Serientäter

«Freundinnen»: Abgekühlte Gefühle

von   |  5 Kommentare

Nach 159 beendet RTL seine Daily Soap «Freundinnen» - offiziell ist noch nicht entschieden, ob das Format im Herbst zurückkehrt. Die Chancen stehen nicht wirklich gut. Die Gründe, warum es nicht geschafft wurde, das Format fest zu etablieren, liegen auf der Hand.

Die Macher hinter «Freundinnen»

Produzent der Serie ist Guido Reinhardt («Alles was zählt», «Unter Uns»). Als Producerin aktiv war Katrin Esser (zuvor viele Jahre bei «Unter Uns»). Claudia Danne war Co-Producerin, auch sie arbeitete über viele Jahre hinweg bei «Unter Uns».
Und irgendwann ist's vorbei: Vergangenen Herbst trafen sich die vier «Freundinnen» aus der gleichnamigen RTL-Nachmittags-Serie um 17 Uhr noch jeden Werktag in ihrem Bistro Dolce Vita. Zuletzt wurde genau diese Verabredung der Mädels untereinander schon seltener – und nun ist es ganz rum. Man könnte sagen: Es ist eine Geschichte wie aus dem wahren Leben. De facto aber wurde die Produktion der Soap aus dem Hause UFA Serial Drama im Winter vorerst beendet – RTL sagt, eine Entscheidung über eine zweite Staffel sei nicht gefallen. Nach zuletzt aber rückläufigen Marktanteilen, die in der Zielgruppe fest im einstelligen Bereich verankert waren, ist die Chance auf ein Wiedersehen mit Tina, Kaya und Co. wohl eher gering.

Im Kern wollte die Serie Geschichten rund um eine Mädelsclique in den Dreißigern erzählen. Geschichten um beruflichen Neuanfang, um Liebe nach der Trennung. Kurz gesagt: Thematisch war «Freundinnen» vielleicht etwas jünger angelegt als ARDs Dauerbrenner «Rote Rosen» - hatte aber nicht den Mut, klar und klassisch zu sein wie die erfolgreichen Vorbilder.

Das Scheitern von «Freundinnen» hat somit viel mit der zur Zeit vorherrschenden Verunsicherung im Markt zu tun. Mit dem Glauben, dass in der Soap-Welt Vieles eben schon erzählt ist. Dabei zeigt der Blick in die lateinamerikanischen Regionen, dass oftmals eine sehr klassische und konservative Geschichte plus X die Erfolgsformel bedeutet. Ein Beispiel, das jetzt gerade auch in Deutschland zündet, ist «Total Dreamer»: 2017 für einen Emmy nominiert und im brasilianischen TV die quotenstärkste Televovela seit 2011, beglückt jetzt auch sixx mit rapide steigenden Werten deutlich über Senderschnitt.

Deutsche Daily-Neustarts aber setzten zuletzt in erster Linie auf eine starke Ausarbeitung des USP, also des Alleinstellungsmerkmals. Beim Sat.1-Flop «Alles oder Nichts» wurde vor lauter Intrigen und Bling Bling die Wärme vergessen, bei «Freundinnen» vor lauter Kaffee und Kuchen die Fallhöhe. Im Glauben, um 17 Uhr nicht ganz so stringent und durchgehend erzählen zu können und Storys episodisch abschließen zu müssen, fehlte dem Format jeglicher Klebstoff.

Von Beginn an ein Fehler war zudem die starke Fokussierung auf vier fast gleichaltrige Frauen, während jüngere wie ältere Charaktere sowie der komplette männliche Cast eigentlich nur Beiwerk waren. Bei UFA Serial Drama sah man das mit Verweis auf die in der Tat vorhandenen männlichen Figuren nicht so. De facto aber wurden alle Stränge lange Zeit fest aus weiblicher Sicht erzählt. Erst spät im Verlauf der ersten Staffel legte man den Fokus auch vermehrt auf die Herren der Schöpfung. Viel zu lange wurden echte Antagonisten in der Serie gesucht und nicht gefunden.

Ohnehin schien mehr und mehr die Not zu regieren. Zahlreiche Gastauftritte von aus «Unter Uns» bekannten Figuren sollten für schnelle Aufmerksamkeit sorgen, brachten die Geschichten aber nur sehr sporadisch voran. Während dessen blieb die Story viel zu lange und viel zu deutlich auf der vom Publikum nie ganz ins Herz geschlossenen Tina. Offenbar liebten die Macher den Charakter mehr als die Zuschauer zu Hause. Andere Figuren mit (Fan-)Potential, etwa die von Ex-«Köln 50667»-Star Yvonne Pferrer gemimte Danni, bekam keine große Geschichte.

