Wenn ein Regisseur sein Werk «Epic» nennt, spricht das fast ein wenig für Größenwahn. Oder hat Chris Wedge tatsächlich einen epischen Animationsfilm geschaffen?
Teenagermädchen MK (in der deutschen Synchronfassung gesprochen von Josefine Preuß) kehrt nach langer Abwesenheit in das Haus ihres Vaters, einem verrückten Professor, zurück. Schnell merkt sie, dass beide sich auseinandergelebt haben. Immer wieder spricht ihr Vater von kleinen Waldbewohnern, die man nur unter dem Mikroskop erkennen kann. MK tut diese Äußerungen als Spinnerei ab, bis sie sich eines Tages im Wald verirrt und tatsächlich auf die kleinen Wesen trifft. Einen unglücklichen Zufall später ist MK plötzlich zu einem Winzling geschrumpft und befindet sich mitten in einem Krieg zwischen Gut und Böse. Gemeinsam mit dem sympathischen Krieger Nod (Raúl Richter) und den zwei abgedrehten Schnecken Mub und Grub (Oliver Welke und Oliver Kalkofe) setzt MK alles daran, den Wald vor den Angriffen des fiesen Mandrake (Christoph Waltz – auf Deutsch und Englisch!) zu beschützen und sein empfindliches Gleichgewicht wieder herzustellen.
So wundert das Fazit kaum, dass «Epic» jetzt schon zu den visuell beeindruckenderen Filmen des Jahres gehört. Und das, trotz eines miserablen 3D-Effekts. Denn leider beschleicht sich angesichts der dritten Dimension der Verdacht, die Macher wollten entweder schlicht mit dem Trend gehen, ohne weiter darüber nachzudenken, oder seien lediglich an den höheren Einnahmen aus den Ticketverkäufen interessiert. Weder in der Tiefe, noch bei den Pop-Outs lässt sich ein Sinn und Zweck in der 3D-Nutzung erkennen. Mehr noch: Erst durch den Effekt wirken die Bilder vor allem während schnellerer und um Tiefe bemühter Sequenzen leicht verwaschen und unscharf. Ärgerlich, wenn man bedenkt, dass dieser Schwachpunkt ohne die Nutzung von Hollywoods derzeit beliebtestem Trend leicht zu umgehen gewesen wäre.
Was Scrat für «Ice Age», Pascal für «Rapunzel» oder erst kürzlich der Affe Klammer in «Die Croods» war, sind in «Epic» die zwei possierlichen, grundsympathischen und tatsächlich urkomischen Weichtiere, deren Figurenzeichnung sich allerdings nicht nur darauf beschränkt, Stichwortgeber oder Lückenfüller zu sein. Mit viel Interpretationsanstrengung lässt sich um Mub und Grub sogar die wirklich wahre Heldengeschichte spinnen. Die zwei unterschätzten Außenseiter durchwandern während der gut 100 Minuten die deutlichste Entwicklung vom Taugenichts zum Helden. So fühlen sich beide von Anfang an zu Höherem berufen und sehen dieser „Tatsache“ mit einem extremen Ego entgegen. Doch anstatt, dass sich beide darauf verlassen, dass am Ende immer der Gute die Prinzessin bekommt, mühen sich die Freunde ab, an ihren Schwächen zu arbeiten und werkeln aktiv daran, ihre Umgebung von ihren Qualitäten zu überzeugen. Leider löst «Epic» diese Situation nur insofern durchwachsen auf, als dass beide am Schluss das Fazit ziehen können, dass im Herzen jeder ein Held ist, dennoch hebt sich der Umgang mit zwei derartigen Nebenfiguren überraschend von ähnlich gelagerter Animationskost ab, sodass dieses kleine Detail «Epic» aus der Masse herausragen lässt und mühelos über den ansonsten eher durchschnittlichen Handlungsaufbau hinwegtröstet.
Musikalisch wäre angesichts der imposanten Bilder ein weitaus epischerer Soundtrack für «Epic – Verborgenes Königreich» drin gewesen. Da Danny Elfman («Die fantastische Welt von Oz») jedoch ohnehin nicht für große Orchesterklänge sondern vielmehr für die leisen Töne bekannt ist, möge dieser Kritikpunkt nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Insgesamt ist es sogar löblich, dass sich Chris Wedge nicht ausschließlich auf Optik und Akustik verlässt, sondern auch dem Stoff, basierend auf dem Roman „The Leaf Man and the brave good Bugs“ von William Joyce («Triff die Robinsons»), genug Aufmerksamkeit einräumt.• Die Croods • Die fantastische Welt von Oz • Epic • Epic – Verborgenes Königreich • Ice Age • Rapunzel • Rio • Robots • Triff die Robinsons • Verborgenes Königreich
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