Vermischtes

Fernsehen in der Corona-Pandemie. Was funktioniert und was nicht

Dass Nachrichten und Talkrunden nur noch ein Thema haben, ist jedem klar. Die Corona-Pandemie wird von allen Seiten beleuchtet.

Virologen und Mediziner versuchen in möglichst einfachen Worten zu erklären, wie sich das Virus verbreitet. Politiker versuchen zu erläutern, wie die Regierenden mit der Pandemie umgehen und welche Pakete sie für Krankenhäuser und die Wirtschaft schnüren, damit keiner kurzfristig in der Krise untergeht. Und auch Psychologen kommen zu Wort und ermahnen dazu, die Folgen der Kontaktsperre nicht zu verharmlosen, denn Alleinstehenden droht die Gefahr der Vereinsamung und in Brennpunkten können sich Aggressionen hochschaukeln.

Wer also valide Informationen im Fernseher bekommen möchte, der bekommt diese nahezu rund um die Uhr. Der unterschiedliche Informationsgehalt und der variable Schwierigkeitsgrad dessen, was gesendet wird, sollen sicherstellen, dass zumindest die wichtigsten Inhalte bei allen Bevölkerungsschichten ankommen. Zuhause zu bleiben und verstärkt auf Hygienemaßahmen zu achten, ist das Credo, was in Deutschland mehr oder weniger gut zu funktionieren scheint. Doch was kommt noch an?

Corona-WGs sind nicht der Hit
Die Abwärtskurve der RTL-Corona-WG hatte zur Folge, dass zumindest das Skype-Sonder-Sendeformat, in dem Oliver Pocher, Günther Jauch und Thomas Gottschalk zur kontaktfreien Unterhaltungsshow mit Informationscharakter luden, bereits wieder abgesetzt ist. Die Zuschauerzahlen sanken rapide. Von den 3,27 Millionen Zuschauern, die sich am Montagabend in die Corona-WG verirrten, waren bereits am Mittwoch nur noch 1,41 Millionen geblieben. Zu wenig für RTL, obgleich das Fazit zumindest methodisch-journalistisch positiv ausgefallen ist, denn Lob gab es zumindest für die Idee, ein neues, experimentelles Format aufzusetzen. Auch Luke, allein zuhaus, das Sat.1-Pendant zur RTL-Corona-WG startete ebenso wenig durch. 0,52 Millionen Zuschauer zappten am Montagabend rein. Zu experimentell darf es in Corona-Zeiten wohl also nicht sein.

Ablenkung im Fernsehen ist hingegen gern gesehen
Da die Menschen dazu aufgerufen sind, sich außerhalb der eigenen vier Wände möglichst wenig aufzuhalten, ist die logische Konsequenz, dass die Couch zum beliebten Ort wird, von der aus Ablenkung im Fernsehen durchaus begrüßt wird. Das wird mit Blick auf die positiven Einschaltquoten vieler Sendungen deutlich – und zwar auch Sendungen, in denen es ausdrücklich nicht um Corona geht. Gut abgeschnitten haben quotentechnisch die Höhle der Löwen sowie der Masked Singer, die beide in keinem Wort die Corona-Krise zum Thema hatten. Wackeliger stand es um die Sondersendung zu den Auswanderern und wie sie in ihrer neuen Heimat von Corona betroffen sind.

Ein Zwischenfazit: Konsumiert werden also entweder harte Fakten in Form von Nachrichten und Talkrunden oder abwechslungsreiche Fernsehkost, die leichter einschlafen lässt als eine steigende Anzahl an Corona-Infizierten und -Toten.

Technisch gut ausgestattet durch die Corona-Krise
Über das nötige Equipment, um die Corona-Krise informationstechnisch gut auszuhalten, verfügen die meisten Haushalte allemal. Bereits vor zehn gab es in 96 Prozent der deutschen Haushalte einen Fernseher; in vielen Haushalten gab es bereits 2010 mehrere Geräte. Radio, Hifi-Anlagen und Computer gibt es noch heute in den traditionellen deutschen Haushalten. In den modernen Haushalten ersetzen Laptops, Tablets und Musik- und Video-Streamingdienste die Geräte von vor gar nicht allzu langer Zeit. Zudem ergab eine Umfrage von McKinsey & Company, dass digitale Technologien in modernen Familien nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch der Kommunikation, der persönlichen Bildung, dem Einkaufsvergnügen und dem Ausleben individueller Hobbys.

Wer nicht ohnehin schon über das nötige Equipment verfügt, um technische Möglichkeiten zu nutzen, die in Zeiten von Corona wichtiger denn je geworden sind, soll durch den Shutdown in Deutschland keineswegs ausgebremst werden. Während der stationäre Handel nahezu auf Null gefahren wurde, profitiert aktuell der E-Commerce Handel. Gebrauchsgüter, die sonst im Laden um die Ecke gekauft wurden, können aktuell fast nur noch online bestellt werden (sofern sie überhaupt noch verfügbar sind). Portale wie idealo amazon oder ebay erleben gerade ein erhöhtes Nachfragen an Fitness- u. Unterhaltungselektronik, und Arbeitsmaterialien für das Home-Office.

Exkurs: Kann Fernsehen eigentlich Entspannung bedeuten?
Kritikern zufolge passt Fernsehen und Entspannen eigentlich gar nicht zusammen. Doch genau darum sollte es doch gehen in einer Zeit, in der erschreckende Negativschlagzeilen rund ums Thema Corona sich über den Bildschirm jagen. Zu einer spannenden Erkenntnis kam die Arbeitspsychologin Carmen Binnewies in diesem Zusammenhang. Sie nämlich erklärte in der Zusammenfassung ihrer Studie: „Die Feierabendaktivität selbst ist nicht entscheidend, sondern wie sie erlebt wird.“

Demnach sei das eigene Gefühl für Erholung das Maß der Dinge und nicht das, was in der Öffentlichkeit für gut oder schlecht befunden wird. Das heißt: Wenn Erholung aktuell schon nicht im Kreis von Freunden möglich ist, so ist ein erholsamer Blick in den Fernseher durchaus möglich. Wer sich informieren will, findet reichlich Formate zur Krise – und wer abschalten will, kann dies mit aktuellen Shows oder mit Kamellen aus der Feder von Inga Lindström und Co., die mit reichlich vorhersehbarem Herzschmerz doch für ein großes Maß an Entspannung sorgen dürften.

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