Sonntagsfragen

Sonntagsfragen an Petra Bodenbach und Julius Grützke

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Am Montag startet die neue Sat.1-Serie «Anna und die Liebe». Nachdem Quotenmeter.de schon mit der Hauptdarstellerin Jeanette Biedermann und dem bekannten Matthieu Carrière sprach, sind dieses Mal Petra Bodenbach (Producerin) und Julius Grützke (Chefautor) an der Reihe. Die beiden erzählen über ihre bisherige Arbeit und erklären, warum ihre Serie keine «Verliebt in Berlin»-Kopie ist.

Herr Grützke, Sie sind Chefautor von «Anna und die Liebe» und haben – ich habe mich vor unserem Gespräch mal etwas mit Ihrer Biografie befasst – schon etliche Projekte vorher gemacht. «R.I.S.», «Bianca», «Gute Zeiten, schlechte Zeiten», «Großstadtträume», «Rote Rosen», etliche Piloten… Was war denn das Spannendste?
Grützke: Das war «Gute Zeiten, schlechte Zeiten», weil es die erste Serie war, an der ich mitgearbeitet habe. Das war vor dreizehn Jahren und mit vielen der Leute, die damals in unserem Team waren, arbeite ich heute noch. Aglef Püschel und Wiebke Jaspersen zum Beispiel, die «Anna und die Liebe» entwickelt haben. Auch Christian Popp habe ich damals kennengelernt. Es war eine unheimlich angenehme und lehrreiche Zeit. Später war «Hausmeister Krause» eine tolle Erfahrung, weil die Zusammenarbeit mit Tom Gerhardt großen Spaß macht, da fällt mir die Entscheidung doch etwas schwer. Das sind aber die beiden Stationen, an die ich besonders gern zurückdenke.

Im Mittelpunkt der neuen Sat.1-Telenovela steht Anna, die überaus schüchtern ist. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?
Grützke: Das war nicht meine Idee, sondern die von Christian Popp, Aglef Püschel und Wiebke Jaspersen. Deshalb bin ich da nicht der ganz richtige Ansprechpartner. Aber prinzipiell entwickelt man ein solches Format immer mit dem Gedanken, was denn der großen Liebe im Wege stehen kann. Was hindert die Person an ihrem Glück? Und bei Anna ist das nun mal ihre Schüchternheit.

Frau Bodenbach, Sie sind Producerin der Serie – haben zuvor als Chefautorin bei «Wege zum Glück» gearbeitet. Die Telenovela ist aber anders aufgebaut. Da kommt das Liebespaar oft schon nach einigen Folgen zusammen und erlebt dann gemeinsam Höhen und Tiefen. Bei «Verliebt in Berlin» kamen Lisa und David erst in der letzten Folge zusammen. Wie wird es bei «Anna und die Liebe» sein und welche Variante ist die bessere?
Bodenbach: Es gibt da kein Besser oder Schlechter. Es sind verschiedene Erzählkonzepte, die beide aber sehr spannend sind. Man erzählt je nach Konzept auf einer ganz anderen Ebene. Bei «Anna und die Liebe» werden die Zuschauer bis zum Schluss auf das versprochene Happy End warten müssen. Das ist genauso wie bei einer romantischen Komödie, die am Abend im Fernsehen läuft. Ganz am Ende erst sind alle happy.

Wie lustig wird es denn bei «Anna und die Liebe»? «Wege zum Glück» ist nicht für großen Humor bekannt…
Bodenbach: Es wird sehr lustig bei uns. Wir möchten beide Zielgruppen bedienen: Diejenigen, die gerne etwas schmunzeln und lachen, aber auch die, die eben die Liebesgeschichte sehen möchten. Wir haben demnach also auch sehr melo-dramatische Sequenzen eingebaut. «Anna und die Liebe» ist sehr modern erzählt, bietet überraschende Wendungen und ist daher eine gute Mischung für Jedermann. Außerdem haben wir richtig tolle Schauspieler – allen voran natürlich Jeanette Biedermann, die ich ganz bezaubernd finde.

Jetzt ist es ja wichtig, dass es in einer Telenovela nicht nur eine tolle Liebesgeschichte gibt – es muss auch den Konflikt zwischen Gut und Böse geben. Wer ist denn der Oberfiesling der Serie? Es gibt ja einige…
Grützke: Ja, wir haben einige böse Figuren in der Serien. Da wäre Annas Schwester, die Antagonistin. Sie ist jemand, der wirklich bereit ist alles zu tun, um zum Ziel zu gelangen. Sie bereitet Anna in den kommenden Monaten sicherlich die meisten Probleme. Aber auch in der Agentur Broda, in der Anna arbeitet, gibt es böses Blut: Natascha Broda, die Chefin der Firma, und Gerrit Broda, der ungeliebte Sohn, sind beide große Intriganten.

Herr Grützke, wer ist denn nun aber der Fieseste?
Grützke: Wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde ich auf Gerrit tippen, weil sich seine böse Energie aus einer tiefen Verbitterung speist.

Jede tägliche Serie sollte so aufgebaut sein, dass es mindestens eine Figur gibt, mit der sich der Zuschauer voll und ganz identifizieren kann. Die möglicherweise genau gleich denkt und fühlt. Wer wäre das denn bei Ihnen?
Grützke: Es wäre übertrieben, wenn ich jetzt Anna sagen würde, weil Anna viele Jahre jünger ist als ich. Aber Anna verkörpert schon den Autorentraum. Sie ist eine Frau mit unheimlich vielen, tollen Ideen – aber sie kann sie eben nicht gut präsentieren. So sehen wir Autoren uns ja auch oft selbst. Trotzdem würde ich sagen, dass ich mich vermutlich mit einem der Bösen am ehesten identifizieren kann.

