Mit großer Macht kommt große Verantwortung. Spätestens seit Sam Raimi im Jahre 2002 seine Version des Superhelden Spider-Man lebendig werden ließ, ist das Mantra der Spinne dem überwiegenden Teil von Filmbegeisterten bekannt – Comicfan hin oder her. Ohnehin mussten Gegner der übernatürlichen Welten, erschaffen von Autoren der Verlage Marvel und DC Comics, im vergangenen Jahrzehnt so einiges über sich ergehen lassen. Nicht, dass das bedeutet, es wäre ein Ende in Sicht. Ganz im Gegenteil: Die federführenden Studios legen gerade erst richtig los und setzen alle Hoffnung in die Verfilmungen des nächsten Jahres, darunter «Thor», «Green Lantern» und «Captain America». Größer, höher, weiter – es ist kein Flugzeug, sondern Superman!
Zweifellos, im Rahmen des neuen Millenium hat sich mit den Comicgeschichten eine Tür geöffnet, die unbegrenztes Material birgt und den Fanboy in mir entzwei spaltet. Einerseits beschränkt sich das Phänomen nicht einmal auf die Superheldentitel, sondern lässt auch fantastische Arbeiten wie David Cronenbergs «A History of Violence» entstehen, das auf der gleichnamigen Graphic Novel basiert. Und man stelle sich nur vor, «Sin City», «Iron Man», «300», «The Dark Knight» und «Watchmen» hätten nie ihren Weg in die Lichtspieltheater gefunden. Andererseits lassen sich bei diesem bahnbrechenden Erfolg die Dollarzeichen aus den Augen der Studiobosse nicht mehr wegdenken – das Rennen könnte längst nur noch um des Rennens Willen geführt werden. Konkret heißt das: Die Comicverfilmungen 2011 verkommen mehr und mehr zur Hype-Maschine, um schlussendlich als großes Sprungbrett für «The Avengers» bzw. in fener Zukunft «The Justice League» zu dienen, die den Kinokassen dann höchstpersönlich den Overkill verpassen sollen. Es gibt zu diesem Zeitpunkt allerdings noch immer genug Gründe, der Vorfreude nachzugeben, sei es das Engagement von Joss Whedon als «The Avengers»-Regisseur oder schlicht der großartige «Thor»-Trailer, den die Comic Con in San Diego mit sich brachte.
Sein «The Dark Knight» funktioniert deshalb auch ganz anders als die übliche Comicverfilmung: Es ist eine Story um verrückte Figuren, die Mafia, Liebe und Selbstzweifel – der Screenplay hätte auch ohne den Namen Bruce Wayne Anklang gefunden. Das ist auch der Grund dafür, dass Christian Bale nie einen Oscar für seine Darstellung bekommen würde. Er spielt den Rächer routiniert gut und authentisch – aber es bleibt nur der Rächer. Als George Clooney 1997 in das schwarze Kostüm schlüpfte, wurde er als Batman belächelt – obwohl nie jemand daran zweifeln würde, dass Clooney ein fantastischer Schauspieler ist. Helden wie der dunkle Ritter wurden über die Jahrzehnte von hunderten Autoren der Branche unterschiedlich interpretiert – Nolan hat seine Sichtweise nur zu Film gebracht. Dieses Prinzip wurde in der Vergangenheit zu oft vergessen und brachte so halbgare und herzlose Filme wie «Superman Returns» hervor, die nur die Welle des Hypes gesucht haben, nicht aber die des Helden.Concept Art zum kommenden «Captain America»-Film, der am 28. Juli 2011 in den Kinos anlaufen soll. Chris Evan wird Steve Rogers verkörpern, der dank eines Serums zu Captain America wird. In den Feuern des zweiten Weltkrieges ergreift er die Initiative.
Regie führt Joe Johnston («Jurassic Park 3»), das Drehbuch schreiben Christopher Markus und Stephen McFeely. Joss Whedon, der «The Avengers» iszeniert, wird das Skript vermutlich noch einmal überarbeiten.
Und was haben die beiden Goldgruben für die Zukunft in der Pipeline? Neben den «Avengers» und der «Justice League», setzt DC selbstverständlich auf sein bestes Pferd und bereitet alles für einen dritten «Batman»-Teil vor. Marvel werkelt indes an «Iron Man 3» und dem viel diskutierten Reboot des «Spider-Man»-Franchises. Bereits Ende 2011 kommt das von Matthew Vaughn realisierte «X-Men: First Class» in die Kinos, das Professor X und Magneto in ihren Anfangstagen begleiten soll. Letzterer erhält mit «X-Men Origins: Magneto» zusätzlich seinen eigenen Film. Neben den noch ungewissen Fortsetzungen von «Sin City» und «Kick-Ass», gibt es auch Platz für die C-Riege der Stars: «Ant-Man», «Namor», «Shazam» und «Luke Cage» bekommen ihr Stück des Kuchens. Nie von den Typen gehört? Damit stehen Sie nicht alleine da. Die Führungsetage hat sich einiges vorgenommen.
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