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MontanaBlack und Co: Der Erfolgszug von Twitch

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Gerade in Zeiten von Corona haben die Zuschauerzahlen auf der Live-Streaming-Plattform noch einmal ordentlich angezogen. In dieser Woche wurde ein neuer Reichweitenrekord für ein Spiel aufgestellt. Wir ziehen eine Bilanz, wie sich Twitch entwickelt hat.

Mit dem “Das Gerät”-Live-Event wurde am Montag die zweite Season des zweiten Kapitels im Videospiel Fortnite beendet und die dritte Season auf den Weg gebracht (mehr zu Fortnite hier). Während des riesigen Events versammelten sich nicht nur unzählige Spieler vor der Konsole, um selbst mitzuwirken, sondern auch ein Millionenpublikum vor den Bildschirmen, um anderen dabei zuzusehen, ohne selbst ran zu müssen. Dafür nutzen die meisten die Live-Streaming-Plattform Twitch, die dafür bekannt ist, Gaming zu streamen und mit diesem Content groß geworden ist. So fanden sich am 15. Juni ab 20 Uhr während des Events in der Spitze bis zu 2,3 Millionen Zuschauer gleichzeitig auf Kanälen wieder, die das Spiel live übertrugen. Damit knackte Fortnite den bisherigen Rekord für das Spiel mit den meisten gleichzeitigen Zuschauern. Diesen hatte zuvor das Multiplayer-Online-Battle-Arena-Spiel (MOBA) League of Legends (LoL) mit 1,74 Millionen Zusehern inne gehabt, aufgestellt bei der vergangenen Weltmeisterschaft im November 2019.

Seinerseits hatte LoL den Rekord damals von Fortnite “gestohlen”. Denn bereits, als die vorangegangene Season geendet hatte, war mit 1,7 Millionen gleichzeitigen Viewern eine neue Bestmarke aufgestellt worden. Passend zu den stetig steigenden Zuschauerzahlen auf der Plattform Twitch generell, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der neue Rekord erneut getoppt wird. Um die Spitze der Spiele-Charts zurückzuerobern hatte die Fortnite-Kategorie bei Twitch am Montag allerdings auch ordentliche Schützenhilfe vom Spiel selbst, was auch die deutliche Steigerung um fast 600.000 erklären dürfte. Denn damit das Event “Das Gerät” auch reibungslos über die Bühne gehen konnte, ging Entwickler Epic auf Nummer sicher und gewährte nur zwölf Millionen Spielern gleichzeitig Zugang zum Spiel. So sollten die Spiel-Server nicht überlastet werden. Wer zu spät kam und nicht mehr selbst mitspielen konnte, musste unweigerlich auf einen Livestream wechseln, um das Event trotzdem mitzuerleben - Ein zusätzlicher Boost für Twitch.

Sogar der Kreativ-Chef von Fortnite, Donald Mustard, konnte sich nicht gleich einloggen, wie er schrieb und machte als Alternative zum Selbstzocken sogleich Werbung für alle Streams auf den drei prominentesten Plattformen für Gaming, YouTube. Mixer und eben Twitch. Zusammen mit über 6,1 Millionen Zuschauern auf YouTube wurde “Das Gerät” so von knapp siebeneinhalb Millionen Zusehern weltweit zusätzlich zu den zwölf Millionen Spielern verfolgt.



Twitch profitiert von großen Events


Wie sich bereits an den Rekordzuschauerzahlen einzelner Videospiele und den Zeitpunkten, wann diese aufgestellt wurden, feststellen lässt, gewinnt die Plattform ordentlich an Reichweite durch große Events hinzu. Alles wichtige rund um das Thema Gaming wird dort verfolgt. Bestes Beispiel sind die Ankündigungsveranstalltungen der großen Spielehersteller für das Weihnachtsgeschäft, quasi die Upfronts im Videospiel-Bereich. Normalerweise finden diese immer im Zuge der E3 statt, der größten Videospielmesse der Welt für Fachbesucher aus Los Angeles. Diese findet jährlich immer Mitte Juni statt. Corona-Bedingt musste die Messe 2020 allerdings abgesagt werden - Ein Problem für die Veranstalter vor Ort, aber nicht für die Spielehersteller und damit auch nicht für Twitch. So wurden die großen Pressekonferenzen der E3 einfach in die digitale Welt verlegt. Statt pompösen Bühnenshows gab es vorbereitete Videos mit den neuesten Spiele-Ankündigungen unabhängig von der ausgefallenen Messe.

