Die Kritiker

«Zielfahnder - Blutiger Tango»

von

Der Vorgängerfilm «Zielfahnder - Flucht in die Karpaten» war einer der besten Polizeifilme der letzten Jahre. Hält die Fortsetzung das hohe Niveau?

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Ulrike C. Tscharre als Hanna Landauer
Hanno Koffler als Lars Röwer
Heike Makatsch als Gisela Tezloff
Jörg Hartmann als Uwe Tezloff
Soledad Gilmet als Oreiro
Javier Drolas als Rossmann
Helene Grass als LKA-Chefin

Hinter der Kamera:
Produktion: W&B Television GmbH & Co. KG
Drehbuch: Rolf Basedow
Regie: Stephan Lacant
Kamera: Philipp Sichler
Produzenten: Max Wiedemann und Quirin Berg
Mit «Zielfahnder – Flucht in die Karpaten» erzählten Regisseur Dominik Graf und Drehbuchautor Rolf Basedow vor drei Jahren einen besonderen Polizeifilm, der etwas eigentümlich wirkte, wahrscheinlich weil er sich stilistisch und erzählerisch so stark vom alltäglichen Krimi-Einheitsbrei des hiesigen öffentlich-rechtlichen Fernsehens abhob: kein „Was haben wir bis jetzt?“, kein „Wo waren Sie, als…“, kein „Ich ruf‘ mal den Staatsanwalt an“. Stattdessen: eine dynamische, rasant erzählte und doch tiefgreifende Geschichte mit lebensnahmen, authentischen und doch leicht filmisch verfremdeten Figuren.

Eine von ihnen – Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre) – hat nun ein neues Ziel zum Fahnden: Vor Jahren hat das Ehepaar Gisela (Heike Makatsch) und Uwe Tezloff (Jörg Hartmann) einen reichen Industriellen gekidnappt, ihm den Finger abgetrennt, um Druck auf die Angehörigen zu machen, und auf diesem Wege zehn Millionen Euro erbeutet. In einer Kaschemme in Panama wurden sie schließlich gefasst, den deutschen Behörden überstellt und verbrachten die nächsten Jahre hinter Gittern. Über den Verbleib des Lösegeldes und den dritten Mann, mit dem sie die Tat damals begangen hatten, schwiegen sie seitdem eisern.

Um diese letzten Rätsel aufzuklären, hängen sich Landauer und ihr Kollege Lars Röwer (Hanno Koffler) nach der Haftentlassung an die geläuterten Entführer dran und verfolgen sie von Curaçao über Kolumbien, Chile und Argentinien bis in die Hauptstadt von Uruguay, wo sie sich fürs Erste niederzulassen scheinen. Und während Uwe, um seine Verfolger ahnend, in der angemieteten ranzigen Wohnung in Montevideo eine ruhige Kugel schieben will, kann er seine Frau nicht davon abhalten, jetzt sofort die verlorenen Haftjahre aufzuholen. Also tanzt und knattert sie in einem Tango-Schuppen und einem Stundenhotel nach dem anderen die Nächte durch, während Uwe zuhause bangend wartet.

Der Observierungsteil des Zielfahnderlebens ist dabei vor allem: langweilig. Eine tangoverrückte Deutsche in Montevideo findet man in etwa so leicht wie einen besoffenen Australier auf dem Oktoberfest: Das Überangebot lässt sie in der Menge verschwinden. Doch Langeweile ist eben unfilmisch – besonders, wenn man einen Thriller erzählen will. Autor Basedow und Regisseur Stephan Lacant gelingt es jedoch, auch diesen Teil der Handlung spannend zu gestalten, und rechtzeitig zur nächsten Etappe umzuschwenken, ohne sich abgestandener unglaubwürdiger Motive zu bedienen.

Denn auch die Fortsetzung des ursprünglichen «Zielfahnder»-Films besticht wieder durch eine eigene, kunstvollere Ästhetik und eine deutlich höhere Ereignisdichte als im deutschen Fernsehfilmregelbetrieb, obwohl sie stellenweise formelhafter ausfällt als die damalige „Flucht in die Karpaten“. Denn im letzten Drittel, als sich die Schlinge um die Ex-Entführer zunehmend zuzieht, gerät der Plot mitunter zu moralisierend und macht dabei einen allzu waghalsigen Schlenker, um eine dramaturgisch unnötige Charakterwandlung zu erzählen, die auch noch prompt ihres Pay-offs beraubt wird. Zumindest gen Schluss wäre es also keine Überraschung mehr, wenn plötzlich die Kommissare Ballauf und Schenk hinter einer Düne hervorlugten und sich dabei eine Currywurst reinstopfen würden.

Das Erste zeigt «Zielfahnder – Blutiger Tango» am Samstag, den 26. Oktober um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/113205
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