Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf bleiben für ProSieben bei den Jüngeren wertvoll. Doch drei Jahre Quotendaten zeigen deutliche Verschleißerscheinungen.

Es gibt Fernsehgesichter, die einen Sender über Jahre begleiten. Und es gibt Fernsehgesichter, die irgendwann selbst beinahe zu einem Sender werden. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf gehören bei ProSieben längst zur zweiten Kategorie. «Joko & Klaas gegen ProSieben», «Wer stiehlt mir die Show?», «Ein sehr gutes Quiz (mit hoher Gewinnsumme)», «Joko & Klaas LIVE», «Joko & Klaas machen Urlaub», dazu Klaas Heufer-Umlauf mit «Late Night Berlin» und «Experte für alles» sowie weitere Florida-Produktionen wie «Das Duell um die Geld»: Wer regelmäßig ProSieben einschaltet, kommt an diesem Kosmos kaum vorbei. Doch genau darin könnte inzwischen ein Problem liegen. Die Auswertung der linearen Quoten zwischen September 2023 und September 2026 zeigt nämlich zwei scheinbar widersprüchliche Entwicklungen. Bei den 14- bis 49-Jährigen können Joko und Klaas für ProSieben weiterhin beachtliche Marktanteile erreichen. Gleichzeitig werden die absoluten Reichweiten kleiner, einige einst überragende Formate verlieren auch beim Marktanteil und ausgerechnet die neuen Ideen tun sich zunehmend schwer. Die Frage lautet deshalb weniger, ob Joko und Klaas plötzlich niemand mehr sehen möchte. Viel eher geht es darum, ob ProSieben aus zwei außergewöhnlichen Entertainern ein so alltägliches Programmangebot gemacht hat, dass der besondere Reiz langsam verloren geht.
Am deutlichsten lässt sich diese Entwicklung an
«Wer stiehlt mir die Show?» ablesen. Das Format ist nach wie vor die stärkste Marke des gesamten Florida-Kosmos, doch der Weg der vergangenen Jahre ist eindeutig. Im Herbst 2023 kamen die sechs Ausgaben im Durchschnitt noch auf 2,11 Millionen Zuschauer. Beim Gesamtpublikum standen sehr starke 8,38 Prozent Marktanteil auf der Uhr, bei den 14- bis 49-Jährigen waren durchschnittlich 1,51 Millionen Menschen und fantastische 23,95 Prozent dabei. Keine einzige Ausgabe dieser Staffel fiel in der Zielgruppe unter 22 Prozent. Die schwächste Sendung erreichte 22,33 Prozent, die stärkste 25,18 Prozent. Das war echtes Event-Fernsehen: Sonntags lief «Wer stiehlt mir die Show?» nicht einfach erfolgreich, die Sendung dominierte ihre Kernzielgruppe.
Im Frühjahr 2024 war die Welt noch weitgehend in Ordnung. Durchschnittlich 2,02 Millionen Menschen sahen die sechs Folgen, bei den Jüngeren waren es 1,37 Millionen. Die Marktanteile lagen bei 7,84 Prozent insgesamt und 21,62 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Das sind weiterhin Werte, die ProSieben dankbar nimmt. Doch schon im Herbst 2024 erfolgte ein bemerkenswerter Sprung nach unten. Die durchschnittliche Gesamtreichweite sank auf 1,42 Millionen, der Marktanteil auf 6,17 Prozent. In der Zielgruppe blieben im Mittel 1,04 Millionen Menschen und 19,43 Prozent übrig. Die Marke war damit weiterhin stark, hatte innerhalb eines Jahres aber rund 690.000 Zuschauer eingebüßt.

Im Frühjahr 2025 stabilisierte sich «Wer stiehlt mir die Show?» zunächst. Die sechs Ausgaben kamen auf durchschnittlich 1,45 Millionen Zuschauer und 6,31 Prozent insgesamt, bei den 14- bis 49-Jährigen wurden 0,99 Millionen und 19,32 Prozent gemessen. Doch die Herbststaffel 2025 setzte den Abwärtstrend fort: nur noch 1,16 Millionen Zuschauer, 5,25 Prozent beim Gesamtpublikum sowie 0,75 Millionen und 15,99 Prozent bei den Umworbenen. Im Frühjahr 2026 lagen die sechs Ausgaben schließlich bei durchschnittlich 1,13 Millionen Zuschauern, 5,16 Prozent insgesamt sowie 0,75 Millionen und 16,84 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.