Soso, Herr Grützke, der Fiesling. Und bei Ihnen, Frau Bodenbach?
Bodenbach: Ich kann mich da nicht entscheiden. Es gibt in fast jeder Figur Facetten, die auch ich in mir trage.

Ich habe neulich in der „TV Digital“ gelesen, dass beklagt wird, «Anna und die Liebe» sei eine 1:1-Kopie von «Verliebt in Berlin». Stimmen Sie dieser Experten-Meinung zu?
Bodenbach: Natürlich nicht. Wir haben die gleiche Tonalität und auch die gleiche Modernität. Ansonsten ist «Anna und die Liebe» aber etwas völlig Eigenständiges. Zwar haben auch wir eine unglücklich verliebte Hauptperson, die einiges durchmachen muss – aber das kommt in jeder romantischen Komödie vor. Von daher fällt die Abgrenzung sicherlich nicht ganz leicht. Ich finde aber, dass die Welt von «Anna und die Liebe» sich doch deutlich von der Welt von «Verliebt in Berlin» unterscheidet.

Ab kommender Woche erreichen Sie vermutlich die ersten Zuschauerzuschriften. Reagieren Sie eigentlich auf Wünsche der Zuschauer?
Grützke: Das ist nicht so einfach. Wir sind ja schon wesentlich weiter, drehen derzeit die Folgen, die im späten Herbst gezeigt werden. Wenn ich jetzt also reagiere, dann wäre der Zuschauerwunsch etwa gegen Weihnachten zu sehen. Wenn etwas überaus Interessantes dabei ist, dann machen wir das aber schon mal – eben mit dieser Verzögerung.

Wir waren schon bei den Bösen, Herr Grützke, aber nicht nur die sind wichtig für eine Telenovela, sondern auch die Nebenhandlungen. Welche spricht Sie da derzeit ganz besonders an?
Grützke: Ich kann da nicht so viel erzählen, weil ich sonst viel Spannung wegnehmen würde. Aber wir arbeiten gerade an einer Geschichte rund um die Agentur Broda, die mir sehr viel Spaß macht.

Bei «Verliebt in Berlin» wurde nach einem Jahr ein zweiter Love-Interest, nämlich Rokko, eingeführt. Ist so etwas auch bei «Anna und die Liebe» geplant?
Grützke: Darüber habe ich mir wirklich noch keine Gedanken gemacht. Das mache ich frühestens, wenn die Serie auf dem Bildschirm zu sehen ist und wir merken, dass uns da noch jemand fehlt.

Frau Bodenbach, Sie waren etwa 600 Folgen lang als Autorin bei «Wege zum Glück» dabei. Wie sehr berührt es Sie dann, wenn Sie hören, dass das ZDF ihr „Baby“ einstellt?
Bodenbach: Für mich hat «Wege zum Glück» schon vor einem Jahr aufgehört. Das ist alles schon ganz weit weg. Mein neues Baby heißt nun «Anna und die Liebe».

Die Telenovela ist wohl der wichtigste Sendestart von Sat.1 im kommenden Fernsehjahr. Wie groß ist denn der Druck?
Bodenbach: Wir machen uns selbst einen gewissen Druck, das stimmt. Da geht es dann aber nicht um Quoten, sondern darum, gute Geschichte zu erzählen. Alles andere spielt aber keine große Rolle. Das gesamte Team versucht seit Monaten das beste herauszuholen – und das ist uns glaube ich ganz gut gelungen. Wir haben hier fantastische Kollegen, die wirklich gute Arbeit abliefern.

Frau Bodenbach, Sie sind ja jetzt Producerin – viele unserer Leser würden gerne wissen, was Sie somit den ganzen Tag machen?
Bodenbach: (lacht) Ach je, das sind ganz viele Dinge. Ich muss immer schauen, was gerade gedreht wird, ob das Team noch etwas braucht, wie man das alles organisieren kann. Wir haben viele Besprechungen, das ist wichtig, weil «Anna und die Liebe» ein wirklich sehr großer Betrieb geworden ist. Meine Aufgabe ist es also, den gesamten Ablauf ein wenig zu strukturieren.

Sie waren früher Chefautorin, jetzt hat Julius Grützke den Job inne. Gehen Sie manchmal noch zu ihm und schlagen ihm etwas vor?
Bodenbach: Wenn ich Ideen habe, dann tauschen wir uns durchaus darüber aus. Das ist ja etwas ganz Normales. Wir diskutieren allgemein im Team viel über Storys und über die Entwicklung der Figuren.

Sie haben viel Wert darauf gelegt, dass auch kleinere Rollen bis ins Detail ausgearbeitet wurden…
Grützke: Das ist sehr wichtig. Wir haben versucht, alle Charaktere möglichst genau zu zeichnen. Jede sollte Möglichkeiten für einen dramatischen Konflikt bieten.

Wie werden Sie denn eigentlich die erste Episode am Montag ansehen?
Grützke: Sat.1 hat für alle Beteiligten eine Party am Alex in Berlin geplant. Ich werde also zusammen mit den Darstellern, dem Team und einigen Leuten von Sat.1 die erste Episode anschauen und dann feiern.

Wie groß ist denn Ihr Optimismus für einen guten Start, Frau Bodenbach?
Ich glaube, dass wir eine Überraschung erleben werden am Dienstagmorgen. Ich bin wirklich gespannt und überaus optimistisch. Ich freue mich aber allgemein auf die kommende Woche. Endlich geht das, an dem wir seit sechs Monaten hart arbeiten, auf Sendung.

Herr Grützke, Frau Bodenbach – viel Erfolg. Wir wünschen alles Gute für den Start.

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