Welche Radio-Sender auf ‚Du‘ und welche auf ‚Sie’ setzen und wie so eine Entscheidung zustande kommt, besprach Quotenmeter mit dem Head of On-Air-Promotion von Radio Hamburg.
Auch Bayern 3-Programmchef Walter Schmich machte diese Erfahrung. Gegenüber dem „Merkur“ erklärte er jüngst, die meisten Bayern 3-Hörer fühlten sich zu jung für ein ‚Sie‘. Nicht abwegig, schließlich spricht Bayern 3 als Hot-AC-Programm vor allem 14- bis 49-Jährige an. Alles andere als die Du-Form baue Schmichs Meinung nach eine unnötige Distanz auf. Ähnlich sieht dies auch Thomas Gleixner (Foto), Head of On-Air-Promotion bei Radio Hamburg, der maßgeblich daran beteiligt war, dass die aktuell etwa 188.000 Hörer pro Stunde bei Hamburgs beliebtestem Privat-Radiosender geduzt werden. „Der Hauptunterschied ist die emotionale Distanz zum Hörer, die durch das Siezen oder Duzen geschaffen wird“, zeigt sich Gleixner im Interview mit Quotenmeter.de überzeugt.
Nach Ansicht Gleixners trage der Wechsel vom Sie zum Du auch den Veränderungen im sozialen Umgang Rechnung. Früher galt laut Gleixner: „Duzen ist gleich jung. Das hat sich insofern geändert, dass sich heute auch viele ältere Menschen untereinander duzen.“ Weiter führt Gleixner die Maxime an: „Je jünger der Sender, desto selbstverständlicher ist das ‚Du‘. Sender, bei denen Seriösität der wichtigste Parameter ist, sollten beim ‚Sie‘ bleiben.“ Sowohl das Alter der Hörer als auch das Selbstverständnis des Senders spielen also eine Rolle bei der Anrede.
Auch Bayern 3-Moderator Thommi Stottrop nahm im „Merkur“ Stellung zur veränderten Anrede. Wie Thomas Gleixner ist er der Meinung, dass die Veränderungen auch mit einer schleichenden Entwicklung innerhalb der Bevölkerung zu tun haben. Die Bindung des Hörers zu Radio-Station wird ebenfalls thematisiert, da das ‚Du‘ dem Dialog zwischen Hörer und Moderator eine persönlichere Note verleihe. „Wir bei Radio Hamburg sind der Meinung, dass es üblich ist, sich unter Freunden zu duzen. Und wir geben uns Mühe, als Freund des Hörers wahrgenommen zu werden. Deshalb duzen auch wir.“ So entsteht die Entscheidung für das ‚Du‘ auch durch die Strategie eines Senders, damit unbewusst das Commitment, also das Verbundenheitsgefühl und die Identifikation des Hörers mit dem Sender, zu steigern.

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