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«Zeig mir Deine Welt»: Großes Fernsehen kann so einfach sein

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In zwei neuen Folgen von «Zeig mir Deine Welt» begleitet Kai Pflaume Menschen, die ihren 100. Geburtstag schon hinter sich haben. Das Format besticht durch einen hohen Grad an Authentizität und ist perfekte Unterhaltung pünktlich zum Weihnachtsfest. Unsere TV-Kritik…

Wie großes Fernsehen aussehen kann, hat Kai Pflaume in sechs Folgen von «Zeig mir Deine Welt» in den vergangenen fünf Jahren bereits gezeigt. Die Sendung, die sich irgendwo zwischen Reportage-, Informations- und Interview-Format bewegt, ist eines der großen Herzensanliegen des Moderators. Noch als Pflaume bei Sat.1 war, schlug er das Format den Verantwortlichen vor - stieß damit aber auf keine positive Resonanz. Bei der ARD zeigte man sich dagegen offener und ließ den Moderator machen.

Herausgekommen ist dabei stets unterhaltsames Fernsehen, das durch einen hohen Grad an Ehrlichkeit und Authentizität besticht. In den ersten Folgen 2013 begleitete Pflaume den Alltag von Menschen mit Down-Syndrom. Er zeigte ehrliches Interesse, nahm kein Blatt vor den Mund, behandelte seine Protagonisten auf Augenhöhe und verzichtete darauf, unnötig auf die Tränendrüse zu drücken. «Zeig mir Deine Welt» ist menschenfreundliches Unterhaltungsfernsehen, von dem der Zuschauer etwas hat. Nachdem Pflaume zuletzt unheilbar kranke Menschen begleitet hatte, geht es nun um den Alltag von 100-Jährigen.

Das Thema erscheint dabei durchaus naheliegend, schließlich handelt es sich bei den Hochaltrigen um eine stetig wachsende Gruppe in unserer Gesellschaft. Dass Formate mit älteren Protagonisten auch aus Quotensicht gut ankommen können, hat zudem schon die ZDF-Produktion «Mit 80 Jahren um die Welt» bewiesen. Auch Sat.1 stellt mit «The Voice Senior» seit Neustem bewusst alte Menschen in den Vordergrund.

Genau genommen stehen in der Auftaktfolge von«Zeig mir Deine Welt» drei Personen im Fokus, die ihren 100. Geburtstag bereits vollendet haben. Da wäre zum einen Hedwig, die in einem Seniorenhaus wohnt und 103 Jahre alt ist. Sie schreibt E-Mails, kann nach eigener Aussage aber nichts mit WhatsApp anfangen. Im Gespräch mit Kai Pflaume ergeben sich häufig Momente, die den Zuschauer schmunzeln lassen. Zum einen, weil Pflaume im Umgang mit seinen Protagonisten keine Berührungsängste zeigt, zum anderen, weil die Hochaltrigen in der Sendung nicht auf den Mund gefallen sind.

Klare Worte findet unter anderem der 102-jährige Bäcker Walter, der mit Kai Pflaumes Backkünsten hart ins Gericht geht. An seine Grenzen gerät der Moderator auch, als er mit der 100-jährigen Lilo Richtung Pferdestall aufbricht und eine Reitstunde von ihr erteilt bekommt. „Ich bin froh, dass meine Familienplanung abgeschlossen ist“, sagt Pflaume noch auf seinem Gaul sitzend.

Doch auch die emotionalen Szenen kommen in «Zeig mir Deine Welt» bei allem Spaß nicht zu kurz. Traurig wird es etwa als Hedwig von ihrem Sohn spricht, der vor zwei Jahren an Krebs verstorben ist. Authentisch berichtet sie davon, wie schwierig dieses Erlebnis für sie war. Und wenn Kai Pflaume in diesem Moment ihre Hand nimmt, dann wirkt das nicht gestellt, sondern nur angemessen und ehrlich.

„Unterhaltsam, berührend, authentisch“ - so fassten wir bei Quotenmeter.de vor gut fünf Jahren die erste Folge von «Zeig mir Deine Welt» zusammen. Im Grunde genommen gilt das auch für die neuen Ausgaben der Reihe, die auf eine unheimlich ehrliche Art und Weise zu unterhalten wissen. «Zeig mir Deine Welt» kommt nicht mit einem Drehbuch zu den Leuten, es lebt von den Gesprächen der 100-Jährigen mit Kai Pflaume und den teils unerwarteten Wendungen. Gutes Fernsehen kann so einfach sein - man muss Kai Pflaume und seine Protagonisten nur machen lassen!

Natürlich mag man der Sendung vorwerfen, dass sie drei Hochaltrige in den Vordergrund stellt, die aufgrund ihres hervorragenden Gesundheitszustands offensichtlich nicht den Durchschnitt verkörpern. Die großen Herausforderungen, die eine alternde Gesellschaft mit sich bringt sowie die häufig nicht optimalen Zustände in Alters- und Pflegeheimen kommen im Format daher nicht zur Sprache. Es geht lediglich um die Geschichte des Einzelnen und das unmittelbare Gespräch. Das ist nicht immer relevant, dafür in der Regel aber äußert unterhaltsam - was völlig in Ordnung ist, schließlich bezeichnen die Verantwortlichen «Zeig mir Deine Welt» auch als Unterhaltungsfernsehen.

Unterm Strich ist «Zeig mir Deine Welt» so perfektes Fernsehen für das Weihnachtsfest - und ein Format, an dem die ganze Familie von Jung bis Alt Freude finden dürfte. Eine echte Perle des deutschen Fernsehens, von der gleich drei Seiten profitieren. Zum einen die drei Hochaltrigen selbst, die eine Stimme bekommen. Zum anderen Kai Pflaume, der in dem Format voll und ganz aufgeht und mit Herzblut dabei ist. Und schließlich und letztendlich hat von der Sendung natürlich auch der Zuschauer etwas, der tolles Fernsehen geboten bekommt. Schade nur, dass die aktuelle Staffel nach zwei Folgen schon wieder zu Ende sein wird.

Eine weitere Folge von «Zeig mir Deine Welt» zeigt Das Erste am 2. Weihnachtsfeiertag um 19.15 Uhr.
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