Aufgrund seiner undifferenzierten Erzählweise erwies sich «Magic Mike» vor drei Jahren als qualitativer Totalausfall. Nun kommt mit «Magic Mike XXL» eine Fortsetzung, die uns zeigt, wie der erste Teil hätte sein können, wenn man die Passion des Sequels schon damals an den Tag gelegt hätte.
Es lässt sich nicht leugnen, dass «Magic Mike XXL» eine übersichtlichere Handlung vorzuweisen hat, als es noch der überraschend rentable, erste Teil zu tun vermochte. Doch die Kunst besteht schließlich darin, aus den gegebenen Zutaten ein einheitliches Ganzes zu bilden. Während genau das in «Magic Mike» das Problem war und hier schlussendlich allenfalls Einzelszenen für sich zu überzeugen wussten, im Großen und Ganzen aber eine durch zig Sepiafilter gejagte Möchtegernatmosphäre die anstrengende Pseudophilosophie übertünchte, lässt Jacobs die Titelergänzung „XXL“ Wirklichkeit werden. Dabei kommt man um eine Erkenntnis nicht herum: Nach einem starken Auftakt, in dem ein selbstironischer Channing Tatum den augenzwinkernden Tonfall vorgibt, indem er durch den 90s-Stripperklassiker „Pony“ fast schon dazu genötigt wird, die Hüften zu schwingen, folgt eine gute halbe Stunde, in der sich mal mehr, mal weniger gelungene Momente wie Stückwert aneinander reihen. Da wird ein zwanzigminütiger und obendrein sehr anstrengend gefilmter Strandaufenthalt schon mal zur waschechten Geduldsprobe; dass jene Szenen immer noch echtes Feeling ausstrahlen (und nicht wie in «Magic Mike» nur vorgeben, so etwas wie Authentizität zu besitzen), gehört zwar zu den entscheidenden Vorzügen von «Magic Mike XXL», doch schlussendlich dauert es doch ein wenig zu lange, eh die Handlung in Schwung und zwangsläufig die Hormone in Wallung geraten.
Noch ein letzter Auftritt - dann soll für immer Schluss sein!
Trotz eines anderen Umgangs mit dem Berufsbild des Strippers widersprechen sich beide Filmteile nicht. Die Figuren in «Magic Mike XXL» haben auf eine ebenso unterschiedliche Weise mit ihrem Dasein als Frauenbespaßer abgeschlossen, wie es Mike Lane noch im ersten Teil tat. Dass es sich eine lange Zeit als feste Einheit auftretende Männercombo jedoch nicht nehmen lässt, für den finalen Showdown noch einmal die buchstäbliche Sau rauszulassen, ist die treibende Kraft hinter der «Magic Mike XXL»-Story, die sich als eine Mischung aus Komödie und nachdenklichem Roadmovie verkauft. Nach den eingangs erwähnten Startschwierigkeiten erlebt das Publikum die Planungen für jene Finalshow hautnah mit. Die Dynamik innerhalb des Stammcasts ist dabei ebenso mitreißend wie die Einführung neuer Charaktere. «Community»-Star Donald Glover ist neben Jada Pinkett Smith das wohl wertvollste, neue Ensemblemitglied, denn sowohl Elizabeth Banks («Pitch Perfect») als auch Johnny-Depp-Gattin Amber Heard («3 Days to Kill») agieren zwar solide, bleiben aber – auch figurenbedingt – hinter ihren Möglichkeiten zurück. In einer kleinen Nebenrolle ist darüber hinaus die scheinbar nie alternde Andie McDowell («Cedar Cove») zu sehen.
Nachdem das Publikum die fast schon kapitelartig vorgetragenen Etappen des Roadtrips bestaunen konnte, mündet «Magic Mike XXL» in ein fast halbstündiges Bombastfinale. Mit dem Wissen um die Absurdität, die die Choreographen mit geerdetem Realismus verbinden, zeigen nicht nur die Hauptdarsteller ein letztes Mal, weshalb sie für diese Rollen gecastet wurden. Auch für die Filmreihe selbst ist die im Rahmen einer Stripper Convention stattfindende Fleischbeschau so etwas wie eine Offenbarung. Es ging in «Magic Mike» letztlich nie darum, den Beruf des Strippers in Gänze zu verteufeln. Stattdessen versuchte man, aufzuzeigen, dass jede belächelte Passion von zwei Seiten betrachtet werden muss. «Magic Mike XXL» hat zwar auf den ersten Blick die simplere Geschichte, setzt sich im Detail aber viel genauer mit den Charakteren und deren Beweggründen auseinander, wer wie und warum über das Stripperdasein denkt. So und nicht anders hat es eine Branche verdient, in der es sicher viele Menschen gibt, die an ihrer Berufsentscheidung zugrunde gehen, gleichzeitig aber auch Leute zuhause sind, die sich am Ende des Tages nichts Besseres vorstellen können, als fürs nackt Tanzen Geld zu bekommen.

• 3 Days to Kill • About Last Night • Cedar Cove • Cedar Cowe • Community • Foxcatcher • Gotham • Magic Mike • Magic Mike XXL • Pitch Perfect • True Blood
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)