In einem Abwärtsstrudel befindet sich der aktuelle Sat.1-Vorabend – und das nicht erst seitdem auch die bis November 2010 noch gut laufende Serie «Anna und die Liebe» unter den Senderschnitt gefallen ist. Das gesamte Line-Up scheint sich aktuell selbst nach unten zu ziehen, doch weder die Soaps und erst recht nicht die Fake-Doku «K 11» scheinen momentan in der Lage zu sein, den Trend zu stoppen. Das Sat.1-Vorabendproblem besteht nicht erst seit Jeanette Biedermanns Rückkehr zu «Anna und die Liebe» - ohne Frage. Die nun aber quotenschwache Sendung hat die Lage noch ein Stück prekärer gemacht.
Woran liegt’s, dass auch nach dem Ende der Geist-Geschichte, die Werte nicht wieder steigen? «Anna» ist deutlich anders geworden, das überfordert vielleicht einige der Anhänger. Sie haben den Wechsel von der Werbe- in die Modewelt nicht mitgemacht. Schädlich dürfte auch sein, dass die Macher diesmal auf die ganz klare Happy End-Aussage verzichtet haben. In wen sich Anna am Ende der Staffel verlieben und mit wem sie wieder glücklich wird, sagten sie bislang nicht. Wäre auch unpassend gewesen, wollte man anfangs doch mit der großen Trauerphase punkten. Im Rennen um Annas Herz sind aktuell Enrique Vegas und Tom Lanford – allein eine Dreiecksgeschichte rund um die Hauptfigur scheint also nicht zu ziehen. Zumindest nach den ersten zwei Wochen noch nicht.
Ob es für «Hand aufs Herz» überhaupt in eine neue Runde geht, ist derweil alles andere als klar. Bei der 18.00 Uhr-Serie krankte es in den ersten 99 Folgen vor allem im Detail. Die Serie ist für ein Schulformat vermutlich an der ein oder anderen Stelle zu realistisch gehalten. Das betrifft beispielsweise den Look der Serie. Die jungen Zuschauer finden sich schlicht in der tristen Realität einer grau-braunen Aula wieder – eine Aufhübschung des Sets könnte eine Art „Traumschule“ entstehen lassen, die möglicherweise einige Zuseher zum Format locken könnte. Erstaunlich und wenig gut für die Quote ist auch der große Anteil an Nacht-Szenen. In manchen Episoden finden drei Viertel der Bilder in Dunkelheit statt. «Hand aufs Herz» stinkt im Vergleich zum bunten «Anna und die Liebe» oder dem Primus «GZSZ» was die Farbigkeit angeht ohnehin schon ab – wieso die Serie dadurch also noch zusätzlich verdunkelt wird, ist ein großes Rätsel.
Was geplant ist? Am Dienstag läuft die 100. Folge mit der die Geschichte nun wohl erst so richtig losgehen soll, wie Hauptdarstellerin Vanessa Jung kürzlich betonte. An der Schule wird ein Skelett gefunden, man verdächtigt Bea nun des Mordes. Ein Fragezeichen steht derweil hinter dem Musikchor: In den ersten 70 Folgen erstaunlich am Rande behandelt, rückte er zuletzt etwas mehr in den Mittelpunkt – allerdings nicht mit wirklich guten Geschichten. Packt man nun den Mord-Komplott richtig an, dann könnten die Quoten in der Tat noch steigen, wenngleich man kräftig zulegen müsste. Nachdem «Hand aufs Herz» Ende Januar inhaltlich besser wurde und auch die Quoten auf durchschnittlich 9,3 Prozent stiegen, ging es bislang im Februar in beiden Punkten wieder bergab. Die vergangene Woche schloss die Daily mit dem drittschlechtesten Wochenschnitt überhaupt: 8,1 Prozent. Sonderlich groß sind die Chancen für «Hand aufs Herz» vermutlich nicht mehr. • Sat.1
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