
Lars: „Was für mich die Serie so besonders macht, ist eben gerade die Entwicklung der Charaktere und damit der Sendung. Charlie Harper, der Junggeselle schlechthin, fand schon in der dritten Staffel eine Frau, die er heiraten wollte. Völlig Anti-Charlie. In der sechsten bis siebten Staffel hat er nun Chelsea als Verlobte. Schon allein da wagte man sich einen schweren Schritt vorwärts und merkte gleichzeitig, dass der Fluss der Serie irgendwie damit unterbrochen wurde. Eine andere Entwicklung ist die des Alan Harper. Am Anfang der Serie hat er noch überhaupt keine Frau abbekommen, doch nachdem Charlie seinem Neffen Jake und damit auch Bruder Alan ein paar Tipps in Sachen Frauen geben konnten, hat er in den späteren Staffeln weitaus mehr Frauen. [...] Die Entwicklung von Jake Harper finde ich dabei recht negativ. Am Anfang war er noch süß und knuffelig, allerdings trat seine Unwissenheit in den späteren Folgen als Dumme-Machette auf, was teilweise echt ein bisschen nervt. Das ist kein Pluspunkt für die Serie. [...] Ein weiterer Grund ist, dass die Rolle des Charlie Harper wirklich zu Sheen passt. [...] Ein älterer Mann, der in den Medien eh schon oft verspottet wird, verspottet sich selber noch einmal ums 10-fache und Millionen von Menschen wissen, dass das auf den realen Charlie zutreffen könnte. Entweder weiß Herr Hap...eh Herr Sheen dass wir das mögen [...] oder sein labiler, jedoch auch amüsanter Charakter lässt es halt zu, dass er sich selbst veräppelt - vielleicht auch beides? [...] Und das finde ich schon bewundernswert.“
Ben: „Der Erfolg liegt (ironischerweise) genau in den von manchen kritisierten Elementen. «Two And A Half Men» erschafft eine Traumwelt, eine Welt von der (wohl vor allem Männer) offen oder auch insgeheim träumen. Es ist das Grundprinzip der Comedy, das seinen Ursprung in den Comics fand, später in Zeichentrickfilme übernommen wurde, bis es schließlich in Film und Fernsehen landete. Es ist die Erschaffung einer Welt, in der alles Spaß macht, ohne Negatives mit sich zu bringen. Die Alkoholabhängigkeit von Charlie Harper ist in der Serie ausschließlich mit Spaß verbunden und mit verrückten Abenteuern. Das schlimmste was Charlie Harper passiert, ist ein kleiner Hangover. Einige Minuten später geht's schon ab ins Schlafzimmer zum nächsten Girl und alles ist vergessen. Charlie Harper hat keine Verantwortung, er hat einen Job, der im Grunde überhaupt nichts von ihm fordert und ihn niemals unter Druck setzt und trotzdem riesige Mengen von Geld bringt. Er ist völlig verantwortungslos und egoistisch und trotzdem überall beliebt. Er lebt in Malibu in einem Beachhaus, ohne jemals wirklich was dafür getan zu haben, alles fliegt ihm einfach so zu - das ganze in Verbindung mit der realen Person Charlie Sheen, dessen Vorname nicht die einzige parallele zur Serienfigur ist. Sheen, der etwas weniger comichaft, aber doch schon mit großer Ähnlichkeit auch alle Skandale und Eskapaden überlebt hat, ohne bei der breiten Masse wirklich an Sympathie verloren zu haben. Was wir in den letzten Wochen und Tagen erlebt haben ist nichts neues, eigentlich ist es sogar etwas sehr altes. Es ist ein Leben das Charlie Sheen schon vor über 20 Jahre genau so geführt hat, mit viel größeren Skandalen als den jüngsten und immer wieder ist er direkt danach wiederbeliebt und erfolgreich gewesen. Schon 1998 ist er fast an einer Überdosis gestorben, kurz danach hat er «Chaos City» von Michael J. Fox übernommen hatte. Es ist nicht die Serienfigur Charlie Harper, die Sheen in seinem Privatleben beeinflusst, es ist das Leben von Sheen, aus dem die Figur entstanden ist. Ohne Überdosisgefahr wie im Comic üblich. Genau diese Welt ist es, was den Erfolg der Serie ausmacht. Das Hauptargument von Kritikern und Gegnern der Sitcom, sind die ständig gleichen Handlungen und die sich niemals weiterentwickelnden Charaktere. Hat sich Bugs Bunny jemals weiterentwickelt? Ging es bei Tom und Jerry nicht auch immer ums gleiche? Hat Fred Feuerstein nicht auch in jeder Folge nach Wilma gerufen und auf seine Tür gehämmert? Wie viel Story steckte in den «Nackte Kanone»-Filmen oder in «Dick und Doof»? Wie sehr waren die Protagonisten ausgearbeitet? Erzählt Otto nicht auch schon seit 40 Jahren die selben Witze? Sicher gibt es auch Comedy, die sehr durchdacht, subtil und aufwändig produziert ist, aber waren das die erfolgreichsten? Das uralte Comicprinzip ist bis heute das, was egal in welchem Medium, immer am erfolgreichsten war. [...] Das ist also der Erfolg von «Two And A Half Men». Die Welt von Charlie Harper, der Alkoholiker ist ohne das es ihm jemals schlecht geht, der ständig die schönsten Frauen hat, ohne das es Sorgerechtsstreitigkeiten oder Scheidungsschlachten nach sich zieht, der im Grunde niemals arbeitet, aber trotzdem ein Traumleben mit vollem Bankkonto und Villa in Miami führt. Es ist der moderne Fred Feuerstein, der jeden Abend an seine Tür hämmert und ‚Wilma’ ruft und der Zuschauer weiß genau Wilma wird öffnen und alles wird gut.“• QamS
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