Die Kino-Kritiker

Screwball made in Germany: «Wie gut ist deine Beziehung?»

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Auf den Spuren von Woody Allen inszeniert Regisseur Ralf Westhoff mit «Wie gut ist deine Beziehung?» einen Film über ein Problempärchen, das eigentlich gar keines ist.

«Wie gut ist deine Beziehung?»

  • Start: 28. Februar 2019
  • Genre: Komödie
  • Laufzeit: 112 Min.
  • FSK: o. Al.
  • Kamera: Marc Achenbach
  • Musik: Oliver Thiede
  • Buch & Regie: Ralf Westhoff
  • Darsteller: Julia Koschitz, Friedrich Mücke, Michael Wittenborn, Michael Maertens, Steffen Groth, Maja Beckmann
  • OT: Wie gut ist deine Beziehung? (DE 2019)
Regisseur und Drehbuchautor Ralf Westhoff weiß, wie man Geschichten am Klischee vorbei inszeniert. Um das zu tun, spielt er mit ihnen. Und das wiederum geht nur, wenn man die unausgesprochenen Gesetze einzelner Genres ganz genau kennt. «Wie gut ist deine Beziehung?» schlägt perfekt in diese Kerbe. Die starbesetzte RomCom funktioniert auf den ersten Blick nach gängigen Schemata; zumindest ist von Anfang an klar, dass sich das Protagonistenpärchen am Ende des Tages vermutlich doch wieder glücklich in die Arme schließen wird. Doch den Weg dorthin variiert Westhoff wie zuvor schon die Plots seiner (Tragi-)komödien «Shoppen», «Der letzte schöne Herbsttag» und «Wir sind die Neuen», sodass man zwar das Ziel kennt, jedoch zu keinem Zeitpunkt erahnt, über welche Abzweigungen er wohl zu ebenjenem gelangen wird.

Das im Mittelpunkt stehende Paar entspricht nämlich nicht nur so gar nicht dem gängigen Filmromanzenideal, auch das hier abgehandelte Problem, das gar keines ist, sagt sich davon los, einfach nur das große Hindernis kurz vor dem zum Greifen nahen Happy End zu sein. «Wie gut ist deine Beziehung?» stellt die Grundsatzfrage nach Glückseligkeit in der Liebe und macht das ironischerweise ausgerechnet anhand eines Paares, bei dem eigentlich gar nicht zur Debatte steht, dass die beiden sich lieben.

Die Luft ist raus


Steve (Friedrich Mücke) ist seit fünf Jahren mit Carola (Julia Koschitz) zusammen, die beiden sind liebevoll und vertraut miteinander, ein gut eingespieltes Team. Aber dann muss Steve mit ansehen, wie sein Freund Bob aus heiterem Himmel von seiner Freundin verlassen wird, die sich dem gut erhaltenen, aber doch sehr viel älteren Tantra-Lehrer Harald zuwendet. Kleine, fiese Zweifel beginnen Steve umzutreiben: Ist Carola wirklich glücklich mit ihm? Widmen sie sich und ihrer Beziehung genügend Achtsamkeit? Steve, ohnehin angegriffen durch eine berufliche Situation, muss handeln. Selbstoptimierung heißt die neue Devise, körperlich, seelisch und sexuell – und da soll ausgerechnet Harald helfen. Carola erkennt ihren Liebsten nicht wieder. Beraten von ihrer besten Freundin Anette (Maja Beckmann), die für Misstrauen plädiert, entschließt sie sich ihrerseits zu Veränderungen. Die Turbulenzen nehmen ihren Lauf…

Mann und Frau lernen sich kennen, finden sich gut, verlieben sich, werden mit einem Problem konfrontiert und nach dem sie dieses aus der Welt geschafft haben, ist der Weg frei für ein Happy End mit Namen „ewige Liebe“. So und nicht anders funktionieren 99 Prozent aller Romantic Comedies – und zwar nicht nur die deutschen Produktionen. Im Falle von «Wie gut ist deine Beziehung?» sehen die einzelnen Handlungsstationen dagegen so aus: Mann und Frau sind seit fünf Jahren zusammen, lieben sich, er greift sich ein Problem aus der Luft und weil es ja eigentlich gar keines gibt, weiß auch niemand so recht, wie man dieses Nichtproblem denn nun aus der Welt schaffen soll.