In diesem Jahr wurden die Präsentationen in der Gaming-Community besonders heiß erwartet. Grund dafür ist vor allem Sony, die bereits angekündigt hatten, erstmals einen Blick auf die neue PlayStation 5 (PS5) zuzulassen. Die PS5 wird zusammen mit dem Konkurrenzprodukt von Microsoft, der XBox Series X, die nächste “Konsolengeneration” bilden und für Jahre die Hardware sein, auf der die meisten Gamer ihre Spiele spielen werden. Am Donnerstag den 11. Juni war es soweit, Sony macht einen 75-Minütigen Livestream, indem neben Spiele-Ankündigungen die neue PS5 als Highlight des Abends vorgestellt wurde. Unter der Kategorie “Special Events” konnte die Präsentation über Twitch verfolgt werden. Zahlreiche Kanäle streamten das Reveal-Event und reagierten live auf das Gezeigte.



Laut der Seite twitchtracker.com, die den Traffic der Streaming-Plattform bis ins Detail untersucht und archiviert, verfolgten vor neun Tagen knapp über drei Millionen Zuschauer Kanäle, die im Zusammenhang mit dem Sony-Event live gegangen waren. Im Schnitt kam die Plattform in der vergangenen Woche auf knapp 2,40 Millionen Zuschauer in allen Kategorien zusammen pro Tag. Am Donnerstag vor einer Woche wurde dieser Wert - ähnlich wie am Montag dank Fornite- durch ein großes Event um ein vielfaches getoppt, da allein eine Kategorie den Durchschnitt übertraf. Deutsche Kanäle, die am meisten vom Live-Reveal der PS5 profitieren waren Gronkh und PietSmiet - zwei der größten deutschen Gaming-Kanäle. In der Spitze kamen sie am 11. Juni auf knapp 50.000 bzw. 24.000 Zuseher, über das Doppelte ihrer normalen Zuschauerschaft. Im Durchschnitt sind bei ihren Streams momentan 20.500 bzw. 5.100 Fans dabei.

Twitch in Zahlen


Die größten deutschen Twitch-Kanäle:

  1. MontnaBlack88 - 2,72 Millionen
  2. Trymacs - 1,49 Millionen
  3. rewinside - 1,23 Millionen
  4. Gronkh - 1,18 Millionen
  5. TheRealKnossi - 0,92 Millionen
  6. ELoTRiX - 0,83 Millionen
  7. Papaplatte - 0,80 Millionen
gemessen an der Followerzahl bei twitchtracker.com
Klar, an Branchenprimus YouTube ist kein Vorbeikommen für Twitch. Trotz der enormen Überlegenheit des Google-Riesen, der inzwischen nicht nur im VOD-Bereich unfassbare Aufrufzahlen generiert, sondern auch das Live-Streaming-Angebot massiv födert, hat sich Twitch eine gefestigte Community aufgebaut. Durch die Spezialisierung und Perfektionierung von Gaming-Livestreams wächst die Plattform stetig mit dem Videospielemarkt und deren Popularität mit. Für jeden Gamer ist Twitch ein Begriff, in diesem speziellen Markt ist die Plattform eine ernst zunehmende Alternative zu YouTube geworden. Populäre Content-Creatoren finden auch auch dort statt, wenn sie live gehen wollen.

Inzwischen gibt es schon einige Influencer, die rein über Twitch und nicht nur über YouTube-Videos oder Instagram-Profile bekannt geworden sind. So zum Beispiel MontanaBlack, kein YouTuber im klassischen Sinne. Denn einen Namen hat er sich für seine täglichen Livestreams auf Twitch gemacht, in denen er schamlos mit spitzer Zunge provokant alles mögliche kommentiert. Mit im Schnitt 40,3 Tausend Live-Zuschauern hält er den größten deutschsprachigen Twitch-Kanal, gefolgt von seinem Kollegen Knossi mit 33,3 Tausend durchschnittlichen Viewern. Auf Rang drei der gefragtesten deutschen Kanäle kommt Gronkh, der mit seinen Minecraft-Lets-Plays vor etlichen Jahren Berühmtheit auf YouTube erlangte und inoffiziell als der Vater dieses Genres im deutschsprachigen Raum zählt. Er versammelt im Schnitt 20,8 Tausend Zuseher, wenn er live geht.

