Neben Guy Ritchies kongenialer Verschmelzung aus Sixties-Charme und aktuellem Blockbuster-Flair sieht selbst der aktuell über alles erhaben scheinende «Mission: Impossible - Rogue Nation» verdammt alt aus. «Codename U.N.C.L.E.» ist ein verflucht kreatives Filmvergnügen.
Die Zutaten von «Codename U.N.C.L.E.» erweisen sich auf den ersten Blick gar nicht als so viel anders denn in herkömmlichen Spy-Thrillern. Mehr noch: Mit seiner standardisierten Ausstattung in Bezug auf die Figuren möchte man mutmaßen, dass sich selbige Beliebigkeit auch auf die Geschichte ausweitet, doch mit seiner Konzentration auf zwei vollkommen unterschiedliche Agenten, die als Partner wider Willen zusammenarbeiten müssen, und einer schönen Fremden, die die Hormone der beiden ordentlich in Wallung bringt, ist ein Großteil an Konvention bereits erschöpft. Das Autoren-Duo aus Guy Ritchie und Lionel Wigram («Sherlock Holmes: Spiel im Schatten») hält sich nicht lange an einer ausführlichen Exposition auf. Noch bevor das Publikum überhaupt die Möglichkeit bekommt, sich langsam an die ebenso facettenreichen wie interessanten und nie ganz klar ausbalancierten Figuren heranzutasten, setzt «Codename U.N.C.L.E.» ein Statement: Jenes lautet „Alles ist möglich!“ und eh es sich der Zuschauer versieht, nimmt er an der Seite von Henry «Man of Steel» Cavill Platz, der sich mit Armie Hammer («Lone Ranger») eine spektakuläre Verfolgungsjagd in einem Trabbi (!) liefert. Mit ihrem nostalgischen Charme triefen insbesondere die Anfangs-Szenen in der DDR nur so vor Flair und sind in ihrer dynamischen Inszenierung so treibend, dass der Puls des Zuschauers ohne das bemühte Schielen auf Adrenalinjunkie-Eskapaden konstant auf Trab gehalten wird. Kameramann John Mathieson («X-Men: Erste Entscheidung») und Komponist Daniel Pemberton («The Counselor») gehen eine hervorragende Kooperation ein, die vom ekstatischen Schnitt eines James Herbert («Edge of Tomorrow») noch unterstrichen wird. Die technische Ausstattung findet eine hervorragende Balance zwischen den eher temporeichen Blockbustern der aktuellen Dekade und dem zurückhaltenden Auftreten jener Serien und Filme der Sechziger, sodass «Codename U.N.C.L.E.» das große Kunststück gelingt, zeitlos zu sein. Hinzu kommt eine beeindruckende Kulissenwahl, die sich von den finstersten Ecken der DDR über elegante Szenerien eines Autorennens bis hin zu regendurchfluteten Waldgebieten und respekteinflößenden Nobelanwesen erstrecken.
Durch den weitgehenden Verzicht auf allzu bekannte Gesichter der Hollywood’schen Traumfabrik erarbeitet sich «Codename U.N.C.L.E.» obendrein viel schneller den Status als potenzielles Neu-Franchise, als es das bewusste Schielen auf ein inhaltlich bedingtes Sequel vermag. Zwar ist Henry Cavill aufgrund seiner momentan innehabenden Rolle des DC-Superhelden Superman bereits in eine moderne Filmreihe involviert, doch noch geht ihm der Status als Superstar der A-Liga ab. Selbiges gilt für Armie Hammer, dem trotz seiner glanzvollen Leistung in «Lone Ranger» ebenfalls der ultimative Durchbruch verwehrt blieb. Als sich nicht ausstehendes Duo, das von einer umwerfenden Alicia Vikander («Ex_Machina») um eine weibliche Figur ergänzt wird, funktionieren beide hingegen so hervorragend, dass sich der Begriff „Kult“ nicht aufdrängt und dennoch über allem steht. Man möchte diese untypische Dreierkonstellation unbedingt wiedersehen. Selbiges gilt auch für Hugh Grant («Wie schreibt man Liebe?»), der als Kopf der Spionageeinheit durchaus eines Cameos beraubt wurde; obwohl man mit Hollywoods liebstem Romantiker sowohl auf Plakatkampagnen als auch in Trailern wirbt, entspricht die Screentime und die Inszenierung seines Auftritts lediglich dem eines Gaststelldicheins.
Damit berauben Guy Ritchie respektive das vermarktende Studio Warner Bros. ihrem Film einen weiteren Überraschungseffekt, der bei einer solch freiheitsliebenden Inszenierung wie in «Codename U.N.C.L.E.» doch durchaus drinnen gewesen wäre. Ein weiterer Wermutstropfen ist darüber hinaus die sprachliche Authentizität. In der Originalfassung wird in «Codename U.N.C.L.E.» zwar zu einem Großteil Englisch gesprochen, allerdings finden viele Dialoge sowohl auf Deutsch, als auch auf Russisch statt. Während die russische Sprachqualität absolut solide ist, sind die von englischen Schauspielern vorgetragenen, deutschen Dialoge schlicht kaum zu verstehen. Während das im Falle des im Film aus den USA stammenden Agenten Solo noch Sinn ergibt, lässt sich bei Vikander leider kein Auge zudrücken; immerhin stammt ihre Figur im Film aus Deutschland, was einen nahezu unverständlichen Akzent nicht rechtfertigt. Immerhin: Ritchie besetzte einige der Figuren tatsächlich mit deutschen Schauspielern. Die bestechend attraktive Elizabeth Debicki («Der große Gatsby») vermag diesen Schwerpunkt mit ihrer gnadenlosen Femme-Fatale-Performance allerdings fast schon im Alleingang wieder auszugleichen.

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