Die langfristige Rechnung fällt damit deutlich aus. Zwischen Herbst 2023 und Frühjahr 2026 verlor «Wer stiehlt mir die Show?» bei der Gesamtreichweite rund 47 Prozent seiner Zuschauer. Bei den 14- bis 49-Jährigen halbierte sich die absolute Reichweite sogar nahezu: Aus 1,51 Millionen wurden 0,75 Millionen. Natürlich lässt sich ein Teil davon mit der allgemeinen Entwicklung des linearen Fernsehens erklären. Aber eben nicht alles. Denn gleichzeitig sank der Gesamtmarktanteil von 8,38 auf 5,16 Prozent und der Marktanteil der 14- bis 49-Jährigen von 23,95 auf 16,84 Prozent. Das sind mehr als sieben Prozentpunkte weniger. «Wer stiehlt mir die Show?» ist deshalb keineswegs ein schlechtes Geschäft geworden. 16 oder 17 Prozent bei den Jüngeren sind für ProSieben weiterhin hervorragend. Nur ist aus einem Format, das zeitweise bei einem Viertel des jungen Fernsehpublikums lag, eine sehr erfolgreiche Show geworden. Das klingt ähnlich, ist programmstrategisch aber ein großer Unterschied.
Und gleichzeitig zeigt gerade dieses Format, warum man Joko Winterscheidt noch lange nicht abschreiben sollte. Die Frühjahrssaison 2026 schwankte enorm. Am Ostersonntag, dem 5. April, sahen lediglich 0,77 Millionen Menschen zu, bei den Jüngeren standen 12,19 Prozent zu Buche. Nur eine Woche später schalteten zum Staffelfinale wieder 1,35 Millionen Zuschauer ein, der Zielgruppenmarktanteil sprang auf 20,04 Prozent. Das Publikum ist also durchaus noch mobilisierbar. Es kommt nur nicht mehr automatisch zu jeder Ausgabe. Der einst beinahe garantierte Erfolg ist zu einem Erfolg geworden, der wieder von Termin, Konkurrenz, Gästen und Verlauf der Staffel abhängt.

Ähnlich sieht es bei
«Joko & Klaas gegen ProSieben» aus. Im Herbst 2023 erreichten die fünf Ausgaben durchschnittlich 1,27 Millionen Zuschauer. 5,38 Prozent standen insgesamt und 16,36 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen zu Buche. Im Frühjahr 2024 wurden mit sechs regulären Primetime-Ausgaben im Schnitt 1,21 Millionen Menschen erreicht. Interessanterweise stieg der Zielgruppenmarktanteil sogar auf 18,14 Prozent. Damals zeigte sich bereits das Muster, das Joko und Klaas bis heute schützt: Absolute Reichweiten können fallen, während sie innerhalb des für ProSieben wichtigen jungen Fernsehpublikums noch sehr konkurrenzfähig bleiben.
Danach setzte allerdings auch hier eine schleichende Erosion ein. Die regulären Herbstausgaben 2024 kamen durchschnittlich noch auf 1,03 Millionen Zuschauer und 14,10 Prozent bei den Jüngeren. Im Frühjahr 2025 waren es 1,00 Millionen Zuschauer und 15,69 Prozent. Im Herbst 2025 folgte der nächste deutliche Rückgang auf durchschnittlich 0,74 Millionen Zuschauer und 12,11 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Die sechs Primetime-Folgen im Frühjahr 2026 erholten sich leicht auf 0,76 Millionen Zuschauer und 13,67 Prozent. Am 13. Mai waren noch einmal 0,90 Millionen Menschen sowie 15,14 Prozent der Zielgruppe dabei, am 10. Juni wurden 0,75 Millionen und 14,08 Prozent erreicht.
