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Sonntagsfragen an Frank Plasberg

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Im WDR hat er eine neue Sendung, «Plasberg persönlich», in der ARD holt er trotz starker Konkurrenz bessere Quoten als Anne Will. Mit Quotenmeter.de sprach Frank Plasberg über die Politik in Bayern, Neid auf den Sonntagabend-Sendeplatz und «Plasberg persönlich».

Herr Plasberg, wir müssen kurz über das Thema der Woche sprechen. Der dramatische CSU-Absturz…
Der hat mich wirklich sehr gewundert. Sie kommen doch aus Bayern, steht bei Ihnen noch alles?

Doch, ja. Wobei es nun schon ein anderes Lebensgefühl ist…
(lacht) Ich hatte in der Redaktion auf 47,9 Prozent für die CSU getippt und wurde dabei schon als Pessimist bezeichnet. Mit nur 43 Prozent habe ich wirklich nicht gerechnet. Der Wahlabend am vergangenen Sonntag hatte ja schon etwas von einem Shakespeare-Drama. Ich fand das sehr spannend, eben weil es so eng mit Personen verbunden war. Erwin Huber hat mir wirklich leid getan – das war ein menschliches Drama, das sich da abgespielt hat. Ich frage mich jetzt: Will Edmund Stoiber wieder zurückkommen? Sagt er sich: Was Franz Müntefering geschafft hat, könnte mir auch gelingen.

Man hörte Kritik am CSU-Wahlkampf. Haben Sie diesen ebenfalls als lasch empfunden?
Dazu bin ich wirklich zu weit weg. Ich habe davon nur in der Zeitung gelesen. Deswegen möchte ich das wirklich ungern beurteilen.

Sie moderieren eine neue Sendung im WDR - «Plasberg persönlich». Wie kam es dazu?
Der WDR hat mich gefragt, ob ich eine neue Sendung präsentieren möchte, nachdem «hart aber fair» ins Erste gewechselt ist. Fest stand der Sendeplatz – Freitagabend, den der WDR zur festen Talkleiste ausbauen will. Für uns waren dann drei Fragen wichtig: Schadet das «hart aber fair»? Wofür ist neben den anderen Talkformaten noch Platz? Und: Woran hätte ich selbst Spaß?

Das Ergebnis dieser Überlegungen ist «Plasberg persönlich», eine Talkshow mit sechs Gästen zu einem Lebensthema. Ausnahmsweise haben wir schon eine Woche vor dem Start die erste Sendung aufgezeichnet – einen Piloten hatten wir uns gespart, weil wir keine Gebührengelder verschwenden wollten. Ganz bewusst setzen wir nicht auf die Prominenz der Gäste, sondern auf die Faszination ihrer Geschichten. In der ersten Ausgabe war unser Thema: „Gefangen im Doppelleben.“.

Sie hatten auch Sonia Rossi, die Autorin von „Fucking Berlin“ im Studio…
Richtig, ein irritierender Auftritt. Ich bin mir nicht sicher, ob ihre Geschichte auch wirklich zu 100 Prozent stimmt. In der Sendung entstand da eine ganz interessante Situation. Ein Talkgast, der früher Spion des US-Geheimdienstes in der DDR war, klinkte sich in das Gespräch ein und stellte Sonia Rossi, die Mathematik studiert, Fachfragen, da er auch mal Mathe studiert hatte.

Einige konnte sie beantworten, bei anderen wand sie sich heraus und antwortete mit Gegen-Fachfragen. Es entstand fast eine Situation wie bei einem Verhör. Das war spannend. Dennoch kann ich bis jetzt noch nicht sagen, ob Frau Rossi wirklich die Wahrheit gesagt hat. Das kommt in der Sendung auch ganz gut rüber. Vielleicht meldet sie sich in fünf Jahren lachend und sagt: So schnell kann man mit einer erfundenen Geschichte die Bestseller-Liste stürmen.

«hart aber fair», «Plasberg persönlich», ein Quiz für die ARD... Wird Ihnen das langsam zu viel?
Das Jahresquiz in der ARD ist eine einmalige Sache, «Plasberg persönlich» gibt es zehn Mal im Jahr. Das hat also eher Event-Charakter. Deswegen ist es so wichtig, dass mir meine neue Sendung richtig viel Spaß macht. Das fühlt sich dann nicht wie zusätzliche Arbeit an und so profitiert sogar «hart aber fair» davon, weil ich auch eine andere Art von Journalismus kennen lerne.

Denken Sie, dass «Plasberg persönlich» auch davon profitieren kann, dass die Menschen von den Dritten am Freitag Talkrunden gewohnt sind?
Bei der Sendeplatzwahl verlasse ich mich auf meinen Sender. Aber es kann schon sein: Dort läuft seit einiger Zeit auch der «Kölner Treff» nach Anfangsschwierigkeiten ganz erfolgreich. Mir war nur wichtig, dass wir – entgegen der People-Runden zum Beispiel im NDR– eine monothematische Sendung haben, in der keine Promis sitzen. Prominente Menschen dürfen zwar gerne kommen, aber eben nur dann, wenn ihre Geschichte Millimeter genau ins Thema passt.

