Holy Shit! Die neue AMC-Serie «Preacher» lässt in bester Seth-Rogen-Manier Köpfe rollen und Priester explodieren. Darauf ein Hallelujah!
Vom Duo Goldberg-Rogen ist man zwar immer eine gewisse Derbheit gewohnt, doch besonders blutig ging es bei den Verantwortlichen von «Das ist das Ende», «Bad Neighbors 1 und 2», «Die highligen drei Könige» und «The Interview» noch nie zu. Was die beiden trotzdem zur idealen Besetzung des Produzentenpostens bei «Preacher» macht, ist der unbedingte Wille zum Exzess, die fehlende Scheu, moralische Grenzen zu überschreiten und – natürlich – auch ihr von tiefschwarz bis kindisch-albern reichender Sinn für Humor. Insofern fällt einem auf den ersten Blick auch Niemand so wirklich ein, von dem man sich vorstellen könnte, dass er sich direkt in der Pilotepisode eines neuen TV-Formats trauen würde, Hollywoodstar Tom Cruise in die Luft zu sprengen. Doch spätestens, wenn die Eilmeldung zu ebenjenem Super-GAU über die Fernsehbildschirme in «Preacher» flimmert, ist klar: Hier wird es ohne Rücksicht auf Verluste ordentlich zur Sache gehen. Da explodieren Köpfe, ein alter Mann schneidet sich für seine senile Mutter das Herz heraus, um es ihr – buchstäblich – „zu öffnen“ und ein Blutsauger verspeist vor laufender Kamera eine (natürlich noch lebende) Kuh.
«Preacher» und «Breaking Bad» ähneln sich allerdings nicht nur in ihrem Verständnis für Galgenhumor. Auch bei der Zeichnung der Hauptfigur sind Parallelen erkennbar. Wie schon der krebskranke Drogenkoch Walter White ist auch Jesse Custer eine vom Schicksal gebeutelte Person, dessen Handeln von Anfang an sowohl kritisch, als auch bewundernd verfolgt werden kann. Wenn Jesse in seinen Predigten mit sichtbar fehlendem Enthusiasmus zu Werke tritt und er die wenigen verbliebenen Gläubigen ein weiteres Mal herb enttäuscht, ergänzt sich diese Attitüde mit dem generellen Desinteresse, das er seinem Umfeld entgegen bringt. Nein, Jesse ist kein Typ, den man gern um sich hat; als Gläubiger erst recht nicht. Doch mit der Zeit offenbaren sich nicht bloß Teile seiner Vergangenheit, die ihn hier und da in einem äußerst tragischen Licht erscheinen lassen. Insbesondere wenn durchscheint, dass Jesse doch im Kern einer von den Guten ist, moralisch vertretbare Ansichten hat und im Glauben so etwas wie Erlösung findet, erschließt sich dem Zuschauer auch rasch die Faszination für die Figur. Dominic Cooper («Abraham Lincoln: Vampirjäger») meistert diesen Spagat hervorragend, hat stets einen coolen Spruch auf den Lippen und vereint die unnahbare, bisweilen schwer zu durchschauende Seite seines Charakters mühelos mit dem charmant-süffisanten Gegenpart.
Schon in den von uns bislang gesichteten zwei Auftaktfolgen schlägt «Preacher» nicht nur ein hohes Tempo an. Auch der Gewalt- und Goregehalt pendelt sich recht schnell auf einem beachtlichen Level ein. Anders als etwa die Serienvariante von «From Dusk Till Dawn» wird das jedoch nicht sogleich zum Selbstläufer; wann immer in «Preacher» Blut spritzt, wird dieser Umstand regelrecht zelebriert. Mit Voyeurismus hat das nichts zu tun, wohl aber mit Kreativität. Seth Rogen und Evan Goldberg machen keine Gefangenen, wenn es darum geht, dem Publikum ein möglichst vielfältiges Maß an Verletzungen, Todesarten et cetera darzubieten. Vielmehr gehen die beiden mit einer fast schon kindischen Naivität ans Werk, wenn es darum geht, Charakter um Charakter nieder zu meucheln. Hartgesottene werden damit sicherlich keinerlei Probleme haben, im Gegenteil. Durch die handgemachten Effekte behält «Preacher» durchgehend einen herrlich altmodischen Retro-Charme bei. Wer hingegen zarter besaitet ist, könnte sich an den hier und da empor steigenden Blutfontänen stören. Vor allem deshalb, weil diese zumeist unvorbereitet eintreten und es nahezu unmöglich ist, vorherzusehen, wann es zur nächsten kommen wird. 

• Abraham Lincoln • Abraham Lincoln: Vampirjäger • Arrow • Bad Neighbors 1 und 2 • Breaking Bad • Das ist das Ende • Die highligen drei Könige • From Dusk Till Dawn • Gotham • Man of Steel • Preacher • See • The Dark Knight • The Interview • Vampirjäger
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel