Die Kritiker

«Die Braut im Schnee»

von
Das ZDF präsentiert eine realistisch anmutende, inhaltlich schlichte Verfilmung des Romanerfolgs «Die Braut im Schnee».

Story


Eine junge Zahnärztin wurde gefoltert, ermordet und in entwürdigender Weise vor ihrem Haus drapiert. Über das Opfer können selbst engste Anvertraute kaum eine Aussage treffen, sie war äußerst unscheinbar und die Suche nach einem möglichen Tatmotiv stellt Kriminalhauptkommissar Robert Marthaler vor ein wahres Rätsel. Einzig die engagierte Rechtsmedizinerin Dr. Thea Hollmann kann einige plausible Vermutungen anstellen, doch auch diese bringen die Ermittlungen kaum voran.

Aufgrund des kniffligen Mordfalls versäumt es Marthaler zudem, seine Freundin Tereza vom Flughafen abzuholen, die nach einem langen Auslandsaufenthalt heimkehrt. Als er sie zu erreichen versucht, scheint sie wie vom Erdboden verschluckt. Gelegenheit, sich um dieses Problem zu kümmern, bietet sich ihm allerdings nicht. Denn als Marthaler sich aufmacht, eine Studienfreundin der Ermordeten zu befragen, wird er über Telefon zum Zeugen eines weiteren, grausamen Mordes ...

Darsteller


Matthias Koeberlin («Lutter») ist Robert Marthaler
Bernadette Heerwagen («Tatort») ist Kerstin Henschel
Peter Lerchbaumer («Das dunkle Nest») ist Hans Herrmann
Jürgen Tonkel («Die Chefin») ist Kai Döring
Florian Panzner («Wie küsst man einen Millionär?») ist Raimund Toller
Mirjam Weichselbraun («H3: Halloween Horror Hostel») ist Dr. Thea Hollmann

Kritik


Jan Seghers Bestseller «Die Braut im Schnee» erzählt von keinem originellen Kriminalfall. Und auch wenn die von ihm geschaffenen Figuren einen sehr beschwerlichen Weg beschreiten müssen, um die Lösung zu finden, so ist dieser Kriminal-Thriller weder besonders vertrackt, noch sind seine Handlungswenden inspiriert. Viel eher erzählt er eine, ganz allein für sich betrachtet, knapp überdurchschnittliche Mordgeschichte.

Dennoch zählen der Erfolgsroman, wie auch die Fernsehadaption von Regisseur Lancelot von Naso zu den gelungeneren Vertretern ihrer Genre-Zunft. Die Stärke von «Die Braut im Schnee» liegt im erschaffenen Realismus: Es wäre durchaus denkbar, dass der in diesem TV-Thriller geschilderte Fall ohne seine weiteren Schnörkel und Nebenschauplätze in die Laufzeit einer durchschnittlichen Krimiserien-Episode gedrängt wird. Die Verantwortlichen hinter «Die Braut im Schnee» entschleunigen bewusst die Erzählweise vieler TV-Krimis, hangeln sich nicht innerhalb üblicher Zeitabschnitte von der einen Fährte zur nächsten. Stattdessen lassen sie ihre Ermittler nachgrübeln, ihre Ahnungslosigkeit ausdrücken und nebenbei einen Alltag führen.

Solche Nebenhandlungen sind häufig Ballast, doch korrekt umgesetzt verleihen sie ihrer Geschichte eine lebensnahe Grundlage und verdichten somit die Atmosphäre. Dies ist bei «Die Braut im Schnee» der Fall: Sequenzen, wie jene, in der ein glaubwürdig spielender Matthias Koeberlin durch die Gassen von Frankfurt am Main tappst, wegen der schleppenden Ermittlungen nicht zur Ruhe kommend, und in einem vietnamesischen Imbiss eine junge Kollegin trifft, bringen die Handlung nur wenig voran. Aber das lockere Gespräch über den ungelösten Fall ist gut gespielt und stimmig inszeniert, weshalb innerhalb dieser Minuten mehr Gewicht liegt, als im üblichen Fernsehkrimi.

Lancelot von Naso verleiht seinem Thriller zudem eine nasse, dreckige Optik, die das unwirsche Gefühl der Handlung unterstützt. Die Handlungswendepunkte nutzt er darüber hinaus, um seinen entschleunigten Thriller mit Spannungshöhepunkten zu versehen, die den Betrachter stärker fesseln sollen. Inszenatorisch gelingt es ihm dank der gelungenen Schnittarbeit sowie den ausdrucksstarken Nachtaufnahmen auch auf voller Länge, jedoch macht ihm dabei das Drehbuch mitunter zu schaffen: Viel zu oft wiederholen Nebenfiguren Offensichtlichkeiten, die keines weiteren Kommentars bedürfen. Dabei sind die ansonsten so real wirkenden Kollegengespräche generell ein weiter Pluspunkt des Films, bloß wenn Exposition nachgeliefert werden muss, scheinen die Filmemacher nicht zu sehr auf die Konzentrationsfähigkeit des Publikums zu setzen.

Das Fazit ist somit klar: Von der ideenlosen, wenngleich schlüssigen, Auflösung und den schlecht vermittelten Kerndialoge abgesehen, ist «Die Braut im Schnee» dank seiner dichten Atmosphäre, einem guten Ensemble sowie seiner eine reale Fallhöhe aufbauenden Nebenschauplätze eine für Genrefans empfehlenswerte Romanverfilmung.

«Die Braut im Schnee» ist am Montag, dem 27. Februar 2012, im ZDF ab 20.15 Uhr zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/55188
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