Wie zufrieden sind Sie mittlerweile mit dem Sendeplatz von «hart aber fair» im Ersten?
Die Fakten sprechen für sich. Wir liegen derzeit bei 12,7 Prozent Marktanteil, «Anne Will» bei 12,5 Prozent. Und das trotz Fußball-Konkurrenz am Mittwoch. Bis Weihnachten gibt es glaube ich nur zwei Tage, an denen kein Champions-League-UefaCup, oder Länderspiel gegen uns läuft. Was mich wirklich ärgert: Wenn «Hart aber fair» wegen Fußball ausfallen muss. Das kann sehr ärgerlich sein, wenn die Woche ein tolles Thema geboten hätte…Andererseits muss mein Vater – der ist Fußball-Fan - sich dann nicht entscheiden…

Also sind Sie doch ein bisschen auf «Anne Will» neidisch.
Wir haben gelernt, dass der Tag nicht mehr entscheidend ist für Reputation einer Sendung. Ich beneide Anne Will um ihr stabiles Lead-In. Wir hätten gerne regelmäßig 20 Prozent Marktanteil im Vorfeld – den der «Tatort» jeden Sonntag liefert. Aber es kann ja auch schön sein, jeden Mittwoch gegen heftige Konkurrenz zu senden – und trotzdem nicht unterzugehen.

Herr Plasberg, bei Wahlen geht die Wahlbeteiligung stets zurück – vor allem junge Menschen interessieren sich nicht mehr für Politik. Es ist auch Ihre Aufgabe dem entgegenzusteuern. Aber: «hart aber fair» tut sich schwer in der Zielgruppe.
Also zunächst einmal bin ich froh, dass Helmut Thoma als Erfinder der Zielgruppe, diese jetzt selbst für Schwachsinn erklärt hat. Dennoch: Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass wir eher ein älteres Publikum erreichen. Schon bei der «Aktuellen Stunde» im WDR Fernsehen habe ich immer gesagt: „Lass uns nicht vergeblich versuchen, ein ganz junges Publikum zu holen – lass uns aber auch nicht antiquiert wirken“. Ich glaube, dass Menschen von ganz alleine beginnen, sich für Politik, für Gesellschaft zu interessieren.

Wenn sie aus der Großstadt in die Vorstadt ziehen und ihr erstes Kind großziehen, dann verschieben sich die Interessen. Der Style einer guten Politsendung sollte also nicht veraltet sein, aber sicherlich auch nicht dem eines Jugendmagazins ähneln. Wobei: «hart aber fair» hat mehr jugendliche Zuschauer als manches Jugendmagazin, was einfach an der größeren Gesamtzuschauerzahl liegt. Das Genre Polit-Talk hat einfach von Grund auf ein älteres Publikum – und das ist nicht schlimm.

Also zielen Sie auf die Zielgruppe 40+ ab?
Man kann ein solches Format nicht über die Maßen verjüngen. Schon jetzt beklagen sich einige ältere Zuschauer über unsere „Reklame“ – damit meinen sie die Eject-Jingles vor unseren Beiträgen. Damit müssen sie aber leben. Ich denke nicht, dass wir unter dem Druck stehen noch jünger werden zu müssen. Es wird aber dennoch auch weiterhin Sendungen geben, die sich mit Themen beschäftigen, die vor allem für Menschen unter 50 Jahren interessant sind. Schönheits-OPs beispielsweise. Solche Sendungen werden aber auch von Älteren gesehen, weil sie dann an ihre Töchter oder Enkel denken und sich daher dafür interessieren.

Sind die Jungen dann heute überhaupt weniger interessiert an gesellschaftsrelevanten Themen?
Das weiß ich nicht. Unsere Zuschauer wachsen und finden irgendwann den Weg zu «hart aber fair». Wobei: Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob jemand, der mit RTL II groß geworden ist, überhaupt eine Sendung anschauen kann, die länger als zwölf Minuten ohne Unterbrechung dauert.

Im deutschen Fernsehen gibt es drei große Polit-Talks – früher waren es nur zwei. Macht es das für Sie schwerer, gute Gäste zu bekommen?
Natürlich. Wir wollten vergangenen Mittwoch beispielsweise Wilfried Scharnagl, einen Weggefährten von Franz Joseph Strauß, in der Sendung haben. Der saß am Wahlabend bei «Anne Will». Aber das erging «Anne Will» auch schon einmal umgekehrt so. Ich glaube, dass sich das von ganz alleine regelt und wir mit ein bisschen Kreativität sehr interessante Gäste präsentieren können.

Zum Abschluss auch an Sie noch kurze und knappe Fragen – beginnend mit der, welche TV-Sendung Sie nie verpassen?
Den «Tatort», die Polit-Talks «Maybrit Illner» und «Anne Will» - wobei das eher zur Arbeit gehört, das ist Konkurrenzbeobachtung – und gute Fiktion. Ich nehme mir den Mittwochsfilm der ARD ebenso auf wie das Fernsehspiel am Montag im ZDF.

Sind Sie ein öffentlich-rechtliches Kind oder schauen Sie auch Privatfernsehen?
Weniger als früher, wobei ich nicht weiß, ob das an mir oder den Privaten liegt. Diese Woche habe ich mir beispielsweise «Californication» angesehen, ich nehme mir «stern TV» auf und mag auch «Switch reloaded» und «Stromberg», huch, das waren ja jetzt lauter private Formate…

Wo schalten Sie sofort weiter?
Nirgends. Ich habe auch Spaß am Fremdschämen.

Und: Wo würden Sie jetzt gerne Urlaub machen?
Immer wieder in Nova Scotia in Kanada.

Vielen Dank für das Gespräch.

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