Statistisch gesehen

Das Geheimnis der verlorenen Zapper

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Die fünfte «Lost»-Staffel startete schlecht. Wir berechnen, wieviele echte Fans die Abenteuerserie überhaupt hat.

Statistisch gesehen würden 43,5 Prozent der Computernutzer ihr Notebook mit auf eine einsame Insel nehmen, würde man ihnen nur drei Stücke Gepäck erlauben. 17 Prozent nehmen es sogar mit auf's Klo. Andernorts träumt man von solchen Prozentwerten.

Viel Mut kann man kabel-eins-Geschäftsführer Jürgen Hörner für die Entscheidung jedenfalls attestieren, die fünfte Staffel von «Lost» um 21.15 Uhr laufen zu lassen. Viel Mut und vielleicht auch sogar ein bisschen Übermut, immerhin ist die Serie als jahrelanges Problemkind beim großen Bruder ProSieben durchgefallen und gilt als alles andere als einsteigerfreundlich. Es kam, wie es eigentlich kommen musste: auch kabel eins hatte zum Auftakt der neuen Staffel keine Freude an den Quoten. Und Besserung ist nicht zu erwarten.

Dabei sieht die Idee auf den ersten Blick gar nicht mal so schlecht aus: die vierte «Lost»-Staffel holte im Schnitt 7,6 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe, das war richtig schlecht für ProSieben, aber immer noch knapp ein Viertel über dem Senderdurchschnitt von kabel eins. Ein «Lost» in dieser Form würde kabel eins also helfen, seine Ergebnisse aufzupolieren. Leider – und mal abgesehen davon, dass die vierte Staffel um 22.15 Uhr und somit später als die aktuelle lief – klappt das so nicht.

Im vergangenen Jahr sendete kabel eins die sechste Staffel von «Cold Case» (Foto), das zuvor bei ProSieben noch auf einen Schnitt von 10 Prozent gekommen war. kabel eins kam mit der Serie jedoch nur noch auf 7,9 Prozent. Ähnliches passierte mit «24». Nachdem sich ProSieben die neuen Staffeln der Serie geangelt hatte, fiel man mit ihr prompt auf die Nase. Neun Prozent waren zu wenig und das hochgelobte Echtzeit-Drama wurde an kabel eins weitergereicht. Dort erntete die nächste Staffel nur noch sechs Prozent Marktanteil. Ob man es als Fan insbesondere solch komplexer Serien wie «24» oder «Lost» glauben mag oder nicht: Offenbar profitieren selbst diese auf den großen Sendern von Zappern, die nur einschalten, weil sie den Sender als erstes auf der Fernbedienung erwischen. Da stellt sich die interessante Frage: Wieviele Fans haben diese Serien denn nun eigentlich?

Nehmen wir einmal an, die Zuschauerzahlen respektive die Quoten setzen sich tatsächlich einfach zusammen aus einem konstanten Fan-Kern und den Gelegenheitszuschauern, einer Gruppe von Menschen, die sich täglich wahllos durchs Programm zappt, dabei die großen Sender öfter erwischt als die kleinen und sich so etwa entsprechend der Marktanteile der Sender auf diese verteilt – ein in gewissen Kreisen auch als „die RTL-Fernbedienung“ bekanntes Phänomen. Dann ergibt sich die Einschaltquote einer Serie folgendermaßen:



Das schöne an Serien, die auf zwei verschiedenen Sendern liefen ist dabei, dass wir für diese die beiden Unbekannten z (das ist der Anteil der Zapper unter den Fernsehnutzern) und die Fans berechnen können. Für die Serien, die auf ProSieben und kabel eins liefen, habe ich daraus die untere Formel in der Skizze erstellt, mit der sich die Größe der jeweiligen Fanschar berechnen lässt.

Demnach sind die Fans von «24» bloß für 3,1 Prozentpunkte der Quoten ihrer Serie verantwortlich – das heißt, knapp die Hälfte der Zuschauer sind Zapper. «Cold Case» kommt immerhin auf einen Stamm von 5,9 Prozentpunkten. Und Lost? Setzt man 5,45 Prozent, den Durchschnitt der beiden gestrigen Folgen, in die Formel ein, ergibt sich ein Fanstamm von 3,4 Prozentpunkten. Immerhin: auf 9 Live würde «Lost» mit so einem Zuschauerstamm Senderrekorde holen.

Klingt alles ziemlich komisch? Finde ich auch! Die wahre Fernsehwelt lässt sich eben nicht in ein so simples Modell verfrachten. Was ist mit den Fans, die auf Pay-TV oder DVDs umsteigen? Denjenigen, denen «Lost» einfach zu abgedreht wurde oder die ProSieben mit ewig neuen Sendeplätzen in die Flucht geschlagen hat? Was ist mit denen, die 9 Live längst aus ihrem Speicher gelöscht haben? Und gibt es für «Lost» eigentlich schon Public Viewing?

So müssen wir uns damit zufrieden geben, dass das mit den Zappern und den Fans wohl doch ein wenig komplizierter ist. Ist vielleicht auch besser so, denn sonst hätte sich Jürgen Hörner schon vorab schwarz auf weiß ausrechnen können, dass das mit «Lost» nicht klappen kann. Wäre schade gewesen.

Die TV-Sendungen, die die Deutschen am liebsten mit auf eine einsame Insel nehmen würden, sind laut Gewis Institut übrigens die «Tagesschau» und die «Sportschau». Kein Wunder: Wer braucht schon «Lost», wenn er es live erleben kann?

Oft steckt mehr hinter den Zahlen des TV-Geschäfts als man auf den ersten Blick sieht. Oder weniger. Statistisch gesehen nimmt sie unter die Lupe

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