In den USA kam «Why Him?» kurz vor Weihnachten in die Kinos und war dort im Anbetracht seines Weihnachts-Subplots auch gut aufgehoben. In Deutschland kommen wir jetzt erst in den qualitativ gespaltenen Genuss dieser Rüpelcomedy, die das Herz dennoch am rechten Fleck hat.
Die Kunst, eine schlüpfrige Komödie so zu inszenieren, dass man sich von den Fäkalhumor-Einlagen nicht genervt oder gar angeekelt fühlt, besteht immer darin, die Gags wohldosiert zu positionieren und ihr Auftauchen inhaltlich halbwegs relevant zu gestalten. Insofern mag ein in dem riesigen Anwesen des exzentrischen Laird stehender, ausgestopfter und in Urin konservierter Elch zwar auf den ersten Blick einfach nur widerlich erscheinen, gleichzeitig betont er aber auch den vollkommen abgehobenen Lebensstil der neureichen Silicon-Valley-Hipster. Vieles in «Why Him?» lässt sich unterschwellig als Kommentar auf das dort vorherrschende, durchaus verschobene Weltbild deuten und wenn Stephanies Familie Lairds Anwesen bei der Ankunft als „Apple-Store“ bezeichnet, dann hat es schon seinen Grund, weshalb ausgerechnet der jüngste Spross der Familie genau diese Aussage so cool findet.
Wie bei so vielen Geschichten, in denen ein angespanntes Verhältnis zwischen Schwiegersohn/Schwiegertochter und Schwiegermutter/Schwiegervater im Mittelpunkt steht, ist auch die Glaubwürdigkeit von «Why Him?» stark davon abhängig, wie die einzelnen Figuren untereinander funktionieren. So ist es ausgerechnet der hier absolut hemmungslos aufspielende James Franco («Every Thing Will Be Fine»), der dafür sorgt, dass der Film auch auf emotionaler Ebene gut funktioniert. Seines exzentrischen Auftritts zum Trotz und abgesehen von seiner vollkommen naiven Lebensweise glaubt man seiner Figur Ned eine Sache zu jeder Sekunde: dass er seine Freundin Stephanie von ganzem Herzen liebt. Dass es allerdings auch gerade diese mehr als verrückte Attitüde ist (zum Schutz vor Kidnappern lässt sich Ned etwa einmal am Tag aus dem Nichts von seinem Assistenten Gustav „probe-entführen“ – ein irre witziger Running Gag!), von der sich der konventionell denkende Ned abschrecken lässt, macht wiederum seine Position glaubwürdig. Würde man die allzu absurden Gag-Spitzen aus «Why Him?» herausstreichen, hätte man entsprechend einen reichlich bodenständigen Familienkonfliktplot der Marke «Meine Braut, ihr Vater und ich». Und betrachtet man das leider arg überzuckerte Finale, dann ist man mit diesem Vergleich auch gar nicht mehr so weit von der Realität entfernt.
Das zuvor immer nur nebensächlich angerissene Weihnachts-Flair drängt sich in den letzten zehn Minuten dann doch arg in den Mittelpunkt und macht «Why Him?» in letzter Instanz weitaus rührseliger, als es Trailer und Inhalt vermuten lassen. Einerseits lässt das den Film an Spritzigkeit einbüßen. Andererseits dürfte der Ausgang des Films all jene Zuschauer versöhnlich stimmen, denen es vorab ein wenig zu abgedreht zuging. Dank der durchgehend ordentlich aufgelegten Darsteller ist dieser tonale Wandel zudem immer noch glaubwürdig. Bryan Cranston («Trumbo») gefällt als stets um seine Tochter besorgter Vater, der sich in wichtigen Momenten von der Lebensfreude seines Schwiegersohns in spe anstecken lässt. Zoey Deutch («Everybody Wants Some!!») spielt so zuckersüß auf, dass man nicht nur weiß, weshalb ihr Vater sie vor einem Draufgänger wie Laird beschützen will, sondern auch, weshalb dieser so hart um sie kämpft. Als echter Szenendieb erweist sich indes Keegan-Michael Key («Keanu»), der in der deutschen Fassung von Rick Kavanian synchronisiert wird. Seine Performance als überambitionierter, stets um das Wohl seines Bosses bedachter Butler und Assistent ist in ihrer überdrehten Art absolut hinreißend – in der Originalfassung ist außerdem sein permanenter Wechsel diverser Akzente ein weiterer von mehreren feinen Running-Gags.

• Bad Neighbors 2 • Der Spion und sein Bruder • Dirty Grandpa • Every Thing Will Be Fine • Everybody Wants Some!! • Keanu • Meine Braut ihr Vater und ich • Sausage Party • Trumbo • Why Him? • … und dann kam Polly
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel