Serien-Update

«Chuck»

von
Nicht vielen Serien wurde das Privileg eines geplanten Abgangs zuteil. Ausgerechnet «Chuck» bekam es und wusste auch zu nutzen.

Die Geschichte hinter «Chuck» ist eine, die man nicht oft über eine US-amerikanische Serie liest und endet mit einem Kapitel, das leider ebenfalls viel zu selten anzutreffen ist: Eine letzte Staffel, als solche geplant, den Autoren die Chance gebend, die Serie würdig abzuschließen. «Lost» hat einst dieselbe Möglichkeit bekommen und man kann darüber streiten, ob sie genutzt wurde. Auch die Macher von «Desperate Housewives» und «One Tree Hill» können ihren Serien in diesem Jahr einen runden Abschluss geben.

Während diese langlebigen Serien allerdings gut planbar waren, war bei «Chuck» mangels zufriedenstellender Zuschauerzahlen immer mit einem kurzfristigen Aus zu rechnen. Das wussten auch die Autoren um Showrunner Josh Schwartz, die ab dem zweiten Jahr jede Staffel oder gar Halbstaffel - da sich der Sender oft nicht einmal die Bestellung einer ganzen Staffel traute - mit einer Episode schlossen, die notfalls als Serienfinale herhalten konnte. In einem Interview mit "Entertainment Weekly" erinnerte sich Schwartz kürzlich an einen Rat, den Gaststar Scott Bakula, der in der Serie Chucks Vater mimte, ihm einst gab: "Haltet die Stellung, macht einfach eure Show weiter. Und plötzlich merkt ihr, dass fünf Jahre um sind. So haben wir es bei «Zurück in die Vergangenheit» auch gemacht."
Am 27. Januar endete «Chuck». Nach genau fünf Staffeln.

Auch wenn sicherlich immer wieder wirtschaftliche Interessen dahinter standen, wird die abschließende fünfte Staffel gerne als Geschenk an die treuen Fans gesehen, die die Serie unbestreitbar hat und die ihren Anteil am Fortbestand der Show beitrugen. Das ständige Zittern um die Zukunft schweißte Crew und Fandom zusammen wie bei fast keiner anderen Serie. Diese holten schließlich die Sandwich-Kette Subway als großen Partner ins Boot. Während andernorts weiterhin über Product Placement die Nase gerümpft wird, feierten die «Chuck»-Fans fortan jedes Auftauchen besagter Sandwiches. Kein Wunder also, dass «Chuck» und «Subway» 2010 in den Top Ten der am besten wirkenden Product Placements landeten - als einzige fiktionale Serie.

All das Herzblut, das der kleine, aber frenetische Kern der Fans in seinen Kampf um die Serie steckte, wurde am Ende zurückgezahlt. Denn «Chuck» zeigt mustergültig, wie eine Serie abgeschlossen werden muss. Schon von Anfang an nahm die fünfte Staffel ein frisches Tempo auf, das man ob des langsam ausgereizten Grundkonzepts um einen Agenten wider Willen, in dessen Gehirn die größte Kriminaldatenbank der Welt geladen wurde, gar nicht mehr gewohnt war. Anknüpfend an den Cliffhanger der vierten Staffel wurden wesentliche Grundzüge der Serie umgeworfen, um Raum für neue Geschichten zu schaffen. Ab Mitte der 13-teiligen Staffel begann man dann, die Geschichten der einzelnen Charaktere zu Ende zu spinnen und dabei auch die Nebenrollen nicht außer Acht zu lassen.

Schlussendlich präsentierte «Chuck» ein Finale, das diesen Namen verdient hat. Spannend, witzig, gespickt mit emotionalen Höhepunkten. Noch einmal geht es rund um die Welt, viele alte Handlungsorte werden besucht, viele Erinnerungen werden geweckt und das auf dramaturgisch durchaus clevere Weise. Auf ein Übermaß an Rückblenden verzichteten die Macher glücklicherweise, alles ist organisch in die Handlung eingeflochten. Für Chuck und Sarah gibt es die wohl größte Herausforderung zu überwinden, vor die ihre Beziehung in den vergangenen fünf Jahren gestellt wurde. Aber «Chuck» endet so, wie es immer war: als Feelgood-Serie, die Spaß machen und begeistern will.

