Die Kino-Kritiker

Ein grandioses Actionfest: «John Wick: Kapitel 3 – Parabellum»

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Kämpfen, kämpfen, kämpfen: Keanu Reeves muss als John Wick Dutzende und Aberdutzende von Killern abwehren. In einer verbissenen, stylischen, wuchtigen Actionszene nach der anderen.

Filmfacts: «John Wick: Kapitel 3 – Parabellum»

  • Regie: Chad Stahelski
  • Produktion: Basil Iwanyk, Erica Lee
  • Drehbuch: Derek Kolstad, Shay Hatten, Chris Collins, Marc Abrams
  • Story: Derek Kolstad
  • Darsteller: Keanu Reeves, Halle Berry, Laurence Fishburne, Mark Dacascos, Asia Kate Dillon, Lance Reddick, Anjelica Huston, Ian McShane
  • Musik: Tyler Bates, Joel J. Richard
  • Kamera: Dan Laustsen
  • Schnitt: Evan Schiff
  • Laufzeit: 131 Minuten
  • FSK: ab 18 Jahren
Er wollte einfach nur seine Ruhe haben. Er wollte doch einfach nur seine verdammte Ruhe haben. Er wollte doch einfach nur seine verdammte Ruhe haben und für den Rest seiner Tage den Hundewelpen knuddeln, den ihm seine Frau hinterlassen hat. Aber es kann der Zurückgezogenste nicht in Frieden leben, wenn es einem ignoranten Hitzkopf nicht gefällt: Ein ahnungsloser Wichtigtuer suchte Streit mit dem Witwer und Hundefreund John Wick, tötete seinen knopfäugigen Begleiter und weckte somit eine schlafende Killermaschine. Und, um es frei nach Nick Fury aus dem «Avengers»-Kosmos zu sagen: Er kickte die Tür zu einem größeren Universum auf, ohne es zu wissen. Denn was in «John Wick» als Ein-Mann-sieht-rot-Rachegeschichte begonnen hat, ist nun in seinem dritten, bislang größten Kapitel angelangt:

Der gereizte Witwer und Ex-Auftragskiller John Wick, der eine Schneise der Vergeltung durch die Unterwelt gezogen hat, kann nicht einfach in den Ruhestand zurückkehren. Seine Vergangenheit und die riesige Parallelgesellschaft, die an ihr dran hängt, brodelt seit den Vorfällen aus dem 2014er Actionfilm «John Wick» immer weiter auf. Innerhalb der Filmwelt sind seit dem Tod von Johns Hundwelpen übrigens nur wenige Tage vergangen – aber in der kurzen Zeit hat er seinen gesammelten Ex-Berufsstand gegen sich aufgebracht. Nun ist ein immenses Kopfgeld auf ihn ausgesetzt, das zum Auftakt von «John Wick: Kapitel 3 – Parabellum» in wenigen Minuten in Kraft tritt. Johns Chancen, es zu überleben, dass praktisch sämtliche Mitglieder der komplexen Assassinen-Subkultur hinter ihm her sind? Die Einschätzungen eines mit John Wick befreundeten Hoteliers und Killer-Sammelhortes besagen: Fünfzig-fünfzig …

Eigentlich ist es ziemlich absurd, wo sich «John Wick» hin entwickelt hat – aus einem geradlinigen, aber sehr gut gemachten Rache-Actionfilm wurde eine Filmreihe mit einer dichten Mythologie und ein versierter Ex-Auftragskiller stellt sich als förmlich unaufhaltsame Urgewalt heraus. Aber das «John Wick»-Filmuniversum ist auf erfreulich-absurde Weise explodiert. Die Selbstverständlichkeit, mit der Regisseur Chad Stahelski die Auftragskiller-Parallelgesellschaft in all ihrer nostalgischen Eleganz inszeniert, hebt diesen potentiellen B-Movie-Stoff auf eine neue Ebene:

Urige Maschinen rattern, bedient von Frauen in altbackener Telefonistinnengarderobe, die jedoch knallige Tattoos zur Schau tragen. Eine Vielzahl an angedeuteten und unausgesprochenen Ehrencodes wollen eingehalten oder gebrochen werden. Und eine streng dreinblickende, schwarz gekleidete Person mit raspelkurzen Haaren stackst dem Geschehen aus «John Wick: Kapitel 2» hinterher und spricht im bestimmten Tonfall Strafen für Fehlverhalten aus. Hier wird nicht nur geballert, geschlagen und getreten, Stahelski erschafft einen faszinierenden atmosphärisch dichten Filmkosmos, der sich scheinbar komplett gegen den Titelhelden verschworen hat.

Das steigert die Fallhöhe dieses Actionfestes, das die Gefahr etwaig aufkommender Monotonie zudem bezwingt, indem Regisseur, Stuntchoreograf und Ex-Stuntman Stahelski sich in den Kämpfen ein ums andere Mal an Einfallsreichtum übertrifft: Jedes der zahlreichen Action-Setpieces hat einen eigenen Dreh, und so gibt es neben konventionellen Schusswechseln und verbissenen Faustkämpfen auch einen Axtkampf, den findigen Einsatz von Kampfhunden, eine mit Samuraischwertern aufgepeppte Motorradverfolgungsjagd und vieles, vieles mehr.

All dies geschieht unter minimaler Verwendung von Digitaltricks: Stahelski verlässt sich auf die schweißtreibende, minutiös einstudierte Arbeit von Stuntleuten, die er mit wenigen Schnitten und in stabilen Kameraeinstellungen zelebriert. Nicht bei jedem Kampf sitzt das Timing hunderprozentig, manch innovative Actioneinlage dürfte ihr Gimmick länger auskosten, manch andere verzahnt sich dagegen, doch förmlich jede Actionpassage hat ihre eigene Dramaturgie sowie mindestens einen "Wow!"-Moment.

Allem Fokus auf Action zum Trotz ist der talentierte Cast, der neben den Rückkehrern Keanu Reeves, Ian McShane, Laurence Fishburne und Lance Reddick auch Neuzugänge wie Asia Kate Dillon, Anjelica Huston und Halle Berry sowie Mark Dacascos umfasst, durchaus gefordert: Mal ganz davon abgesehen, welch komplexen Stunts Reeves, Berry und Dacascos formidabel ausführen, erweckt die Darstellerriege die stilisierten Figuren mittels gesundem Pathos zum Leben. Dialogszenen sind so davor gefeit, wie Füllmaterial zu wirken – und das, obwohl in «John Wick: Kapitel 3 – Parabellum» der Übergang vom Mittelteil zum Finale durchaus verzettelt geraten ist. Hier spürt man kurzweilig, wie schwer sich das Autorenteam tut, die Bühne für den furiosen Schlussakt zu bereiten.

Diese kurze Dürreperiode ist «John Wick: Kapitel 3 – Parabellum» aber schnell verziehen, nicht zuletzt, weil nicht nur die Action, sondern der gesamte Film so verflixt gut aussieht: Kameramann Dan Laustsen («Shape of Water – Das Flüstern des Wassers») fängt diese Actionorgie in satten, dunklen Farben mit kräftigen Kontrasten ein, vor allem das nächtliche, dauerverregnete New York ist ein Augenschmaus von einer Kulisse für die harten, wuchtigen Kämpfe, die Stahelski kunstvoll aneinanderreiht. Am Ende bleibt nur eins zu sagen: Bitte mehr davon!

«John Wick: Kapitel 3 – Parabellum» ist ab dem 23. Mai 2019 in vielen deutschen Kinos zu sehen.

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