Auch «Joko & Klaas gegen ProSieben» ist damit weit davon entfernt, für ProSieben unbrauchbar zu sein. Aber verglichen mit Herbst 2023 fehlen der Frühjahrssaison 2026 etwa 40 Prozent der damaligen Gesamtzuschauer. Der Zielgruppenmarktanteil fiel von durchschnittlich 16,36 auf 13,67 Prozent. Das ist weniger dramatisch als der Reichweitenverlust und erneut ein Hinweis auf die generelle Schrumpfung des linearen Fernsehens. Dennoch ist auch hier ein realer Verschleiß erkennbar, denn der Marktanteil bleibt eben nicht stabil.
Besonders aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang die Ausgaben von «Joko & Klaas LIVE». Gerade weil sie nicht nach einem gewöhnlichen, immer gleichen Showablauf funktionieren, behalten sie einen größeren Ereignischarakter. Die fünf in der Tabelle enthaltenen Sendungen zwischen Mai 2024 und Mai 2026 erreichten durchschnittlich rund 1,05 Millionen Zuschauer und 15,70 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Am 15. Mai 2024 waren 1,28 Millionen Menschen und 18,30 Prozent der Jüngeren dabei. Selbst am 7. Mai 2026 erreichte «Joko & Klaas LIVE» noch 1,06 Millionen Zuschauer und 18,23 Prozent. Das ist ein bemerkenswerter Wert in einer Zeit, in der die regulären Florida-Shows längst deutlich kleiner geworden sind. Offensichtlich funktioniert das Versprechen, dass jetzt etwas Besonderes passieren könnte, weiterhin. Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis der gesamten Auswertung: Joko und Klaas haben nicht grundsätzlich ihre Zugkraft verloren. Sie verlieren Zugkraft, sobald ihre Anwesenheit kein Ereignis mehr ist.
Denn parallel dazu hat ProSieben das Angebot massiv ausgeweitet. Allein im vergleichbaren Zeitraum von September bis Dezember verzeichnet die Tabelle 2023 insgesamt 24 einschlägige Ausstrahlungen mit zusammen rund 37 Stunden Programm auf 19 verschiedenen Sendetagen. Im selben Zeitraum 2024 waren es bereits 31 Ausstrahlungen, rund 48 Stunden und 26 Sendetage. Zwischen September und Dezember 2025 finden sich sogar 41 Ausstrahlungen auf 34 Sendetagen und gut 61 Programmstunden. Selbst wenn die ausdrücklich als Wiederholung gekennzeichneten Sendungen herausgerechnet werden, bleiben 2025 noch 38 Ausstrahlungen und fast 59 Stunden übrig. Gegenüber dem Herbst 2023 hat sich das Programmvolumen damit um deutlich mehr als 50 Prozent erhöht. Auf das gesamte Jahr gerechnet stieg die in der Tabelle erfasste Sendezeit von rund 103 Stunden 2024 auf knapp 132 Stunden 2025. Das ist ein Plus von etwa 27 Prozent.
Das beweist nicht, dass die höhere Frequenz die fallenden Quoten verursacht hat. Eine solche Kausalität lässt sich aus Reichweitendaten allein nicht ableiten. Aber die Entwicklung passt auffällig gut zusammen: Während aus Joko, Klaas und Florida Entertainment immer stärker ein beinahe ganzjähriges Programmgerüst für ProSieben wurde, verlor der einzelne Auftritt an Exklusivität. Früher konnte zwischen zwei großen Staffeln eine längere Pause liegen. Inzwischen endet das eine Format, während das nächste bereits angekündigt ist. Das Publikum muss Joko und Klaas nicht vermissen, weil sie kaum Gelegenheit bekommen, tatsächlich zu verschwinden.

Das zeigt sich auch bei
«Ein sehr gutes Quiz (mit hoher Gewinnsumme)». Der Start am 22. März 2025 war mit 1,02 Millionen Zuschauern und 16,27 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen durchaus gelungen. Eine Woche später waren noch 0,85 Millionen und 13,29 Prozent dabei, am 5. April 0,74 Millionen und 11,64 Prozent. Die vier regulären Primetime-Sendungen des ersten Frühjahrsblocks kamen im Durchschnitt auf rund 0,85 Millionen Zuschauer und 13,60 Prozent bei den Jüngeren. Das ist kein sensationeller Wert, aber für ProSieben ein absolut brauchbarer Start.