An dieser Serie und der Art wie sie behandelt wurde, können sich manch andere Serienkreativen und Sender ein Beispiel nehmen. Wäre Fernsehen immer so, die Zuschauer würden nicht mehr mit den nagenden Zweifeln an die Serien gehen (oder es eben lassen), ob sie auch das Ende gezeigt bekommen oder einfach mittendrin Schluss ist. Ob «Chuck» am Ende wirklich noch Gewinn abgeworfen hat, weiß wohl nur NBC-Chef Bob Greenblatt. Und der hat bei den Millionen Fans, die bis zum Schluss durchhielten, einen Stein im Brett.



Wie jedes Serienfinale bleibt auch das von «Chuck» nicht ohne Diskussionen. Vor allem die Schlussszene dürfte manch hoffnungslos verträumten Shipper missfallen haben: Sarah hat durch den Intersect jegliche Erinnerungen an ihre Zeit mit Chuck verloren, nur wenige Bruchstücke sind zurückgekehrt. Schließlich folgt sie dem Rat von Morgan: Ein Kuss könnte die Blockade lösen und all die verlorenen Bilder zurückbringen. Ob das wirklich funktioniert werden die Zuschauer nie erfahren: Die Serie endet mit dem Kuss am Strand.

Dadurch ist es aber eigentlich ein perfektes Ende. «Chuck» ist sehr oft den einfachen Weg gegangen. Einmal abgesehen vom Tod von Stephen Bartowski, Chucks Vater, ist den Charakteren nie etwas nachhaltig schlimmes widerfahren, obwohl sich die aussichtslosen Situationen häuften. Immer gab es einen Weg hinaus, jedes noch so große Problem und alle Hindernisse lösten sich binnen drei Folgen in Wohlgefallen auf. Es ist lobenswert und ein bisschen mutig, etwas so wichtiges wie die Beziehung zwischen Chuck und Sarah nicht kurz vor Schluss noch im Handumdrehen zu reparieren.

Ihre Liebe ist größer als die Geschichte um eine Handvoll Spione. Das zeigt schon die Sequenz, in der sich Sarah das Videotape mit ihren eigenen Aufzeichnungen über Chuck ansieht. Und genau das zeigt auch der Schluss. Und schließlich sind mit dem halboffenen Ende all den aktiven Fans der Serie Tür und Tor geöffnet zu Unmengen an Fan Fiction und Spekulationen über das, was noch gekommen wäre oder noch kommen würde. Der Traum bleibt am Leben und die Serie unsterblich.

Einen kleinen Makel muss man dem Finale schließlich doch ankreiden. Viele Charaktere haben ihren ganz persönlichen Abschluss bekommen: Chuck und Sarah haben wieder eine gemeinsame Zukunft, Morgan und Alex ziehen zusammen, Ellie und Awesome bekommen neue Jobs, Jeff und Lester winkt die große Karriere und sogar der Buy More Markt wird bedacht und bekommt einen neuen Eigner aus dem Fastfood-Geschäft, als kleine Schlusspointe zum Product Placement. Nur Casey fällt ein wenig aus dem Rahmen.

Am Ende macht dieser sich auf den Weg zu Gertrude, die wir schon des Öfteren in der letzten Staffel zu sehen bekamen - nur in den letzten Episoden leider nicht. Gut möglich, dass der Terminkalender von Carrie-Anne Moss einfach keinen Auftritt möglich machte. Schade ist es dennoch, dass Casey, der in der Vergangenheit schon oft mit wenig Dialog bedacht und auf sein charakteristisches Knurren reduziert wurde, hier etwas am Rande abgehandelt wird.

Umso größer fällt der Abschied von Jeff und Lester auf. Von Jeffster, der trashig-kultigen Zwei-Mann-Band der beiden, hörte man schon eine ganze Weile nichts mehr. Bis zum grandiosen Auftritt in der letzten Folge der Serie, einem der absoluten Highlights des Finales, das mindestens so emotional berührte wie der tatsächliche Schluss der Serie. Und eines, das noch einmal eindrucksvoll zeigt, wie wichtig es für «Chuck» war, immer das gesamte großartige Ensemble im Blick zu behalten.

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