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«Pocher und Papa auf Reisen»: Wenn Vater Pocher very good English speaks

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Kurz bevor Corona den internationalen Reiseverkehr unmöglich machte, hat RTL Oliver und seinen Papa Gerhard Pocher gemeinsam in den Urlaub geschickt. Entstanden ist dabei ein kurzweiliges Format, das von einer spannenden Vater-Sohn-Dynamik lebt und zur Abwechslung ohne Influencer-Bashing und Michael Wendler daherkommt.

Egal was jetzt passiert, ich habe mit meinem Vater einfach nochmal eine geile Zeit gehabt! Wir waren insgesamt fast vier Wochen unterwegs und haben Dinge gemacht, die man teilweise für kein Geld der Welt erleben kann. Das war einfach super! Und weil das auch noch mit der Kamera begleitet wurde, bleiben die Bilder für die Ewigkeit.
Oliver Pocher über die Reise mit seinem Vater
Oliver Pocher hat sich bei RTL längst zur Allzweckwaffe hochgearbeitet. Nachdem er zuletzt verstärkt an der Seite von Günther Jauch unterwegs war und seit neustem auch eine eigene Late-Night-Show mit seiner Frau Amira moderiert, wagt er sich ab diesem Freitag in einer neuen Sendung namens «Pocher und Papa auf Reisen» mit Vater Gerhard vor die Kamera. Produziert wurde das Papa-Sohn-Format allerdings nicht in einem TV-Studio, sondern gleich weltweit. In «Pocher und Papa auf Reisen» begeben sich Oliver und Gerhard Pocher - wie der Titel vermuten lässt - auf Entdeckungs- und Erkundungstour durch verschiedene Länder. Für die Auftaktfolge hat es die beiden Mitte Januar für zwei Wochen nach Thailand verschlagen.

Herausgekommen ist dabei ein kurzweiliger, gut 100-minütiger Reisebericht, der für viele gerade jetzt zur rechten Zeit kommen dürfte. Da an Fernreisen angesichts der Corona-Krise weiterhin nicht zu denken ist, wird exotischer Urlaub für die meisten Menschen in diesem Jahr vermutlich flachfallen. Für eine gewisse Grundspannung sorgt in der von Banijay Productions Germany kommenden Sendung dabei schon die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten: Während Vater Gerhard gläubiger und bekennender Zeuge Jehovas ist, hat sich Oliver Pocher von der religiösen Gemeinschaft distanziert.

In der ersten Folge, in der das Vater-Sohn-Gespann die Möglichkeit bekommt, Einblicke in eine buddhistische Mönchs-Gemeinschaft zu erhalten, führt das schnell zum ersten Konflikt. Einem der beiden Pochers gefällt die Idee nämlich gar nicht. „Es geht um die richtige, die wahre und die falsche Religion. Und für mich ist der Buddhismus nicht die richtige, sondern die falsche Religion“, begründet Gerhard, wieso er den Tempel nicht besuchen möchte. „Er will Dich auch gar nicht überzeugen, er will das hier nur zeigen als Zeichen der Gastfreundschaft“, hebt Oliver die guten Absichten des Mönchs hervor. Doch die Meinungsverschiedenheit ist damit nicht zu lösen, und letztendlich entscheiden sich Vater und Sohn dazu, für einige Stunden getrennte Wege zu gehen: Oliver mit den Mönchen, Vater Gerhard alleine im städtischen Nachtleben.

Löblich ist, dass die Verantwortlichen ist diesen Szenen nicht versucht haben, das Format im Nachhinein glatt zu bügeln. Stattdessen werden sowohl Oliver als auch Gerhard Pocher als Charaktere mit ihren Eigen- und Besonderheiten gezeigt. Wenn Vater und Sohn in der Auftaktfolge über Religion diskutieren, wirkt das zudem authentisch und für einige Minuten sogar überraschend ernst. Überhaupt ist es wohltuend, Oliver Pocher in der Reise-Sendung wieder einmal verstärkt in einem Kontext zu sehen, in dem sich nicht alles um Influencer oder den Wendler dreht.

Es gab keine großen nervigen Momente. Aber mein Vater ist ja Zeuge Jehovas, wodurch auch ich als Kind zwangsläufig als Zeuge Jehovas aufgewachsen bin. Das ist immer ein gewisses Streitthema. Und deshalb gab es auch ein, zwei Sachen, die er nicht so gut fand oder nicht sofort machen wollte.
Oliver Pocher
Abgesehen von dem einen Vorfall treten Vater und Sohn in «Papa und Pocher auf Reisen» allerdings ausschließlich gemeinsam in Erscheinung und lösen damit ihr Versprechen ein, Thailand zu zweit zu erkunden. Unterhaltsam ist dies vor allem deshalb, weil die beiden in den knapp zwei Wochen eine Menge ausprobieren, erkunden und erleben. Die Pochers lassen sich massieren, fahren Tuk-Tuk, begeben sich ins Nachtleben (Gerhard Pocher war in seinen jüngeren Jahren mal DJ), düsen mit einem Jet-Ski übers Wasser, Tanzen in einer Travestie-Show mit, lassen sich einen Anzug schneidern oder versuchen sich an Thaiboxen.

