Mit seinem Remake von «Ein Mann sieht rot» kämpfen sich Regisseur Eli Roth und Schauspieler Bruce Willis zurück auf die Leinwand. Weshalb das ausgerechnet bei «Death Wish» der Fall ist, ist unverständlich.
«Death Wish» beginnt mit etwas, das wie eine Verfolgungsjagd aussieht und den Zuschauer im Glauben lässt, hier direkt ins Geschehen geworfen zu werden. Doch in Wirklichkeit steckt dahinter der verzweifelte Versuch eines Polizisten, seinen angeschossenen Kollegen rechtzeitig in eine Klinik zu fahren, um ihn hier von niemand Geringerem als Bruce Willis («Stirb langsam») behandeln zu lassen. Eli Roth («Green Inferno») weiß genau, wie absurd es mittlerweile anmuten muss, den zuletzt vorwiegend in B- und C-Ware zu sehenden Haudegen in einer solchen Rolle zu sehen; entsprechend inszeniert der Regisseur den Moment, in dem das Publikum Willis hinter seiner Atemmaske erkennt, als Pointe. Auch wenn der Hauptdarsteller später reichlich unglaubwürdig mit einer Waffe hantiert, als hätte er eine solche vorher noch nie in den Händen gehabt, kann man sich das Lachen als Zuschauer nur schwer verkneifen, wenn man bedenkt, in wie vielen Actionfilmen der mittlerweile 62-Jährige schon gekonnt um sich geballert hat.
Bis es zu all dem kommt, wofür vermutlich auch ein Großteil der interessierten Kinozuschauer ein Kinoticket lösen dürfte, ist in «Death Wish» allerdings erst einmal Warten angesagt. Und das über einen so langen, knapp einstündigen Zeitraum, dass dem Zuschauer die Lust an der Eskalation bis dahin durchaus schon vergangen sein könnte. Die harmonische Familiensituation ließe sich auch binnen fünf Minuten etablieren. Genauso wie Bruce Willis die Verzweiflung seiner Figur ob des Verlusts der geliebten Ehefrau ohnehin nur andeutet und den Schmerz dahinter kaum spürbar macht. Lediglich vereinzelte, ironische Einschübe – etwa ein arg satirisch aufgezogener Ausflug in ein Waffengeschäft – machen in den ersten sechzig Minuten ein wenig Tempo. Alles andere ist in die Länge gezogener, Alibi-Drama-Genrestandard, wodurch Eli Roth erst recht den Eindruck erweckt, hinter seinem Film stecke noch so etwas wie eine ernst zu nehmende Ebene. Ein Glück, dass der exzentrische Regisseur diesen Gedanken später selbst ad absurdum führt; sonst ließe sich «Death Wish» – auch aufgrund des Konsequenzen vermeidenden Endes – womöglich tatsächlich noch so lesen, als würden die Macher Selbstjustiz befürworten.
Auch wenn sich die Freude an Eli Roths exzessiven Spielereien erst spät einstellt, macht es Spaß, Bruce Willis wieder einmal auf der großen Leinwand erleben zu dürfen. Wenngleich darstellerisch nicht groß gefordert, nimmt man ihm die diebische Freude am Spiel des von den Medien „Grim Reaper“ getauften Kapuzenmannes, der mordend durch die finstersten Straßen Chicagos zieht, jederzeit ab und meint sogar, in seiner alles andere als starren Mimik zu erkennen, dass Bruce Willis selbst nur am besten weiß, wie wenig Ernsthaftigkeit hinter dem Projekt steckt. Schade ist nur, dass Drehbuchautor Joe Carnahan («The Grey») die medienentlarvenden Möglichkeiten seiner Geschichte nicht ausreizt. Stattdessen bleibt es bei kurzen Erwähnungen in Radiosendungen, oder der Veranschaulichung, was sich mit den Bildern der Grim-Reaper-Morde für lustige Memes erstellen lassen. 

• Battle of the Sexes • Bukowski • Death Wish • Ein Mann sieht rot • Green Inferno • Hacksaw Ridge • Stirb langsam • The Book of Henry • The Grey
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08.03.2018 16:04 Uhr 1
07.04.2019 12:30 Uhr 2