Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 26: Prominent im Kettenhemd.
Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir des medialen Untergangs des Abendlandes.
«Die Burg» wurde am 23. Januar 2005 bei ProSieben geboren und entstand zu einer Zeit, als RTL mit den ersten Staffeln von
«Ich bin ein Star, holt mich hier raus!» Höchstquoten erzielte und auch die Kopie «Die Alm» im Sommer 2004 beachtliche Erfolge erzielen konnte. Was lag da näher als die Kopie noch einmal zu kopieren und die vermeintliche C-Prominenz nun anstatt in den Dschungel oder in eine abgelegene Berghütte auf einer Burg einzusperren? Und so begann eine Reality-Show, die das Niveau des deutschen Fernsehens noch einmal deutlich herabsetzte.
Unter den Teilnehmern befanden sich neben Ex-Talkshow-Moderator Ricky Harris (
«Ricky!»),
«RTL Samstag Nacht»-Mitglied Tanja Schumann, «Popstars»-Vocal-Coach Artemis, «Big Brother»-Kandidat Alex Jolig, Soap-Sternchen Jan Hartmann auch die Porno-Darstellerinnen Lydia Pirelli und die stark aufgepumpte Tina Angel. Komplettiert wurde das Team mit Xenia von Sachsen, Ex-Boygroup-Mitglied Karim „Der Knutscher“ Maataoui und Schlagersänger Christian Anders, der sich zuvor öffentlich mit dem sogenannten Kitsch-Millionär um seine Frau Jenna stritt. Als besonderes Highlight konnte ProSieben zudem Prinz Frédéric von Anhalt gewinnen, der später auch die Vaterschaft um Anna Nicole Smiths Baby für sich beanspruchte, während seine Frau Zsa Zsa Gabor sterbenskrank zu Hause im Bett lag. Im Laufe der Show stieß als Quotenhoffnung Kader Loth zur illustren Truppe hinzu.
Ach ja, ein Konzept gab es bei der peinlichen Show auch. Die Kandidaten wurden in „Pöbel“ und „Adel“ eingeteilt. Dabei war den adeligen Bewohnern das körperliche Arbeiten strengstens verboten, weswegen sie sich vom Pöbel bedienen lassen konnten. Mit diversen Spielchen war es den Kontrahenten möglich, die Stände zu wechseln. Das Konzept geriet jedoch schnell in Hintergrund, da sich die Kandidaten sehr schnell begannen öffentlich zu streiten.
Prinz Frédéric war daran stets beteiligt. So beschimpfte er Tina Angel vor laufenden Kameras als „Nutte“. Danach spuckte er in den Eistee, den er eigentlich seinen Mitstreitern servieren sollte. Die Situation eskalierte als er zusammen mit Karim heimlich in das Badewasser von Kader Loth urinierte. In der allabendlichen Show bekam diese die Bilder zu sehen und bewarf Prinz Frédéric mit Essen. Dieser wehrte sich und während der Live-Show entstand eine Essensschlacht, bei der er auch mit Geschirr um sich warf. Kader Loth behauptete später davon getroffen worden zu sein und verließ die Sendung, um ins Krankenhaus zu gehen und Prinz Frédéric zu verklagen.
Doch auch abseits dieses Schauplatzes bot das Format skurrile Momente. So buhlte Schlagersänger Christian Anders öffentlich um die Gunst von Tina Angel, nur weil ihm ihre Oberweite gefiel. Beim täglichen Ausleeren des Plumpsklos präsentierte er zudem stolz sein morgendliches Geschäft und pries es öffentlich an.
Moderiert wurde das 2-wöchige Spektakel von den ProSieben-Allzweckwaffen Sonya Kraus und Elton, die allerdings nur eine farblose Kopie von Sonja Zielow und Dirk Bach waren. Die Zusammenfassung der Geschehnisse auf der Burg Rappottenstein sendete ProSieben täglich zur besten Sendezeit. Da das Format abgesehen von einigen Ausreißern nur um 10 Prozent Marktanteil verbuchen konnte und dem Image des Senders sehr schadete, wurde die Show nicht um eine zweite Ausgabe verlängert. ProSieben nahm anschließend von Shows dieser Art vorerst Abstand.
«Die Burg» wurde am 07. Februar 2005 beerdigt und erreichte ein Alter von 16 Folgen. Die Show hinterließ neben dem Sieger Christian Anders auch die verletzte Kader Loth, die ihre Klage gegen Prinz Frédéric von Anhalt verlor.
Möge die Show in Frieden ruhen!
Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs widmet sich der Solo-Show von Brisko Schneider.