Schlüter sieht's

«Schlüter sieht's»: Sat.1 und das «K11»-Problem

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Senderchef Nicolas Paalzow greift durch und zeigt «K11» wieder dreifach – symptomatisch für die Lage von Sat.1.

Und wieder einmal müssen die Ermittler von «K11» Überstunden machen: Nachdem das quotenschwache Magazin «push» um 19.30 Uhr vergangene Woche schnell abgesetzt wurde, füllen wieder drei Folgen der Crime-Doku den Sat.1-Vorabend. Die desolate Lage des Senders wird an genau dieser Programmänderung deutlich: Nicht die Absetzung von «push» ist das eigentliche Problem (die Einschaltquoten rechtfertigten diese durchaus), sondern die Tatsache, dass Sat.1 als Vorabend-Lückenfüller seit Jahren nichts anderes zu bieten hat als «K11».

Andere Sender sind in dieser Hinsicht zwar auch nicht innovativer – siehe unter anderem die «Two and a Half Men»-Exzesse früher bei kabel eins und heute bei ProSieben –, aber sie haben wenigstens starke Marken, die im Regelfall auch noch akzeptable Zuschauerzahlen einbringen. «K11» ist keine solch starke Marke, erreicht auch zum Großteil unterdurchschnittliche Quoten – aber wenigstens keine so schlechten wie die anderen Vorabendformate. Und so schaffte es diese Crime-Doku, jahrelang bei Sat.1 zu überleben. Bei jedem anderen Privatsender wäre sie vermutlich längst in den Archiven gelandet.

Vorwerfen kann man dem neuen Senderchef Nicolas Paalzow, seit gut drei Wochen im Amt, eigentlich nichts – außer Einfallslosigkeit: Denn Sat.1 hat schlicht keine andere Allzweckwaffe außer «K11», die einspringen kann, wenn die Quoten bei anderen Formaten mal wieder in den Keller rauschen. Gleiches gilt für die Absetzung von «Harry’s Law» am späten Donnerstagabend, für das nun «Navy CIS» einspringen – und vermutlich bessere Marktanteile einfahren – wird. Natürlich sind solche Änderungen nur Übergangslösungen: Jetzt gilt es zunächst für Paalzow, seinen Sender vor dem nächsten Quotenabsturz und weiterem Relevanzverlust zu retten, und da sind die bisherigen Absetzungen und Ersetzungen durch halbwegs beliebte und bekannte Formate sicherlich sinnvoll: Es gilt in den nächsten Monaten der Modus „Schadensbegrenzung“.

Langfristig wird Paalzow aber genau diese angegangenen Sendeplätze mit frischer Ware füllen wollen – die aktuellen Dreifach-Folgen von «K11» oder die Rückkehr von «Navy CIS» am Donnerstag sind nicht von Dauer, sondern zeigen auf, wo der größte Handlungsbedarf besteht. Entscheidungen zu neuen Vorabend-Formaten wollen also wohlüberlegt und nicht hektisch getroffen sein – auf ein paar Monate mehr oder weniger «K11»-Überdosis kommt es da ohnehin nicht mehr an. Mit den Programmänderungen hat sich Paalzow nun also erst einmal Zeit gekauft. Zeit für die Entwicklung identitätsstiftender Marken, die anfangs gar nicht übermäßig erfolgreich sein müssen, sondern zeigen, wofür Sat.1 im Jahr 2013 steht: Vielleicht für mehr als nur für gute deutsche Serienware, als für die beste TV-Castingshow «The Voice», als für starke Event-Movies. Und hoffentlich dann nicht mehr für eines: «K11» als Vorabend-Allzweckwaffe.

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