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PBS: Lückenbüßer bei Marktversagen?

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In den nächsten Wochen blickt Quotenmeter.de auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Ausland. In der Auftaktausgabe: Wie funktioniert Public Broadcasting in den USA?

Wie ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen in den USA aufgebaut?
Ähnlich wie die großen privaten Networks in den USA ist auch auf dem 1970 gegründeten öffentlich-rechtlichen Fernsehsender PBS (Public Broadcasting Service) nicht durchgängig landesweites Programm zu sehen. Wie die Privat-Networks NBC oder FOX strahlt PBS sein Programm über eine Vielzahl (derzeit 350) lokaler Rundfunkstationen aus, für die die zentral gesendeten landesweiten Programmteile einen Mantel, vor allem in der Prime-Time, bilden. Anders als im Privatfernsehen sind die Träger dieser lokalen Affiliates jedoch weder einzelne Wirtschaftsunternehmen noch Bestandteile anderer, konzerneigener oder -fremder Firmenkonstrukte, sondern Bildungseinrichtungen, Non-Profit-Organisationen, staatsnahe oder auch staatlich betriebene Gebilde.

Wie finanziert es sich?
Die 1967 durch Bundesgesetz gegründete Corporation for Public Broadcasting mit Sitz in Washington, DC erhält von der amerikanischen Bundesregierung Gelder aus dem allgemeinen Steueraufkommen, die sie zur Förderung des öffentlichen Rundfunks in den USA an entsprechende Rundfunkbetreiber auszahlt. Im Fiskaljahr 2014 erhielt sie 445,5 Mio. Dollar, von denen sie etwa die Hälfte an lokale Rundfunkbetreiber auszahlte. Ungefähr weitere 70 Mio. Dollar flossen in die Produktion von Fernsehproduktionen, ein deutlich geringerer Teil (27 Mio. Dollar) an PBS. Der Rest wird hauptsächlich für das öffentlich-rechtliche Radio verwendet.

Die 27 Mio. Dollar, die PBS von der Corporation for Public Broadcasting erhält, bilden freilich nur einen von mehreren Posten des Gesamt-Budgets. Zu einem signifikanteren Teil finanziert sich der Sender über Werbeeinnahmen und Spenden, zu denen er in Form der in Amerika berühmten – und oft parodierten – Telethons aufruft.

Angesichts des amerikanischen Bundeshaushalts von ca. 3,8 Billionen Dollar machen die 445,5 Mio. Dollar Staatsausgaben für den öffentlichen Rundfunk natürlich nur einen äußerst geringen Anteil aus: nicht einmal 0,012%. Umgerechnet auf die Pro-Kopf-Belastung gibt somit ein Amerikaner 1,35 Dollar pro Jahr über Steuergelder für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus – Peanuts im Vergleich zur deutschen Haushaltsabgabe von über zweihundert Euro jährlich.

Was läuft?
PBS ist unter anderem bekannt für die Ausstrahlung britischer Lizenzware, vor allem von der BBC: «Downton Abbey». «Doctor Who». «Faulty Towers». «Sherlock». Die eigenproduzierten Sendungen konzentrieren sich hinsichtlich ihrer Themen und Aufmachungen eher auf ein älteres, bildungsbürgerliches, vielleicht elitäres Publikum. Dokumentationen, Wissenschaftssendungen und Informationsprogramme dominieren das Programm. Besonders populär war die bis letztes Jahr gezeigte Talk-Show mit der amerikanischen Interview-Ikone Charlie Rose.

Die international bekannteste Marke, die ihre Premiere noch auf dem PBS-Vorgänger National Educational Television feierte, dürfte aus dem Kinderfernsehen stammen: die «Sesamstraße», die als eine der ersten landesweit ausgestrahlten Serien mit integriertem weißen und afroamerikanischen Cast auch seit jeher eine politische Ambition verfolgt – und deshalb in den Anfangsjahren auch in Mississippi nicht gezeigt wurde.

Welchen Stellenwert hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen in den USA?
Im Markt: keinen großen. Bei den Einschaltquoten liegen die großen privaten Networks weit vor dem öffentlich-rechtlichen PBS. Weder die amerikanische Öffentlichkeit noch die Politik sieht daran auch nur das geringste Problem. Der öffentliche Rundfunk ist in der amerikanischen Medienlandschaft strukturell einzig darauf ausgelegt, bei einem Marktversagen einzuspringen, sprich: Programme zu senden, die von öffentlichem Interesse sind, aber vielleicht keine ausreichend breite Masse erreichen, um sie für kommerzielle Marktteilnehmer attraktiv zu machen. Mit vergleichsweise sehr geringen über Steuern eingenommenen staatlichen Aufwendungen entsteht so sowohl ein spitzes Programm für eine elitäre Zielgruppe als auch ein in der Breite wahrgenommenes Kinderprogramm, aus dem Mega-Hits wie die «Sesamstraße» hervorgingen.

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