Hingeschaut

«Laura Karasek – Zart am Limit»: Talk geht immer?

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Die erste Ausgabe der neuen ZDFneo-Talkshow «Laura Karasek – Zart am Limit» macht durchaus Hoffnung, dass dem Genre ein vorzeigbarer neuer Eintrag hinzugefügt wird.

Hinter den Kulissen

  • Regie: Volker Weicker
  • Autor: Oliver Kleinfeld
  • Produktion: SEO Entertainment GmbH, im Auftrag von ZDFneo
  • Produzent: Gillad Osterer
  • Executive Producer: Lena Wickert
  • Redaktion SEO: Meike Trautmann, Nora Bacher, Melanie Tschesche, Nadine Griess, Marion Kreienburg
  • Redaktion ZDF: Stefan Bayerl, Henning Brekenkamp
  • Koordination ZDFneo: Sebastian Flohr
  • Laufzeit: 6 Folgen zu 45 Minuten
Jan Böhmermann und sein «Neo Magazin Royale» machen Sommerpause, Zeit für ZDFneo, etwas Anderes auf dem Programmplatz auszuprobieren: Eine Talkshow. Okay, so weit, so unrevolutionär. Der Schwerpunkt der Sendung hebt «Laura Karasek – Zart am Limit» aber vom Genrealltag ab. Weder ist es eine Polittalkshow, noch ist es (blickt man auf das vorab kommunizierte Konzept) das neuste Exempel für einen Promitalk der Marke «Markus Lanz», «Tietjen und Bommes» (das ja bald wieder umbenannt wird), «Kölner Treff» und Co., wo sich eine Handvoll Promis rifft, um über sich und ihre Arbeit zu sprechen.

«Laura Karasek – Zart am Limit», so heißt es im Trailer zur ersten Ausgabe sowie in der Pressemappe zur Show, macht es sich dagegen zur Aufgabe, "festgefahrene Klischees und in Stein gemeißelte Vorurteile" zu hinterfragen. In der Auftaktfolge spricht sie daher mit der feministischen Komikerin Tahnee Schaffarczyk, dem Kölner Schauspieler Denis Moschitto (der Sohn eines Italieners und einer Türkin ist) und Rapper MC Bogy alias 'Der Atzenkeeper' über vorgefertigte Meinungen über Feministinnen, multikulturelle Herkunft und Rapper.

Vorab angekündigt wurde aber auch, dass "aktuelle gesellschaftliche, (pop)kulturelle, boulevardeske und netzaffine Themen" diskutiert werden. Damit deutet es sich bereits an: «Laura Karasek – Zart am Limit» ist eben doch eine alltägliche Talkshow, lilafarbenes Studio mit (kaum genutzter) Bar im Hintergrund zum Trotz. Und durch die Umsetzung bei der Auftaktfolge bestätigt sich genau das: Zwar werden Vorurteile und vorschnelle Einschätzungen in loser Taktung als Thema angeschnitten, genauso geht es aber auch um unhöfliche Passanten, die Stars auf offener Straße förmlich anspringen oder die Frage, weshalb man sich seinen Beruf ausgesucht hat.

Wie jede Talkshow braucht daher auch «Laura Karasek – Zart am Limit» seine Zeit, ehe sich ein vernünftiges Urteil fällen lässt. Die Gästezusammenstellung, die Tagesform der Gäste und der selbst für erfahrene Interviewende nicht hundertprozentig steuerbare Gesprächsverlauf sind zu große Variablen, um nach nur einer Ausgabe bereits sagen zu können, ob Rechtsanwältin und Autorin Laura Karasek eine sehenswerte Gastgeberin ist, oder ob sich «Laura Karasek – Zart am Limit» im TV-Alltag verläuft.

Um aber einen ersten Eindruck festzuhalten: Die Tochter des Schriftstellers Prof. Dr. Hellmuth Karasek und der Journalistin Dr. Armgard Seegers gestattet es ihren Gästen, sich untereinander in ein Gespräch zu verstricken, was ja im deutschen Talkfernsehen kein Alltag ist. So spricht Moschitto augenrollend über eine seiner ersten Dreherfahrungen – eine klischeehafte «Tatort»-Rolle. Tahnee springt auf diesen thematischen Zug auf und fragt ihn, ob sich im deutschen Kino und Fernsehen seiner Meinung nach die Darstellung von Einwanderern und deren Kindern verbessert hätte, und auch MC Bogy steigt in dieses Gespräch ein, ehe sich Karasek wieder einschaltet.

Diese gesunde Zurückhaltung, die sie aufgibt, ehe sich ihre Gäste in laut ausgesprochenen Gedankengängen verheddern, hätte man ihr zu Beginn der Sendung nicht zugetraut: In den ersten paar Minuten, ehe das Gespräch so richtig ins Gang kommt, grätscht Karasek ein paar Mal lautstark dazwischen – wobei man sich bei einer aufgezeichneten Show fragen darf, weshalb es in der Postproduktion nicht gelang, ihr in diesen Momenten nicht ein paar Dezibel zu nehmen.

Kurzweilig ist «Laura Karasek – Zart am Limit» beim Auftakt dennoch geraten, nicht zuletzt, weil Karasek es schafft, dem Talk eine etwas schräge, aber reflektierte Persönlichkeit aufzudrücken, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Sollte sich dies fortsetzen, würde «Laura Karasek – Zart am Limit» tatsächlich aus dem deutschen Talk-Alltag herausragen.

«Laura Karasek – Zart am Limit» ist donnerstags ab 20.15 Uhr in der ZDFmediathek und ab 22.15 Uhr bei ZDFneo zu sehen.

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