Das zeigt: Es braucht in der Sendung gar nicht unbedingt die großen Dinge, um für Unterhaltung zu sorgen. Witzig wird es schon, wenn sich Sohn und Vater (auch der ist nämlich nicht auf den Mund gefallen) gegenseitig necken. „Ich kann nicht über alles lachen, was er macht, vor allen Dingen, wenn es sich unterhalb der Gürtellinie abspielt. Da muss ich mich manchmal für ihn schämen“, sagt etwa Gerhard an einer Stelle über seinen Sohn. „Mein father very good english speaks, das ist mal sowas von clear!“, ärgert Oliver zurück und macht sich so über das mäßige Englisch seines Vaters lustig. Oliver Pocher ist es übrigens auch, der die Sendung im Nachhinein im Off vertont hat.

Hier und da erinnert «Pocher und Papa auf Reisen» ein wenig das, was Jenke von Wilmsdorff vor rund neun Monaten in «Jenke ohne Grenzen» gemacht hat. Der Unterschied ist, dass Jenke in dem TV-Now-Format den Faktor Information stärker betont hatte, während bei den Pochers die Unterhaltung mehr im Vordergrund steht. Das ist allerdings auch verständlich, schließlich muss das Format am Freitagabend zur besten Sendezeit auf Deutschlands größtem Privatsender bestehen. Im Grunde genommen ist sowohl dem Pocher- als auch dem Jenke-Format aber gemeinsam, dass sie versuchen, ihren Zuschauern über einen unterhaltsamen und soften Ansatz einige Besonderheiten anderer Länder nahezubringen.

Humortechnisch erwartet den Zuschauer derweil klassische Pocher-Kost. Die Art des Oliver Pocher, der auf der einen Seite so spontan agieren kann wie nur wenige, den Bogen aber manchmal auch überspannt, stößt seit jeher auf geteiltes Echo. Am Anfang der Sendung kündigt er sich etwa als „größten Entertainer Deutschlands“ an - was natürlich stimme, weil er es „selbst in Wikipedia reingeschrieben“ habe. Ähnlich ironisch-selbstverherrlichend war Pocher schon in seine Late-Night «Gefährlich ehrlich!» gestartet. Wer mit Oliver Pocher noch nie etwas anfangen konnte, der wird also auch an «Pocher und Papa auf Reisen» weniger Gefallen finden. Pocher-Fans wird die Sendung hingegen gewiss gefallen, und auch all jene, die an ein paar schönen Bildern aus Thailand interessiert sind, werden auf ihre Kosten kommen. Handwerklich ist die Sendung sauber umgesetzt, gut geschnitten und spannend erzählt.

Da gibt es niemand Bestimmtes. Wobei es aktuell sicher auch mal interessant wäre, mit Xavier Naidoo auf Reisen zu sein. Wir müssten nur aufpassen, dass wir nicht zu weit ans Ende der Erde hinaussegeln, damit wir nicht von der Scheibe fallen.
Oliver Pocher auf die Frage, wen er gerne mal auf eine Reise mitnehmen würde
Im Rahmen des Erwartbaren ist «Pocher und Papa auf Reisen» eine schöne Sendung geworden, von der RTL bereits am kommenden Freitag eine zweite Folge zeigen wird. Für das Vater-Sohn-Duo geht es dann in die USA - ein Abenteuer, das gerade noch rechtzeitig vor dem weltweiten Corona-Ausbruch abgedreht werden konnte. Selbst im Falle eines großen Erfolges müssten sich Fans mit Nachschub aber wohl gedulden, denn Reisen in ferne Ländern wird RTL angesichts der weltweiten Corona-Lage so schnell nicht umsetzen können. Falls es eines Tages doch wieder gehen sollte, weiß Oliver Pocher auch schon, mit wem er dann verreisen möchte: Xavier Naidoo. Man müsse dann nur beachten, mahnt Pocher, „dass wir nicht zu weit ans Ende der Erde hinaussegeln, damit wir nicht von der Scheibe fallen.“

«Pocher und Papa auf Reisen» ist am heutigen Freitagabend, 19. Juni, um 20.15 Uhr bei RTL zu sehen. In der kommenden Woche, am 26. Juni, zeigt RTL eine weitere Folge.

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