Die Kritiker

Inspiriert von «Breaking Bad»

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Die Kritiker Das ZDF bietet mit «Die Wallensteins» ein junges, weibliches Ermittlerteam am Samstagabend auf. Trotz starker Darsteller-Leistungen ist der erste Fall eine (wenn auch mutige) Mogelpackung.

Cast & Crew

  • Darsteller: Anja Kling («Hannah Mangold & Lucy Palm») als Bärbel Wallenstein, Lisa Tomaschewsky («Frühlingsgeflüster») als Kim, Tobias Oertel («IK 1») als Fabian Wiedlitz, Benjamin Sadler als Rolf Koch, Sarah Horvath als Stefanie Koch, Inka Friedrich als Loni Günther, Andreas Schmidt als Carsten Günther, Esther Esche als Laura Koch.
  • Buch: Christoph Silber, Thorsten Wettcke
  • Regie:Carlo Rola
  • Kamera: Nicolay Gutscher
  • Szenenbild: Marcus A. Berndt
  • Schnitt: Friederike von Normann
  • Musik: Oliver Biehler
  • Produzenten: Prof. Regina Ziegler, Prof. Wolfgang Hantke
  • Producerin: Ilka Förster
  • Produktionsfirma: Ziegler Film
Wenn das mal keine mutige Prämisse ist: Da schickt das ZDF am Samstagabend künftig die erst 45 Jahre alte Anja Kling gemeinsam mit der für Senderverhältnisse bombastisch jungen Lisa Tomaschewski (27) als Ermittler ins Krimi-Rennen. Heißt: Im Schnitt sind die beiden 36 Jahre alt – und in der Serie wohl noch jünger. Denn: Kling spielt als Bärbel Wallenstein die Mutter, Tomaschewski Tochter Kim. Beide ermitteln gemeinsam und sind derzeit im deutschen Fernsehen in der Tat das einzige Ermittlerinnen-Paar. Unterstützt werden die beiden von Tobias Oertel, der sich wie Tomaschewski wohl durch starke Auftritte in «SOKO Leipzig» für die Rolle des Spurensichereres Fabian Wiedlitz empfahl.

Zurück aber zur Familie Wallenstein, in der die Autoren Christoph Silber und Thorsten Wettcke das Maximum an Konfliktpotential ausprobieren. Mutter und Tochter sind nämlich überhaupt nicht gut aufeinander zu sprechen. Genauer gesagt haben sie eine ganze Zeit lang nicht miteinander kommuniziert, bis die Tochter plötzlich in die Dresdner Dienststelle versetzt wird, in der ihre Mum tätig ist. Durch die Grundidee sei eine „völlig neue Möglichkeit entstanden, die Spannung der Kriminalgeschichte mit der Gespanntheit einer Mutter-Tochter-Geschichte zu verbinden“, erläutert Produzentin Regina Ziegler ihre Sicht der Dinge. Und da gibt es wirklich einige ganz nette Szenen zu beobachten, etwa dann, wenn der Mutter erklärt werden muss, dass die Tochter eigentlich nicht mehr auf Fleisch steht.

Beide Figuren sind mit reichlich Kanten ausgestattet – die gehen über das schwierige Verhältnis zueinander hinaus. Mutter Bärbel hatte innerhalb ihres Kommissariats wohl schon einige Liebeleien – und geht zur Zeit bei Fabian Wiedlitz ein und aus. Das in dieser Klarheit anzureißen, ist für den stets familien-affinen ZDF-Samstagskrimi sicherlich außergewöhnlich. Wie vielleicht schon an der Erklärung des Grundkonzepts erkennbar ist, gerät nur eins im Piloten mit dem Titel „Dresdner Dämonen“ ein Stück zu kurz. Der eigentliche Fall, bei dem ein Meth-Junkie durch eine Explosion in seiner Dresdner Wohnung stirbt, wird schlichtweg von den privaten Komplikationen der Wallensteins überlagert.

Die erste halbe Stunde verwenden die Macher größtenteils dafür, um den beiden Ermittlerinnen reichlich Raum zu geben – und auch später durchzieht die schwierige Beziehung der beiden die eigentlich nicht uninteressante Ermittlungsarbeit. Es geht um Meth, es geht um die Plattenbauten in Dresden, es geht auch um ein junges Mädchen, die stark von Sarah Horváth gespielte Stephanie, die irgendwie in den Drogenstrudel hineingeraten ist und zu Beginn der Folge mit schwersten Verbrennungen im Dresdner Hospital liegt. Die Puzzleteile müssen erst zusammen gesetzt werden; und das gelingt zunächst sehr gut. Irgendwann verliert sich der Fall aber in einer Art Ost-«Breaking Bad» (nur zwei Klassen tiefer) und verheimlicht das durch mehrere Anspielungen auf die erfolgreiche US-Serie nicht einmal. Das Gezeigte ist in diesem und einigen anderen Fällen schlicht eine Spur too much, zu unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen. Das Ende der Geschichte wirkt ebenfalls recht konstruiert – und hat dann nicht einmal den ganz großen Knall zu bieten.

Zudem ereilt die Pilotfolge der neuen Reihe bitterer Weise das Schicksal, wegen der Meth-Thematik automatisch für einen Vergleich mit dem „Meth“-«Tatort» aus Kiel verglichen zu werden. Anders als bei Axel Milbergs Klaus Borowski will sich das Zweite aber überhaupt nicht an einer Milieustudie versuchen, sondern spannend, emotional und auch humorvoll erzählen – und nebenbei noch etwas darauf hinweisen, dass Sachsen ganz besonders von der schlimmen Droge überschwemmt wird. Ob nach der Ausstrahlung eine wirkliche Diskussion über das wirkliche Problem in Dresden entsteht, bleibt fraglich. Denn: Auch wenn das ZDF vor der Ausstrahlung ausdrücklich darauf hinwies, mit den «Wallensteins» erstmals ein Ermittler-Team in Ostdeutschland zu zeigen, so spielt das in den eigentlichen 90 Minuten kaum eine Rolle. Kurzum: Bärbel und Lisa könnten theoretisch auch in West-Berlin, Köln, Düsseldorf oder Stuttgart auf Verbrecherjagd gehen.

Was bleibt, ist unter dem Strich also die großartige Figurenkonstellation zwischen Mutter und Tochter. Die bietet sicherlich Raum für tolle Geschichten, die aber eben noch in Einklang mit dem gebracht werden müssen, was letztlich einen Krimi ausmacht. Ein wirklich packender Fall, fesselnd und rasant erzählt. So aber ist «Die Wallensteins» mehr Familien-Drama als Verbrecherjagd. Und kann qualitativ nach Folge 1 weder mit der wahrlich großartigen «Helen Dorn», dem verrückten «München Mord», noch der starken Lisa Wagner in «Kommissarin Heller» und wohl auch nicht mit «Friesland» mithalten. Die Nummer 5 an neuen Samstagskrimis bleibt somit erst einmal auf Position 5. Es würde aber nicht verwunden, wenn sich das mit Episode zwei ändert.

Das ZDF zeigt den Auftakt von «Die Wallensteins» am Samstag, 18. April um 20.15 Uhr.

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