Die Kino-Kritiker

«Last Vegas»

von

Das ältere Semester mischt Hollywood auf: Vier männliche Stars aus der Traumfabrik sorgen im Alter für flotte Sprüche und ungeahnte Hüftschwünge – zur Freude des zahlenden Publikums.

Filmfacts «Last Vegas»

  • Filmfacts: «Last Vegas»
  • Kinostart: 14. November 2013
  • Genre: Komödie
  • Laufzeit: 105 Min.
  • FSK: 0
  • Musik: Mark Mothersbaugh
  • Autoren: Dan Fogelman
  • Regie: Jon Turteltaub
  • Darsteller: Michael Douglas, Morgan Freeman, Robert De Niro, Kevin Kline, Mary Steenburgen, Jerry Ferrara, Bre Blair, Romany Malco, Roger Bart, Joanna Gleason
  • OT: Last Vegas (USA 2013)
Zeigen die alternden Schauspieler dem Nachwuchs noch einmal, wo der Frosch die Locken hat? Die Actionkomödie «R.E.D. 2», in der sich unter anderem John Malkovich, Anthony Hopkins und Bruce Willis von ihrer agilen Seite präsentieren, beweisen in «Last Vegas», machte es im September bereits vor. Nun beweisen auch Michael Douglas, Morgan Freeman, Robert De Niro und Kevin Kline, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehören.

Hinter der Kamera sorgten der Comedy-erprobte Regisseur Jon Turteltaub («Cool Runnings», «The Kid») und Drehbuchautor Dan Fogelman («Die Gebrüder Weihnachtsmann») dafür, dass den alten Knackern nicht der Spaß vergeht. Herausgekommen ist dabei eine flotte Komödie über beste Freunde, die es noch einmal richtig krachen lassen wollen. Parallelen zum Kinohit «Hangover» sind dabei allerdings unübersehbar.

Zunächst fällt gleich von Beginn an die ungemeine Spiellust der Hauptdarsteller auf. Der wiedergenesene Michael Douglas wirkt sichtlich erholt von den vergangenen, krankheitsbedingten Strapazen. Er gibt den wohlhabenden Unternehmer Billy, der zwecks seiner anstehenden Hochzeit mit einer wesentlich jüngeren Frau seine Jugendfreunde zusammentrommelt. Das funktioniert aber nicht auf Anhieb. Während er Sam (Kline) und Archie (Freeman), der sich über das Alter der Zukünftigen seines Kumpels mit einem bitterbösen Spruch lustig macht, schnell von seinem Plan überzeugen kann, gestalten sich seine Überredungskünste beim griesgrämigen Paddy (De Niro) weitaus schwieriger. Der hat sich seit dem Tod seiner Frau in der Wohnung eingeigelt und tritt nicht mehr vor die Tür. Auch auf Billy ist er wegen einer Aktion aus Kindertagen nicht sonderlich gut zu sprechen.

Mit viel Geduld gelingt es den Dreien schließlich, Paddy in den nächsten Flieger nach Las Vegas zu verfrachten. Dort wartet das nächste Problem: Aus dem gebuchten Hotel ist ein Spielcasino geworden. Durch einen glücklichen Zufall erhalten die Freunde eine teure Luxussuite im zum Casino gehörenden Hotel, wo sie die Party ihres Lebens genießen – wenn da nicht die alte Rivalität zwischen Paddy und Billy wäre.

In der ersten Hälfte geht es vor allem um die Wiedervereinigung des ergrauten Wolfsrudels. Die einzelnen Protagonisten werden in ihrem Lebensumfeld vorgestellt. So lassen sich die verschiedenen Charaktertypen gut einordnen. Douglas punktet als vermögendes, aber ebenso sympathisches Alphatier der Gruppe. Freeman verbucht als gemütlicher Opa mit trockenen Witzen die meisten Lacher. Kline wirkt ein wenig trottelig und verpeilt, dadurch ungemein herzlich. Und De Niro spielt wieder einmal den mürrischen Mann, der niemanden an sich heranlässt und mit nichts etwas zu tun haben will. Bei einer solchen Konstellation sind Reibereien natürlich vorprogrammiert.

Die ergeben sich auf der Reise zu genüge. Die Gepflogenheiten der gestandenen Herren fängt Turteltaub unaufgeregt ein. Die komplett vorhersehbare Geschichte hätte dagegen gerne etwas peppiger ausfallen dürfen, aber die etwas lahme Handlung fängt das charmante Darsteller-Quartett durch seine unbekümmerte und lockere Spielweise wieder auf. Beim Aufeinandertreffen von jungen Feierwütigen im Pool und den Protagonisten macht sich dann der Generationenunterschied bemerkbar. Als spontan ernannte Jury sollen die Freunde die Tanzeinlagen knackiger Bikinischönheiten bewerten – zu den Dancebeats der Elektroband LMFAO. Und nebenbei gelingt Rapper Curtis Jackson alias 50 Cent wie schon Mike Tyson in «Hangover» ein herrlich selbstironischer Cameo-Auftritt. Eine ausufernde Party von Billy und Co stört den Musiker so sehr bei seinem Schönheitsschlaf, dass er sich gezwungen sieht, um Nachtruhe zu bitten.

Ganz rund läuft das Prozedere nicht ab. Nach der Hälfte etwa wird die Fröhlichkeit zunehmend von dramatischen Elementen verdrängt. Billy grübelt, ob eine Heirat mit der 30 Jahre jüngeren Lisa (Bre Blair) tatsächlich das ist, was er wirklich möchte. Dazu bringt die attraktive Jazzsängerin Diana (großartig: Mary Steenburgen aus «The Help») das Gespann durcheinander. In diesen Phasen ist Turteltaubs Regiearbeit geprägt von wortreichen Auseinandersetzungen und Diskussionen, Vergangenheitsbewältigungen, Anschuldigungen und Geständnissen. Daraus resultieren einige Hänger und zähe Passagen, die der ansonsten so heiteren Bande etwas den Wind aus den Segeln nehmen. Wie die Lösung der heraufbeschworenen Konflikte letztlich aussieht, kommt wenig überraschend, dafür aber auch nicht ganz so kitschig wie in anderen romantischen Komödien.

«Last Vegas» ist entspanntes Wohlfühlkino über wahre Freundschaft und die wirklich wichtigen Momente im Leben. Der tolle Cast rückt das an einigen Stellen zu einfach gezeichnete Szenario in den Hintergrund und lässt einige richtige Brüller vom Stapel. Auch jüngere Zuschauer dürften an den auftrumpfenden „fantastischen Vier“ Gefallen finden.

«Last Vegas» startet am 14. November in den deutschen Kinos.

Kurz-URL: qmde.de/67302
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