Show von Dienstag bis Samstag gegen 23.00 Uhr. Donnerstags lief sie wegen «Schreinemakers Live» meist erst nach Mitternacht. Wenig später wurde die Samstagsausgabe, die im Gegensatz zu den restlichen Shows der Woche, live ausgestrahlt wurde, ersatzlos gestrichen, sodass die Show nur noch viermal pro Woche lief. Dies blieb bis 2003 so.



Offensichtlich war auch Schmidt selbst nicht ganz mit dem Konzept der Show zufrieden, denn nach drei Jahren trennte er sich im Juli 1998 von der bisherigen Produktionsfirma Brainpool und stellte die Show fortan mit seiner Firma Bonito selbst her. Damit verbunden war auch ein Umzug der Show vom „Capitol“ in der Kölner Innenstadt zum eigenen Studio 449 in Köln-Mühlheim. Dadurch konnte sich Schmidt mehr vom Original abwenden und der Sendung seine eigene Note geben. Mit diesen Änderungen begannen auch die Marktanteile bis zu letzt stetig zu steigen. In seinen beiden letzten Jahren erreichte die Show allabendlich bis zu 18 Prozent Marktanteile in der Zielgruppe und lag durchgehend über dem Senderschnitt. Dies führte dazu, dass die Show ab 30. Juni 2003 wieder fünfmal die Woche, nun montags bis freitags, ausgestrahlt wurde.



Mit wachsendem Erfolg wurde die Show immer mehr zu einer festen Institution im deutschen Fernsehen, die auch die letzten Kritiker verstummen ließ. Schmidt erhielt nun unzählige Preise und Auszeichnungen. Dazu gehörten der angesehene Grimme-Preis und mehrfach der Deutsche Fernsehpreis. Durch den Erfolg erhielt auch Schmidt bei der Gestaltung der Show immer mehr Freiheiten. Dies ging soweit, dass er am 28. Mai 2002 eine Ausgabe komplett in französischer Sprache produzierte, die sogar auf arte ausgestrahlt und mit dem Deutsch-Französischen Journalistenpreis ausgezeichnet wurde. Die Narrenfreiheit führte im Laufe der Zeit zu immer absurderen Folgen, die jedoch durchweg erfolgreich waren. So führte er ein komplettes Theaterstück von Benjamin Stuckrad-Barre in seiner Show auf oder ließ während der Sendung das Licht für gut 20 Minuten ausschalten und saß schweigend an deinem Schreibtisch. Am 22. November 2002 moderierte er eine komplette Sendung mit dem Rücken zum Publikum und am 18. September 2003 übertrug er eine vierstündige Sonderausgabe seiner Sendung mit Anke Engelke, Bastian Pastewka und Olli Dittrich von einem Rheindampfer. Viel Beachtung und Lob erhielt Schmidt für den pietätvollen Umgang mit den Ereignisse des 11. September 2001.



In der Show tauchten immer wieder Rubriken auf, die zeitweise legendär wurden und später wieder verschwanden. Dazu gehörten „Die dicken Kinder von Landau“, „Die Weisheiten des Konfuzius“, „Das Alphabet mit Bimmel und Bommel“ oder seine „Rinder-gegen-den-Wahnsinn-Schleife“. Gern spielte Schmidt in seiner Sendung zudem wichtige Ereignisse mit Playmobil nach. Zahlreiche Protagonisten wie Kai Edel, der imaginäre CDU-Politiker Dr. Udo Brömme mit seinem Wahlspruch „Zukunft ist für alle gut“, Frau Asenbaum, Opa Lüdemann und Schmidts türkischer Chauffeur Üzgür tauchten immer wieder in der Show auf.



Ab dem Jahr 2000 wurden immer mehr Mitarbeiter der Show in den Mittelpunkt gerückt. Ab August wurde der Redaktionsleiter Manuel Andrack zum „Sidekick“ des Moderators befördert und saß fortan an einem kleinen Schreibtisch mit auf der Bühne. Auch Andrack wurde für seine Auftritte und die klugen Wortwechsel mit Schmidt mehrfach ausgezeichnet. Da er in jeder Folge ein anderes Bier trank, wurde er später zum deutschen Bierbotschafter ernannt. Später spielten die französische Rezeptzionistin der Show Nathalie Licard, die Moderationskartenhalterin Suzana Novinšèak sowie der Requisiteur Sven Olaf Schmidt größere Rollen. Letzter brachte Schmidt stets sein Wasser, der dies mit den legendären Worten „Ich sage Ja zu deutschem Wasser!“ kommentierte.



Am 07. Dezember 2003 gab Harald Schmidt überraschend bekannt, dass er mit seiner Show eine „kreative Pause“ einlegen und die Show vorerst nicht fortsetzen wolle. Über die Gründe wurde damals viel spekuliert. Vier Tage zuvor wurde der damalige Sat.1-Chef Martin Hoffmann vom neuen Eigentümer Haim Saban gefeuert. Hoffmann galt als enger Freund und Förderer Schmidts. Das Ende der Show wurde stets mit Hoffmanns Abgang verbunden.



In seinem Buch „Die TV-Falle“ begründete Hoffmanns Nachfolger Roger Schawinski Schmidt Entscheidung jedoch mit einer selbst empfundenen Abnutzung des Fernsehstars. Schmidt selbst hat sich dazu nie ernsthaft geäußert. In einer späteren Show witzelte er lediglich, dass er noch „52 Wochen Resturlaub gehabt hätte, die er nehmen musste“.



Die 1374. und zugleich letzte Ausgabe der «Harald Schmidt Show» lief am 23. Dezember 2003 über den Sender. Die Sendung, in der am Ende alle Mitwirkenden der Show in einem Chor auftraten, hatte die höchste Einschaltquote ihrer Gesichte.



Harald Schmidt tauchte anschließend für ein gutes Jahr unter und begab sich auf Weltreise. Im Dezember 2004 feierte er mit einer ähnlichen Show, die schlicht «Harald Schmidt» hieß und wieder aus dem Studio 449 aufgezeichnet wurde, sein Comeback im Ersten. Allerdings fokussierte er sich mit Manuel Andrack fortan mehr auf Themen aus Politik und Feuilleton. Diese Umorientierung und die unzuverlässigen Sendeplätze im Ersten führten zu einem erneuten Absturz der Sendung. An die Erfolge in Sat.1 konnte die Neuauflage nicht mehr anknüpfen. Im Herbst 2007 versuchte Schmidt dem sinkenden Interesse an seiner Show mit der Verpflichtung von Oliver Pocher entgegenzuwirken. Als «Schmidt & Pocher» ging die Show fortan einmal wöchentlich auf Sendung und konnte den Abwärtstrend stoppen, wenngleich auch diese Variante nicht wirklich als Erfolg angesehen werden kann. Trotzdem gingen Harald Schmidt und Oliver Pocher ab 09. Oktober 2008 in eine zweite Staffel. Schmidt selbst verkündet immer öfter, dass er müde geworden sei und plane sich in spätestens zwei Jahren aus dem Fernsehen zurückziehen zu wollen.



Dieser Artikel erschien erstmals im Oktober 2008.

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