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Wenn die GroKo müde macht: Polittalks auf der Suche nach Zuschauern

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Fast durch die Bank haben die großen Diskussionsrunden im deutschen Fernsehen Zuseher verloren. Besonders hart traf es «Anne Will», die über 0,7 Millionen Zuschauer verlor.

Grundsätzlich war 2018 ein politisch äußerst spannendes Jahr. Im Spätwinter einigten sich Vertreter der Großen Koalition nach langen Wochen und Monaten auf einen Koalitionsvertrag. Der Streit innerhalb der Union schwelte quasi das komplette Jahr über. Angela Merkel gab bekannt, nicht wieder als CDU-Vorsitzende kandidieren zu wollen – gleich drei Kandidaten bewarben sich um das Amt. Außenpolitisch ist die Flüchltingsfrage und die Klimakrise ein wichtiges Thema und auch Donald Trump war in den vergangenen 52 Wochen für viel Zündstoff gut. Und dennoch haben alle großen (gesellschafts)-politischen Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sender im Jahr 2018 Zuschauer verloren.

Besonders hart traf es hier übrigens «Anne Will», die auf dem bedeutendsten Sendeplatz – sonntags direkt nach dem «Tatort» - zu Hause ist. Kamen 30 Folgen ihrer Show im Jahr 2017 noch auf durchschnittlich 4,17 Millionen Zuschauer, waren es 2018 nur noch 3,43 Millionen Menschen, die einschalteten. 2018 schafften es tatsächlich nur vier Sendungen auf über vier Millionen Zuschauer. Meistgesehen auf dem Sendeplatz war der Talk vom 21. Januar – zugleich übrigens die erste Show des Jahres. Die Sendung fand nach dem SPD-Parteitag statt, der letztlich die Weichen für die neue GroKo ebnete.

Im Vergleich zu 2017 verlor «Anne Will» zwei Prozentpunkte bei den Marktanteilen, sonntags ab 21.45 Uhr kam sie noch auf 12,6 Prozent. Auch bei den 14- bis 49-Jährigen sanken die Quoten deutlich: Von 7,6 Prozent im Vorjahr auf jetzt noch 6,5 Prozent.

In ähnlicher Weise, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt, verlor «Hart aber fair» Zuschauer. Frank Plasberg sendete in diesem Jahr 34 Ausgaben montags – meist um 21 Uhr. Dabei erwies sich vor allem der März als guter Monat. Die beiden meistgesehenen Ausgaben der Show liefen in diesem Zeitraum: Über 3,7 Millionen Menschen wollten etwa „Hartz gleich arm - geht diese Rechnung auf“ sehen, über 3,5 Millionen waren es wenige Wochen zuvor, als Anfang März das Thema „Fremde gegen Deutsche, Arme gegen Arme: Was zeigt der Fall der Essener Tafel?“ auf dem Programm stand.

Dieser starken Ausschläge nach oben zum Trotz; durchschnittlich sank die Reichweite der Plasberg-Show auf 2,71 Millionen Zuschauer – das waren 0,36 Millionen weniger als im Vorjahr. Die Anzahl der Sendungen, die ausgestrahlt wurden, veränderte sich kaum. Sie sank 2018 um eine auf 34 Stück. In Sachen Marktanteil verlor «Hart aber fair» 0,9 Punkte und landete nun bei 9,6 Prozent – vier Zehntel gingen auch bei den 14- bis 49-Jährigen verloren, wo man im Schnitt auf 5,1 Prozent kam.

Auch das Talk-Aushängeschild des ZDF, «Maybrit Illner», blieb von Verlusten nicht verschont, wenngleich diese geringer ausfielen. Die 40 Ausgaben ihrer Show erreichten 2018 im Schnitt 2,54 Millionen (-0,22 Millionen) und eine Quote in Höhe von 12,4 Prozent. Das war ein Abschlag von genau einem Prozentpunkt im Vergleich zum Jahr zuvor. Gewinne standen derweil bei den 14- bis 49-Jährigen zu Buche. Hier holte der für gewöhnlich donnerstags um 22.15 Uhr gezeigte Talk 4,8 Prozent Marktanteil – zwei Zehntel mehr als im Vorjahr. Ähnlich wie bei den ARD-Pendants lief es für Illner ebenfalls im Januar stark: Am 18. Januar wurde mit 3,21 Millionen Zuschauern die beste Quote ermittelt. 3,20 Millionen Menschen sahen zudem Mitte Februar zu. Die Themen damals: „Machtkampf um die GroKo“ sowie „Ist Schwarz-Rot noch zu retten?“.

Die niedrigste Reichweite, aber auch den spätesten Sendeslot, hat derweil «Maischberger» im Ersten. Auch hier standen 2018 Verluste zu Buche. Die Reichweite sank von 1,55 auf 1,38 Millionen, die Quote fiel um 1,3 Punkte auf noch 9,2 Prozent im Gesamtmarkt. Bei den Jungen ging es von 5,5 auf 4,9 Prozent hinab. Innerhalb des BR hatte BR-Intendant Wilhelm schon vor einiger Zeit die Frage gestellt, wie man politische Debatte auch abseits klassischer Talk-Sendungen und –Situationen abhalten kann. Gedankengänge wie dieser werden wohl im kommenden Jahr wieder gefragt sein.

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