Im Herbst 2025 lagen vier weitere Primetime-Ausgaben im Durchschnitt bei 0,74 Millionen Zuschauern und 12,41 Prozent in der Zielgruppe. Im Frühjahr 2026 blieb die Reichweite mit ebenfalls rund 0,74 Millionen praktisch identisch, der Zielgruppenmarktanteil sank allerdings auf durchschnittlich 10,84 Prozent. Die Ausgabe vom 20. September 2026 markierte dann einen empfindlichen Tiefpunkt: nur noch 0,46 Millionen Zuschauer, 2,26 Prozent beim Gesamtpublikum sowie 0,25 Millionen 14- bis 49-Jährige und 6,33 Prozent Marktanteil. Von den 16,27 Prozent des Auftakts waren damit nur anderthalb Jahre später weniger als sieben Prozent übrig.
Ist «Ein sehr gutes Quiz» deshalb langweilig? Quoten können Langeweile nicht messen. Sie zeigen nur, ob ein Angebot ausreichend viele Menschen zum Einschalten bewegt. Und da fällt die Antwort inzwischen deutlich nüchterner aus als beim Start. Das Format bewies zunächst, dass sich aus dem Joko-und-Klaas-Kosmos noch eine weitere funktionierende Primetime-Show entwickeln ließ. Die jüngsten Zahlen zeigen aber auch, dass der Name allein keine Erfolgsgarantie mehr darstellt. Aus Neugier wird nicht automatisch Gewohnheit.

Noch schwieriger ist die Lage beim jüngsten Experiment
«Joko & Klaas machen Urlaub». Die erste Ausgabe am 2. September 2026 erreichte 0,54 Millionen Zuschauer. Insgesamt entsprachen diese 2,51 Prozent Marktanteil, bei den 14- bis 49-Jährigen wurden 0,36 Millionen Zuschauer und 9,27 Prozent gemessen. Bereits eine Woche später sank die Primetime-Ausgabe auf 0,37 Millionen Zuschauer, 1,69 Prozent insgesamt sowie nur 0,20 Millionen und 5,22 Prozent bei den Jüngeren. Für ein Primetime-Format mit zwei der prominentesten ProSieben-Gesichter ist das schwach. Vor allem der Rückgang von 0,54 auf 0,37 Millionen innerhalb einer Woche zeigt, dass die Premiere offenbar nicht genügend Zuschauer davon überzeugte, wiederzukommen.

Klaas Heufer-Umlauf erlebt dieses Problem auch solo.
«Experte für alles» startete im April 2025 noch mit 0,87 Millionen Zuschauern und 11,83 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Die nächsten Ausgaben erreichten 0,64 Millionen und 10,55 Prozent sowie 0,72 Millionen und 9,73 Prozent. Schon am 27. Mai waren es aber nur noch 0,43 Millionen Zuschauer und 5,86 Prozent. Die acht Frühjahrsausgaben 2025 erreichten durchschnittlich 0,57 Millionen Zuschauer und 8,94 Prozent bei den Jüngeren. Im Herbst 2025 waren es nur noch 0,44 Millionen und 7,20 Prozent. Das Frühjahr 2026 blieb mit 0,44 Millionen und 7,33 Prozent nahezu auf demselben Niveau. Die Ausgabe vom 22. September 2026 kam auf 0,43 Millionen Zuschauer und 8,08 Prozent. «Experte für alles» stürzt damit inzwischen nicht mehr ab, hat sich allerdings auf einem Niveau eingerichtet, das kaum nach einem großen ProSieben-Ereignis aussieht.

Auch
«Das Duell um die Geld» zeigt, wie begrenzt sich die Florida-Erfolgsgeschichte mittlerweile auf neue Formate übertragen lässt, wobei hier wegen des deutlich späteren Sendeplatzes Vorsicht bei direkten Vergleichen geboten ist. Die sechs Ausgaben im November und Dezember 2024 kamen durchschnittlich auf 0,39 Millionen Zuschauer und 8,22 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Über die 15 Ausstrahlungen des Jahres 2025 sank der Schnitt auf 0,23 Millionen Zuschauer und 6,32 Prozent. Am 7. Juli 2026 standen spätabends gerade einmal 85.000 Zuschauer und 1,90 Prozent bei den Umworbenen zu Buche. Ein massentauglicher Selbstläufer ist auch diese Marke nicht.
