Das erste eigene Scripted-Format des US-Kabelsenders entwickelte sich für den kleinen Sender anfangs zu einem vollen Erfolg. Später avancierte «Salem» jedoch zur Gefahr.
Dass die Show nach der Anfangsneugier dieses Niveau halten kann, hatte wohl niemand erwartet. Dennoch entschieden sich auch am 27. April noch 0,77 Millionen Zuschauer für die Geschichten um die Hexen – ein Wert, der noch immer weit über der WGN America-Norm lag. Dennoch bedeutete dies, dass das Format seine Zuschauerzahl bereits in Woche zwei halbierte. Vor allem die starken Ausstrahlungen bei HBO sowie «Law & Order: SVU» beim USA Network machten der ersten Drama-Serie von WGN America einen Strich durch die Rechnung. Ein kleinerer Schock folgte für den Kabelsender in der Folgewoche: Nur noch 0,44 Millionen Zuschauer und damit fast nur noch ein Viertel der Interessierten der Serienpremiere verfolgten «Salem» am 4. Mai. Dieser Wert stellte nicht einmal mehr das Doppelte des Sender-Mittelwerts dar, wodurch das erste Mal die Frage aufkam, ob eine Eigenproduktion für WGN America in diesem Ausmaß auch tatsächlich Sinn macht. Immerhin ist der Sender ein kleiner Fisch im Teich der großen Kabelanbieter und betrieb für die Produktion von «Salem» auch einen ungeheuren Aufwand. Werte, die weit über dem Senderschnitt liegen, sind daher Voraussetzung und auch bei vielen Kritikern gab es bereits Zweifel bezüglich der Qualität des Formats.
Durch die riskanten Vorstöße in Sachen Eigenproduktionen befindet sich der Kabelsender nämlich nun am Scheideweg: Sollten die verbleibenden Episoden sich noch einmal verschlechtern, könnte das den Senderverantwortlichen noch einmal Sorgenfalten ins Gesicht treiben, denn trotz den guten Anfangswochen hechelt «Salem» den Erwartungen in Bezug auf die vergangenen Episoden noch immer hinterher. Dabei hat WGN America bereits Anfang Mai eine zweite Staffel geordert und damit wohl etwas vorschnell gehandelt. Eine eigene Drama-Serie ist schließlich eine große Sache für einen kleinen Sender vom Format eines WGN America und das Geld, das der Sender für die Produktion in die Hand nehmen muss, ist in diesem Gefilde alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Dennoch beschreitet WGN America weiter den Weg aggressiver Expansion: Mit «Manhattan», das im Juli 2014 debütiert, und «Ten Commandments» folgen weitere WGN-Originalserien, mit denen der Sender viel Risiko eingeht. Zweifelsohne muss die Qualität dieser Produktionen besser werden – schon die zweite Staffel «Salem» kann zu einem Gradmesser für den Sender avancieren, nachdem der erste Durchlauf auf Kritikerseite wenig Anklang fand.


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