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Interview

«Morden im Norden»-Produzent Koch: "Wollen sehr komplexe Figuren erzählen"

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Schmunzel-Krimi? War mal. Die ARD-Montagsserie hat sich mittlerwerile maximal vom "Heiter bis tödlich"-Label entfernt. Darauf legt man bei der ndF: Berlin Wert. Über Schauspieler Sven Martinek, Experimente um 18.50 Uhr und eben Schmunzelkrimis sprachen wir mit Produzent Hans-Hinrich Koch.

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  • «Um Himmels Willen»
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  • «Flucht durchs Höllental»
Früher war «Morden im Norden» ein Schmunzel-Krimi. Jetzt ist der Humor ausgegangen?
Das nicht. Aber es freut mich, dass Ihnen aufgefallen ist, dass wir inzwischen einen Genre-Wechsel vollzogen haben, der beim Zuschauer gut ankommt. Wir waren 2012 zwar als eines von mehreren «Heiter bis tödlich»-Formaten gestartet, aber jede dieser Serien hatte schon damals ihre eigene Ausrichtung - und diese haben wir in den letzten fünf Staffeln konsequent weiterverfolgt.
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Als was bezeichnen Sie sich mittlerweile?
«Morden im Norden» ist inzwischen ein realistisches Krimi-Drama . Gerade auf den hohen Drama-Anteil bin ich stolz, weil es dies so im deutschen Vorabend-Fernsehen sonst nicht gibt. Wir legen unseren Fokus immer auch sehr stark auf die Episodenrollen, geben ihnen viel Screentime. Wir wollen auch in der Backstory hier sehr komplexe Figuren erzählen. Damit haben wir uns einen gewissen USP erarbeitet. Wir erzählen auch bei Weitem nicht nur klassische Whodunnit-Storys. Bei uns ist der Mörder manchmal auch schon von Beginn an bekannt, wir machen also auch Whydunnit- oder Howdunnit-Storys.

Die ersten Staffeln lief die Serie noch unter der Dachmarke „Heiter bis tödlich“, die aber kaum Quotenerfolge hatte. War das dann irgendwann sogar schädlich?
Das weiß ich gar nicht. Damals sind viele unterschiedliche Serien gestartet. Wir haben aber inzwischen die stärkere Wahrnehmung als alleinstehende Serie errungen. Seit einigen Staffeln haben wir ja auch nicht mehr den «Heiter bis tödlich»-Vorspann. Die Serie hat sich in die Richtung entwickelt, in der wir sie gesehen haben und der Zuschauer sie angesichts der guten Quoten gerne sieht. Wir haben inzwischen zweistellige Marktanteile und Sendeplatz-Bestwerte. Das freut uns.

Aber im Vergleich mit uns sehe ich hauptsächlich die Unterschiede im Bereich Realismus, Emotion und Dramatik.
«Morden im Norden»-Macher Hans-Hinrich Koch über den Unterschied seiner Serie verglichen mit «Hubert und Staller»
Letztlich ist es Ihre Serie und «Hubert und Staller», die sich durchsetzten. Quasi eine Nord-Süd-Achse. Gibt’s Ähnlichkeiten bei allem Gegensatz?
Da gibt es wenig Ähnlichkeiten. «Hubert und Staller» ist – auch von der Besetzung her – weiterhin der klare Schmunzelkrimi. Ich mag die Serie, weil alle Elemente eine klare Humorfarbe bedienen und auch die Darsteller ein perfektes komödiantisches Timing drauf haben. Aber im Vergleich mit uns sehe ich hauptsächlich die Unterschiede im Bereich Realismus, Emotion und Dramatik.

Wie schwer waren denn die ersten zwei, drei Jahre für Sie? Die Quoten waren immer schlecht.
Aber die Quoten stiegen von Beginn an immer kontinuierlich an und zeigten das Potenzial. Und wenn man eine neue Serie startet, dann ist das immer auch eine Black-Box. Man hat ein Konzept und ist überzeugt davon. Aber die konzeptionelle Arbeit geht nach dem Start weiter, wenn es in die intensive Betrachtung der Ergebnisse geht. Dann entwickelt man sich weiter. Den Raum gab uns der Sender und unsere Redaktion war und ist der ideale Kreativ-Partner. Aber auch der passende Sendeplatz spielte eine wesentliche Rolle für den aktuellen Erfolg.

Besserung trat dann auf dem neuen Montags-Sendeplatz ein.
Genau. Wir profitieren sicherlich von der Back-to-Back-Programmierung mit dem «Großstadtrevier». Auch wir definieren uns als Hanseaten-Krimi und die Zuschauer erwarten mittlerweile am Montag um 18.50 Uhr starke Krimis aus dem Norden.

Montags um 18.50 Uhr sind die Fans eigentlich das «Großstadtrevier» gewohnt. Wie ähnlich und wie verschieden zugleich müssen Sie dem Klassiker sein?
Wir vergleichen uns da nicht. Als Macher einer eigenständiges Serie schauen wir auf uns. Es geht ja darum, nach der eigenen DNA gute Krimifälle zu erzählen und die Figuren spannend weiterzuentwickeln. Da bringt es wenig, auf andere Formate zu schauen. Wir können jetzt auf über 80 Episodenbücher unserer Serie blicken. 80 Folgen, in denen wir uns und unsere Figuren gut kennengelernt haben. Mit den Autoren loten wir trotzdem das Format immer weiter aus. Auch bei aller konzeptionellen Klarheit sehen wir es als Aufgabe und Chance, immer wieder Neues auszuprobieren.

Sven Martinek ist ihr Hauptdarsteller. Ich kenne ihn noch als «Der Clown»…
(lacht) Ja, so etwas ist immer ein bisschen Fluch und Segen zugleich für einen Schauspieler. Er hat mit dieser Serie sicherlich TV-Geschichte geschrieben, auf der anderen Seite haben wir den «Clown» in Sachen Schlagzahl schon längst überholt. Somit ist nun Finn Kiesewetter eigentlich die Rolle seines Lebens. Er hat diese Figur auch sehr zu seiner eigenen gemacht. Genau wie Ingo Naujoks und die anderen Ensemble-Darsteller. Wir legen Wert darauf, dass die Schauspieler sich einbringen können. Unsere Autoren nehmen ihre Ideen auf, wenn sie gut sind.

Wie wollen Sie die Serie in den kommenden Jahren entwickeln? Stillstand ist von «Morden im Norden» ja nicht zu erwarten…
Wir haben uns inzwischen recht gut gefunden, sind uns aber bewusst, dass Stillstand der Tod eines Formats ist. Wir bleiben also sensibel und wollen weiter experimentieren. Auch mit unserer Stärke - der Genre-Mischung. Wir hatten ja bereits Folgen, die eher Thriller waren als Krimi. Wir werden auch künftig mutig bleiben.

Danke für das Gespräch.

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