Wenn einer der bekanntesten US-Präsidenten der Geschichte heimlich auf Vampirjagd geht, geht Stil vor Substanz.
Mit «Grindhouse» läuteten Quentin Tarantino und Robert Rodriguez 2007 eine neue Ära des Trash-Films ein, in der talentierte Regisseure ihre Liebe für das Schundkino ausleben, indem sie haarsträubende Leinwandideen, die man einst nur in C-Movies hätte erleben können, mit hohem Budget verwirklichen. Dieser selbstbewusste Edeltrash tritt in dreierlei Geschmacksrichtungen auf. Da wären Produktionen wie «Cowboys & Aliens», die ihr abgedrehtes Konzept bierernst durchziehen, und Filme wie die Blaxploitation-Hommage «Black Dynamite», die sich über ihre verrückte Art lustig machen. Und dann gibt es jene Filme, die exakt den Mittelweg gehen. Zu diesen gehört auch «Abraham Lincoln – Vampirjäger», der mit seinen absurd übertriebenen Actionszenen keinen Hehl aus seiner konzeptuellen Albernheit macht, jedoch nicht durchweg dem Publikum zuzwinkert und auf einer Metaebene seine bewussten Macken kommentiert.
Ob man zum Zielpublikum von «Abraham Lincoln – Vampirjäger» gehört, lässt sich erstaunlich leicht feststellen. Schon die eigene Reaktion auf den Titel allein, oder die Grundidee des Films, genügt, um abzuschätzen, wie man auf das fertige Werk reagieren wird. Wer bei der überzogenen Idee beschämt grinst, die Augen rollt oder sich fragt, wie dämlich Hollywoodfilme denn noch werden können, muss mit einem Kinobesuch gar nicht erst liebäugeln. Wer sich aber ein verwundertes oder gar ein überzeugtes „Hehe, cool ...“ nicht verkneifen konnte, liegt schon eher auf einer Wellenlänge mit Produzent Tim Burton, Autor Grahame-Smith und Regisseur Timur Bekmambetow («Wanted»), die in «Abraham Lincoln – Vampirjäger» nicht mehr und nicht weniger machen, als 105 Minuten lang die gleichermaßen coole wie saudämliche Vorstellung auskosten „Wie hätte es ausgesehen, wäre Abraham Lincoln ein Vampirjäger gewesen?“
Von einem mitten in einer Herde Pferde stattfindenden Kampf bei Sonnenuntergang abgesehen, der durch schlecht animierte CG-Pferde, übertriebenem Weichzeichner-Gebrauch und einer die Stunts schwer erkenntlich machenden Beleuchtung zum öden Tiefpunkt des Films wird, sind bereits die Actionmomente allein für jeden Liebhaber überzogener Kampfsequenzen Grund genug, «Abraham Lincoln – Vampirjäger» eine Chance zu geben. Stylische Kameraarbeit und beeindruckende Kampfchoreographien gehören zu den Markenzeichen Timur Bekmambetows und die Absurdität, Lincoln mit Vampiren kämpfen zu sehen, verleiht den Actionszenen zusätzlichen trashigen Charme.
Trotzdem ist der mittlere Part des Films zu lang geraten: Um Lincolns Lebensgeschichte und das übernatürliche Konzept unter einen Hut zu bringen, fielen einige biographische Stationen Lincolns der Schere zum Opfer, während andere weiterhin angedeutet werden. Das mag Lincoln-Kenner kurz zum Schmunzeln bringen, dramaturgisch erweisen sich Nebenbuhler um die Gunst seiner späteren Frau und politische Widersacher, die kurz nach ihrer Einführung ins filmische Nirgendwo verschwinden, allerdings als Ballast. Dass Szenen, die sich ausschließlich um Abraham Lincoln drehen, oftmals etwas zäh geraten sind, liegt zudem an der zwar sympathischen, allerdings auch blassen Darstellung von Benjamin Walker, der nicht die Präsenz aufweist, die dieser Rolle gebührt. Umso cooler ist dafür Dominic Cooper, der als mysteriöser Lebemann und knallharter Mentor (teils auch dank seiner ausgefallenen Garderobe) jede Szene an sich reißt, in der er aufkreuzt. • Abraham Lincoln - Vampirjäger • Tim Burton
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)