Schlüter sieht's

«Schlüter sieht's»: Bundesliga am Spätabend?

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Sollte die DFL dem Internet bei der BuLi-Ausstrahlung den Vorzug geben? Ein Kommentar.

Sky, die ARD, die Telekom. Natürlich – dies sind Unternehmen, die man bei der Ausschreibung der Bundesligarechte erwartet. Aber Sat.1 und Vodafone? Oder Yahoo? In den vergangenen Wochen meldeten immer mehr Firmen ihr Interesse an den Rechten der Fußball-Bundesliga an. Kein Wunder: Die Liga boomt mit immer größerer Beliebtheit und neuen Zuschauerrekorden. Und Sky macht derzeit vor, wie man mit geschicktem Marketing und attraktiven Sonderkonditionen viele Fußball-Fans zum Pay-TV-Sender locken kann. Sky steht kurz davor, die angepeilte Marke von drei Millionen Abonnenten zu knacken.

Auch die Telekom erklärt sich mit ihrem Anteil an der Bundesliga zufrieden. Sie besitzt die Internet-Ausstrahlungsrechte und vermarktet über ihre Entertain-Plattform das Angebot „Liga total!“, das mittlerweile über 250.000 zahlende Kunden zählt. Die Bundesliga ist für Fans aufgrund ihrer Spannung und Ausgeglichenheit der Mannschaften attraktiv, und damit gibt es auch immer mehr Fans, die sich den Fußball im Fernsehen anschauen. Und deswegen haben zuletzt einige Unternehmen Blut geleckt und wollen einen Teil der Rechte haben, bevor es zu spät ist und sich die Verhältnisse über lange Zeit festigen, wie es in vielen Ländern Europas der Fall ist. Dort kaufen immer dieselben Unternehmen die jeweiligen Ligarechte, weil sie äußerst viel Geld mit ihnen verdienen. BSkyB in England beispielsweise.

Und so verwundert es nicht, dass die Telekom Planspiele angestellt hat, auch die Fernseh-Liverechte an der Bundesliga zu kaufen. Umgekehrt will Sky auch an die Mobilrechte für das Portal Sky Go. Sat.1 und Yahoo wollen die Liga nicht live zeigen und interessieren sich für die Verwertung der Highlights. Dort plant die Deutsche Fußball-Liga mit zwei Modellen: Das eine sieht wie gewohnt eine TV-Ausstrahlung am Vorabend vor, das andere gäbe dem Internet den Vorzug. Demnach wären die Spielzusammenfassungen zuerst im Netz zu sehen, beispielsweise bei Vodafone TV oder Entertain. Im Fernsehen könnte man die Spiele frühestens ab 21.45 Uhr zeigen.

Gerade dieses zweite Rechtepaket ist für die meisten Unternehmen interessant, und daher ist eine Realisierung nicht so unwahrscheinlich wie zunächst angenommen. Beispielsweise hat Sat.1 signalisiert, dass man sich dieses Modell genauer ansehen werde. Auch das ZDF wäre mit dem «Sportstudio» ein potenzieller Partner, der bereits eine große Infrastruktur in der Bundesliga-Berichterstattung vorweist. Dass dieses Modell der «Sportschau» gefährlich wird, hat man bei der ARD erkannt.

Intendantin Monika Piel kritisierte die Entscheidung des Kartellamts, dass die zwei Rechtepakete (also auch das mit der früheren Internet-Ausstrahlung) wie vorgesehen ausgeschrieben werden können. Piel sagte: „Diese Entscheidung ist nicht im Sinne der Zuschauerinnen und Zuschauer. Denn sie birgt die Gefahr, dass die DFL mit einer Erstausstrahlung von Bildern des Bundesliga-Spieltages im Netz einen großen Teil des Publikums ausschließt.” Damit hat Piel recht. Aber wenn die DFL für ihre Vereine deutlich mehr Geld mit dem Internet-Modell einnehmen könnte, könnte sie dann darauf verzichten?

Dass die DFL dennoch vom Internet-Modell Abstand nehmen sollte, hat einen anderen Grund: Die Bundesliga befindet sich in guter finanzieller Verfassung; die Fans sind mit der Fernsehverwertung zufrieden. Sowohl die Telekom als auch Sky fahren gut mit ihren Live-Rechten, und die ARD holt mit der «Sportschau» starke Quoten und ist zahlungskräftiger Partner. Die positive Entwicklung, die alle Parteien mit dem aktuellen Rechtemodell genommen haben, darf jetzt nicht durch risikoreiche Planspiele unterbrochen werden.

Dies ist kein blindes Plädoyer für die bisherigen Rechtepartner der DFL, sondern gegen solche Ideen wie die Internet-Erstverwertung, die tatsächlich viele Fans verprellen würde. Immer mehr Menschen lieben den Bundesliga-Fußball deshalb, weil er durch starke Live-Berichterstattung und die allgegenwärtigen, gut produzierten Free-TV-Shows wie «Sportschau», «das aktuelle Sportstudio» oder «Bundesliga pur» die bestmöglichen Reichweiten hat. Schon einmal hat Sat.1 versucht, die Bundesliga um 20.15 Uhr zu zeigen – und scheiterte nach wenigen Wochen dank miserabler Quoten. Die DFL muss ihr beliebtes Produkt wie bisher auf verschiedene Schultern verteilen, um die Gefahr einer Monopolisierung zu vermeiden und den Wettbewerb weiter aufrecht zu erhalten – deswegen sollten Internet- und TV-Rechte weiter getrennt vergeben werden. Und: Die DFL braucht verlässliche Rechtepartner, die den Sport mit Leidenschaft begleiten. Und das sind nicht Vodafone oder Yahoo, sondern Namen wie Patrick Wasserziehr, Reinhold Beckmann, Michael Steinbrecher und Wolff Fuss.

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