Interessant ist rückblickend sogar
«Late Night Berlin». Die Sendung war nie ein großer Reichweitengigant, blieb aber relativ stabil. Die 13 Ausgaben des Jahres 2023 kamen im Schnitt auf 0,32 Millionen Zuschauer und 7,86 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. 2024 waren es über 27 Sendungen hinweg 0,30 Millionen Zuschauer und 7,34 Prozent. Auffällig waren vor allem die enormen Ausschläge je nach Vorprogramm. Am 14. November 2023 erreichte Klaas nach einem starken Vorlauf beispielsweise 0,55 Millionen Zuschauer und 18,15 Prozent bei den Jüngeren, während andere Ausgaben lediglich zwischen drei und fünf Prozent erzielten. Auch hier war also weniger die bloße Anwesenheit von Klaas entscheidend als die Frage, ob rund um die Sendung ein attraktiver Fernsehabend entstand.
Damit lässt sich die Ausgangsfrage nach drei Jahren Zahlen recht klar beantworten, ohne sie mit einem simplen Ja oder Nein abzuwürgen. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf gehen ProSieben nicht die Zuschauer aus. Noch immer können beide bei den 14- bis 49-Jährigen Werte erzielen, von denen andere Formate des Senders nur träumen. «Wer stiehlt mir die Show?» erreichte noch im April 2026 mehr als 20 Prozent, «Joko & Klaas LIVE» kam im Mai auf 18,23 Prozent und «Joko & Klaas gegen ProSieben» bewegte sich im Frühjahr mehrfach zwischen 13 und 15 Prozent. Diese Zahlen sprechen deutlich gegen die These, das Publikum habe genug von den beiden Personen.
Was aber sichtbar verloren geht, ist die Selbstverständlichkeit des Erfolgs. «Wer stiehlt mir die Show?» hat innerhalb von zweieinhalb Jahren fast die Hälfte seiner absoluten Zuschauer verloren. «Joko & Klaas gegen ProSieben» erreicht statt rund 1,2 bis 1,3 Millionen häufig nur noch 0,7 bis 0,9 Millionen. «Ein sehr gutes Quiz» startete mit mehr als 16 Prozent bei den Jüngeren und landete zuletzt bei 6,33 Prozent. «Joko & Klaas machen Urlaub» fiel innerhalb einer Woche von 9,27 auf 5,22 Prozent. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Florida-Stunden im ProSieben-Programm erheblich.
Vielleicht ist deshalb nicht Joko und Klaas das Publikum ausgegangen, sondern ProSieben ein Stück weit die Knappheit. Die erfolgreichste Währung dieses Duos war stets das Gefühl, dass alles passieren kann: Sie gewinnen 15 Minuten, übernehmen den Sender, lassen eine völlig andere Sendung entstehen oder stellen eine bekannte Spielshow auf den Kopf. Je öfter daraus ein reguläres Programmschema wird, desto schwerer lässt sich dieses Versprechen einlösen. «Wer stiehlt mir die Show?» und «Joko & Klaas gegen ProSieben» sind noch nicht auserzählt. Aber sie sind auch keine automatischen Straßenfeger mehr. Und die jüngsten Neustarts zeigen, dass sich die Namen Joko und Klaas nicht beliebig oft auf neue Verpackungen drucken lassen.
Die Zahlen sprechen deshalb weniger für ein Ende als für eine Dosierungsfrage. Ausgerechnet «Joko & Klaas LIVE» demonstriert, dass der alte Mechanismus noch funktioniert: Wenn ein Auftritt selten, unberechenbar und wirklich besonders erscheint, schalten die Zuschauer weiterhin ein. Vielleicht besteht die größte Gefahr für Joko und Klaas deshalb nicht darin, dass ProSieben irgendwann zu wenig mit ihnen macht. Sondern darin, dass der Sender so viel mit ihnen macht, bis sich selbst das Außergewöhnliche gewöhnlich anfühlt.