Trotzdem schaut man den beiden Hauptdarstellern nur zu gern dabei zu, wie sie sich jetzt mit der neuen Situation arrangieren müssen, in der die Handlung des jeweiligen Gegenübers immer wieder auf die Goldwaage gelegt und schon kleine Gesten wie ein Friseurbesuch oder ein unbedachtes Wort an falscher Stelle überinterpretiert werden, bis sich schließlich beide von der fixen Idee infiziert haben, dass in der Beziehung schon längst nicht mehr alles rosarot ist. Und dann werden die beiden auch noch immer wieder von ihren besserwisserischen besten Freunden Bob (Bastian Reiber) und Anette (Maja Beckmann) in ihrer obskuren Theorie bestärkt…

Eigentlich ein Traumpaar


Wie das auch im echten Leben so ist, wenn sich bei der Bekämpfung eines (Nicht-)Problems irgendwann alle Beteiligten und ihre Argumente im Kreis drehen, hätten die permanenten Auseinandersetzungen zwischen Steve und Carola per se großes Nervpotenzial. Doch Autorenfilmer Ralf Westhoff ist es zu verdanken, dass man an den betont unbeholfenen Streitgesprächen des Paares irgendwann eine solch diebische Freude entwickelt, dass die eigentliche Frage, ob sich zwischen den beiden alles wieder einrenkt, immer mehr in den Hintergrund rückt. Stattdessen serviert uns Westhoff eine skurrile Situation nach der anderen, aus denen heraus sich der trockene Humor ganz frei entfalten kann.

Wenn Steve sich für seine Freundin ein betont romantisches Date einfallen lässt, nur weil er meint, die Romantik aus den anfänglichen Beziehungsjahren wieder aufflammen lassen zu müssen (was alles zusammen aber letztlich gründlich in die Hose geht), dann reicht eine solche Szene auch für sich stehend, um einfach verdammt witzig zu sein. Dasselbe gilt für Carolas halbherzige Versuche, sich selbst zu optimieren; ganz gleich ob mit einem neuen Paar Schuhe (in dem sie sich aber total unwohl fühlt) oder mit einer neuen Frisur (mit der sie alles andere als gut aussieht).

Natürlich ist das emotionale Wiederzusammenfinden des Protagonistenpärchen die Kirsche auf der Torte; Dass man den beiden ihr Happy End einfach gönnt, obwohl es dafür, dass die Comedyelemente funktionieren, nur bedingt notwendig ist, liegt an Friedrich Mücke («Ballon») und Julia Koschitz («Hin und weg»), die als routiniertes Langzeitpaar ganz hervorragend funktionieren. Sie lassen die tiefe Verbindung zwischen ihren Figuren zu jedem Zeitpunkt durchscheinen, sorgen mit ihrem herausragenden Gespür für komödiantisches Timing aber auch dafür, dass man mit ihnen zu jedem Zeitpunkt über die Absurdität der Prämisse zu lachen imstande ist. Vor allem in Kombination mit den perfekt gecasteten Nebendarstellern, bei denen sich die Macher einige Abstecher ins Karikatureske erlauben, um ein Gegengewicht zum sonst sehr bodenständigen Hauptplot zu schaffen, setzen sie stets auf den Humor im Kleinen; ausufernde Slapstickeinlagen oder dergleichen gibt es in «Wie gut ist deine Beziehung?» nicht.

Stattdessen inszeniert Ralf Westhoff einen Film der vornehmen Zurückhaltung, ganz so, als wolle er es seinem Publikum ermöglichen, bei einem ganz normalen Liebespaar Mäuschen zu spielen. Und der Terminus „ganz normal“ könnte hier nicht positiver gemeint sein.

Fazit


«Wie gut ist deine Beziehung?» ist eine zurückhaltend erzählte, dafür umso komischere Bestandsaufnahme eines Langzeitpaares, dessen nicht existente Probleme Ralf Westmann behutsam herausarbeitet.

«Wie gut ist deine Beziehung?» ist ab dem 28. Februar in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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