Auch die höchste Zuschauerzahl, die bisher für einen deutschen Stream gemessen wurde, geht an MontanaBlack. Als Knossi bei “Monte” zu Gast war, erreichten sie im August 2019 zusammen auf seinem Kanal MontanaBlack88 über 182.000 Zuschauer. Knossis Rekord-Stream liegt “nur” bei 110.000 gleichzeitigen Zusehern - Platz zwei in der Liste aller deutschen Kanäle. Komplettiert wird das Treppchen nun aber nicht von Gronkh, sondern SummonersInnLive, dem deutschsprachigen Kanal für die Übertragungen der offiziellen League-of-Legends-Turniere. Dieser erreichte mit einem seiner Streams ebenfalls beachtliche 106.000 Zuschauer, im Schnitt verfolgen die Berichterstattung über eines der populärsten Videospiele 17,9 Tausend Interessierte.

Blickt man auf die weltweiten Zuschauerzahlen von Twitch so ist MontanaBlack derzeit immerhin auf Platz neun in der Top-Ten der größten Kanäle der Plattform als einziger Deutscher vertreten. Mit seinen im Schnitt 40,3 Tausend Zuschauern sieht er gegen die Spitze allerdings ebenfalls alt aus. Diese wird derzeit vom spanischen Twitcher und Youtuber auronplay besetzt. Wenn er live geht, schalten im Schnitt 109.000 Zuschauer ein. Größter englischsprachiger Kanal ist LPL, die League of Legends Pro League. Sie verfolgen im Schnitt 52,8 Tausend Zuseher. Das Treppchen ist dagegen voll in spanisch- bzw. portugiesischsprachiger Hand.

Insgesamt verfolgen derzeit 2,4 Millionen Zuschauer täglich die Livestreams auf der Plattform. Die beliebteste Kategorie ist dabei zurzeit “Just Chatting”, ein Sammelsurium unter dem sich einfach alle Streams verstecken, in denen gerade nicht aktiv gezockt wird, sondern - wie der Name sagt - einfach nur mit dem Livechat geredet wird, der in jedem Stream vorhanden ist. Denn anders als im Fernsehen stehen Zuschauer auf Twitch im stetigen Austausch mit den Streamenden. Auf ihre Vorschläge und Kommentare wird meist aktiv in den Übertragungen eingegangen. Hinter “Just Chatting” kommen dann nur noch einzelne Spiele. Allen voran zählen da LoL, Fortnite, Escape from Tarkov, Call of Duty und GTA V zu den beliebtesten Kategorien. Hinzukommen dann zwischenzeitlich immer wieder neue spannende Spiele, die kurz nach Erscheinen kurz sehr populär sind, so momentan zum Beispiel The Last of Us Part II.

Von der Corona-Pandemie konnte Twitch zumindest laut den Zahlen von Statista, denen noch einmal etwas mehr Gewicht zufallen sollte als denen von twitchtracker.com, in erheblichen Maße. Vor zwei Wochen veröffentlichte Statista nämlich eine Statisitk zur Anzahl der Unique User von Twitch.tv im Zeitraum Mai 2018 bis März 2020, also bis zum ersten “Corona-Monat”. Im Vergleich zum Februar 2020 legte die Plattform so um satte 520.000 Unique User zu. Im gesamten Zeitraum verbesserte sich Twitch von 2,97 auf 3,58 Millionen Unique User im Monat. Laut Statista ist der Großteil der Twitch-Nutzer männlich. So waren annähernd rund zwei Drittel der weltweiten Nutzer des Live-Streaming-Portals im zweiten Quartal 2019 männlich, 35 Prozent der Nutzer weiblich. Hinsichtlich der Altersgruppen der Nutzer zeigt sich, dass Twitch besonders unter 16- bis 24-Jährigen sehr beliebt ist. Denn über 40 Prozent der untersuchten Twitch-Nutzer gehörten dieser Altersgruppe an.

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