Es war eben der USP, die Grundidee, dass es diese Vierer-Mädels-Clique gibt, die Abend für Abend gemeinsam mit den Zuschauern ihren Kaffee schlürft. Und selbst die verwässerte irgendwann. Denn: Dass beim gemütlichen Plausch quasi die Geschehnisse des zurückliegenden Tagen stets in Rückblenden erzählt wurden, war zwar einzigartig und ungewöhnlich, schaffte aber ebenfalls eine (zeitliche und somit auch emotionale) Distanz.

So gelang es der Serie trotz großer Mühen bis zum Ende nicht, ein so großes Publikum aufzubauen, dass es für RTL auf Dauer sinnhaft wäre, an der Produktion festzuhalten. Fest steht aber, dass der Kölner Sender ab Herbst wieder auf ein Fiction-Projekt um 17 Uhr setzen will. Für eine neue Soap-Produktion sucht filmpool in Köln gerade seine Crew – RTL hatte gegenüber Quotenmeter.de schon bestätigt, dass der Fiction-Light-Spezialist, der auf genau diesem Sendeplatz vor einiger Zeit mit «Berlin Models» scheiterte, an einer neuen Idee feilt. Mehr über diese Idee ist nicht bekannt.

Und so kann man eigentlich nur hoffen, dass bei filmpool die Vorgänge der zurückliegenden Zeit ausreichend analysiert wurden und daraus die passenden Schlüsse gezogen wurden. Welchen Grund liefert meine Serie, dass der Zuschauer wirklich jede Folge sehen will? Was haben meine Figuren in der erzählten Geschichte zu gewinnen, vor allem aber zu verlieren? Welches übergeordnete Ziel gibt es? Und: Wie erzeuge ich im Zuschauer beim Anschauen ein positives Gefühl?

Oder anders gefragt: Was kann ich von Formaten wie «Total Dreamer» lernen, um wesentliche Faktoren für den deutschen Markt anzupassen? Der Herbst wird es zeigen.

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Es gibt 5 Kommentare zum Artikel
tommy.sträubchen
11.04.2019 13:14 Uhr 1
Seh ich auch so....gut geschrieben. Nur der Vergleich mit Total Dreamer passt nicht so find ich denn die Serie läuft am Nachmittag auf Sixx, wo 10000 Zuschauer gleich mal Flop mit 1% oder Hit mit 2% ausmachen.
Manuel Weis
11.04.2019 14:12 Uhr 2
Hey tommy, die Serie hat bei sixx den Sendeplatz von 0,x auf regelmäßig um 3% gehoben. Das ist schon stark.
5vor
11.04.2019 15:23 Uhr 3
Schön zusammen gefasst und mit Sicherheit auch vieles richtig.

Aber es ist ja nicht so, als hätte man es nicht auch mit "klassischen" Telenovela Formaten in der Vergangenheit zu genüge versucht. "Eine wie keine", "Hand aufs Herz", die letzte Staffel "Anna und die Liebe...". Da ist es schon irgendwie nachvollziehbar, das man es zumindest versucht, solche Formate weiterzuentwickeln.

Ich persönlich bin aber auch kein Fan davon, wie bei Freundinnen tägliche Serien komplett weich zu spülen und in der Belanglosigkeit zu ertränken. Da war der Ansatz von "Alles oder nichts" schon spannender. Leider nur unfassbar schlecht umgesetzt.
Manuel Weis
11.04.2019 18:37 Uhr 4
Und AudL war ein Erfolg! Alle anderen Beispiele wären auch keine klassischen Stoffe. EwK mit Manu, geschieden mit Kind. HaH als Glee-Abklatsch...
Die letzte AudL Staffel war auch kein klassisches Format mehr. Nina, frisch ausm Knast und ihr Loben interest hatten keine echten Hürden zu nehmen. Zudem hatte S3 (die mit dem Geist) schon genügt geschirr zerdeppert.
Familie Tschiep
11.04.2019 20:42 Uhr 5
Das Telenovela-Sprektrum in Lateinamerika ist groß, da ist fast alles klassisch, gerade Eine wie keine funktionierte nach den Märchenprinzip, armes Mädchen findet reichen Prinzen.

Schon beim Titel find das Desaster an, Freundinnen wurde mehrmals verwandt, dann reduzierte man den Maincast auf vier Frauenunm gleichen Alter, außerdem wollte man abgeschlossene Geschichten erzählen, nie eine gute Idee bei Seifenopern, die hauptsächlich von Spannung leben, außerdem bediente man sich wenig originell bei dem Sex and the City-Muster. Hätte man es richtig gut machen wollen, hätte man am Drehbuch feilen müssen, bis es quietscht, damit die Pointe funktionieren.

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