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„Den Boden unter den Füßen weggerissen“ – Ein Toter geht auf Weltreise

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Am Dienstagabend startet das ZDF eine neue Talpa-Produktion. In sechs Folgen gehen Senioren auf Reisen. Obwohl ein Teilnehmer starb, wird die Sendung ab Dienstag ausgestrahlt. Über ein TV-Format, das das Leben liebt, jetzt aber ein mulmiges Gefühl mit sich bringt.

In den kommenden zwei Wochen wird das ZDF sechs Folgen einer neuen und besonderen Reisedokumentation zeigen – immer dienstags bis donnerstags um 22.45 Uhr: «Mit 80 Jahren um die Welt» kommt, wie so viele Factual-Ideen, aus den Niederlanden und holte dort beachtliche Quotenerfolge – übrigens insbesondere bei den Jüngeren. Der Clou: Kameras der Produktionsfirma Talpa begleiten betagte Senioren, der trotz ihrer Lebenserfahrung bisher noch nicht viel von der Welt gesehen haben. Für die deutsche Version des Stoffs ging es im Frühjahr nach Südafrika, Indien, Dubai, in die Mongolei, nach Vietnam und schließlich nach Schweden. Herausgekommen ist das perfekte Stück Feel-Good-TV, ein Format, das im reinsten Sinne lebensbejahend ist.

Eigentlich. Jede Folge dreht sich um einen der sechs Teilnehmer. Einer davon ist Lothar, 1937 in Berlin geboren, frühere Orts-Bürgermeister aus Schleswig-Holstein, erfüllt sich dort seinen Lebenswunsch: Einmal fliegen wie ein Vogel. Das gelingt mit Hilfe eines Flugschraubers, den „Reiseleiter“ Steven Gätjen organisiert hat. Kurz später aber kam es zu Komplikationen. Bei den Arbeiten zur fünften Folge, die unter anderem in Hanoi gedreht wurde, klagte der 80-Jährige über Unwohlsein. Im Krankenhaus wurde eine Lungenentzündung festgestellt, Lothar sollte nach Bangkok verlegt werden, verstarb aber beim Transport. Ein Schock für die komplette Produktion, die die Dreharbeiten direkt abbrach.

„Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Und wir haben viele tolle Sachen miteinander unternommen. Als das mit Lothar passiert ist, hat uns das allen den Boden unter den Füßen weggerissen. Das war ein Moment, der extrem wehgetan hat und der mich immer noch sehr traurig macht, weil ich diesen Menschen einfach sehr gemocht und geschätzt habe. Die Kommunikation mit ihm, sein Auftreten und seine Ratschläge, das war wirklich toll“, zeigt sich Moderator und Reiseleiter Steven Gätjen auch heute noch betroffen vom plötzlichen Tod des 80-Jährigen. Die Produktion vorerst abzubrechen, um alles sacken zu lassen, sei Gätjens Meinung nach letztlich das einzig Richtige gewesen. Einige Tage danach drängte sich dann in der Tat die Frage auf, ob das TV-Experiment nochmal weitergehen kann – ohne Lothar.

„Das Thema Tod war ein Thema, dass in den dreieinhalb Wochen, in denen wir zusammen waren, immer wieder besprochen wurde. Das wurde aktiv von den Senioren angesprochen als etwas, mit dem sie sich auch tagtäglich auseinandersetzen. Deswegen habe ich in Abstimmung mit dem Sender, den Angehörigen und natürlich den Senioren gesagt: Dass wir dieses Abenteuer gemeinsam weiter gehen ist etwas, das Lothar auch gewollt hätte“, erklärt Gätjen. Die Entscheidung, die Produktion letztlich noch zu Ende zu bringen und nun auch auszustrahlen, sei demnach „richtig und wichtig und toll“, meint Gätjen.

So wird «Mit 80 Jahren um die Welt» in der Tat ein ganz besonderes Stück Fernsehen werden. Mit fünf Senioren, die an den kommenden Abenden sicherlich gebannt und gespannt, aber auch wehmütig vor dem Fernseher sitzen. So ist die Produktion letztlich nämlich auch als eine Art Hommage an Lothar zu verstehen. Steven Gätjen nennt es eine „kindliche Freude“, mit der die Senioren bei den Dreharbeiten in den fernen und fremden Ländern dabei waren. „Und das ist etwas, das uns ja gesellschaftlich auch verbindet, egal welchen Alters: Dass wir mutig sind, dass wir respektvoll und liebevoll miteinander umgehen, dass wir unsere eigene Meinung haben und selbstbewusst durchs Leben gehen. Das ist einfach ehrlich, es ist emotional und natürlich – einfach die Art von Fernsehen, die ich großartig finde.“

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