Die Kritiker

«Kommissarin Lucas: Polly»

von

Schwer erziehbare Kinder, ein ermordetes Mädchen mitten im Wald und Kommissarin Lucas, die sich dem ganzen annimmt. Auch Quotenmeter hat sich ihrem neuen Film angenommen und klärt, wie er qualitativ ausfällt.

«Kommissarin Lucas: Polly»-Fakten

Vor der Kamera:
Ulrike Kriener ist Ellen Lucas
Michael Roll ist Boris Noethen
Lasse Myhr ist Tom Brauer
Tilo Prückner ist Max Kirchhoff
Jördis Richter ist Judith Marlow
Marie Bloching ist Polly Esser

Hinter der Kamera:
Regie: Nils Willbrandt
Drehbuch: Markus Ziegler/ Stefan Dähnert
Kamera: Jens Harant
Schnitt: Benjamin Kaubisch
Musik: Ralf Hildenbeutel/ Steve B-Zet
Das Mädchen Monika wird tot in einem Baumgeäst aufgefunden. Ihrem Zustand nach zu urteilen liegt sie dort schon seit längerer Zeit. Kommissarin Lucas besucht umgehend das Heim für schwer erziehbare Kinder, in welchem auch Monika ein Zimmer hatte. Doch die idyllische Lage des Heims in schöner Landschaft täuscht. Kaum hat die Kommissarin Monikas Freundin Polly vom Fund der Leiche erzählt, schneidet sich diese die Pulsadern auf. Zwar schafft sie es gerade noch das Mädchen in die Notaufnahme zu bringen, doch dafür wirkt die Autopsie von Monikas Leiche immer weitere Fragen und Ungereimtheiten auf. Auf ihrer Suche nach dem Mörder stößt Lucas auf die Abgründe rund um das Heim und entdeckt wofür die Mädchen dort missbraucht wurden.

Der Film «Kommissarin Lucas: Polly» hat ein ausgesprochen angenehmes Erzähltempo, da die Handlungsebene, in der die Kommissarin ermittelt, immer wieder unterbrochen wird von Videoaufnahmen und Rückblenden vor Monikas Tod. So bekommt man als Zuschauer nicht nur ein besseres Bild des verstorbenen Charakters, sondern erhält zugleich ein Blick in ihre schwierige Psyche. Teilweise muss man über gewisse Längen hinweg schauen, doch selbst diese sind nicht von allzu langer Dauer, sodass man als Zuschauer stets am Ball bleibt.

Auch das Setting mit dem Heim für schwer erziehbare Kinder ist gut gewählt und vergleichsweise abwechslungsreich zum klassischen Schauplatz der Großstädte und Industriegebiete. Dasselbe gilt für die Jungschauspieler, insbesondere Marie Blocher, die als geheimnisvolle Polly eine starke Figur macht.

Schauspieltechnisch ist auch Kommissarin Ellen Lucas, wie in den meisten ihrer Fälle, stark anzusehen. In «Polly» ist sie nicht einfach nur die Kommissarin, die in dem Fall ermittelt, sondern begibt sich mit dem titelgebenden Mädchen auch auf eine überraschend persönliche Ebene und kommt so an weitere Details über die Ermordete.

Je mehr Details die Kommissarin über das Heim und ihre Bewohner erfährt, desto mehr kann man «Kommissarin Lucas: Polly» auch als eine leise Kritik am Erziehungssystem verstehen. Beamte, die ihre Arbeit nicht gewissenhaft machen und Institutionen, die es mit der Kontrolle des Heims nicht gerade ernst nehmen. Darüber hinaus deckt Lucas auch noch die Machenschaften auf, die man im naheliegenden Dorf mit den Mädchen im Heim trieb. Und bei allen Geschehnissen und aufgedeckten Straftaten versucht Kommissarin Lucas, beziehungsweise Darstellerin Ulrike Kriener, stets einen kühlen Kopf zu bewahren. Doch selbst ihre vermeidliche Unberührtheit beginnt zu bröckeln, als sie hinter den Mord an Monika blickt.

Optisch ist «Kommissarin Lucas: Polly» erfreulich weit entfernt von der gewohnten Fernsehfilmoptik und kann mit scharfen und klar kontrastierten Bildern überzeugen. Dazu sind Licht und Schatten gekonnt inszeniert und passen zu den Licht- und Schattenseiten, die im Heim aufgedeckt werden.

Mit «Kommissarin Lucas – Polly» zeigt Ulrike Kriener wieder einmal ihr Können als zerrissene Polizistin, aber auch der restliche Fall ist mit seinem Schauplatz und den weiteren Schauspielern überzeugend. Spannend und dennoch realistisch, auch wenn man nach dem Finale mit keinem allzu guten Gefühl hinterlassen wird. «Polly» ist einer der bis dato stärksten Fälle der Ermittlerin.

«Kommissarin Lucas: Polly» läuft am Samstag, den 6. April 2019, um 20.15 Uhr im ZDF.

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