Fernsehfriedhof

Der Fernsehfriedhof: «Geld für Dein Leben»

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Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 34: Wenn Pornostars eine Videokamera in die Hände bekommen.

Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir des Beginns einer neuen Fernsehära.

«Geld für Dein Leben» wurde am 27. Februar 2000 beim damaligen Noch-Frauensender tm3 geboren und startete damit zwei Tage vor der ersten Staffel von «Big Brother». Der klug gewählte Termin sorgte nicht nur dafür, dass das Format vom Werberummel und der umfassenden Diskussion um die RTL II-Sendung profitieren konnte, sondern dass es bis heute den Titel der ersten täglichen Reality-Show für sich beanspruchen kann. Interessanterweise stammten beide Produktionen aus dem Hause Endemol.

Für die Produktion wurden zahlreiche Kandidaten mit Videokameras ausgestattet, die ihr eigenes Leben filmen sollten – 24 Stunden am Tag. Die Redaktion wählte für die täglichen Zusammenfassungen jeweils die spannendsten Szenen aus. Dabei erhielt der Kandidat für jede Sekunde, die einer seiner Beiträge im Programm zu sehen war, zehn D-Mark. Es galt daher interessante und kuriose Szenen zu produzieren, um möglichst viel Geld zu verdienen. Sonntags wurden zusätzlich die Ereignisse der vergangenen sieben Tage zusammengefasst. In jeder Woche konnten die Zuschauer außerdem per Televoting entscheiden, welcher Kandidat am uninteressantesten war und damit die Sendung verlassen musste. Dieser erhielt das erspielte Geld ausgezahlt und wurde durch einen neuen Bewerber ersetzt.

Zu den Protagonisten der Show gehörten neben normalen Menschen auch einige skurrile Gestalten. Unter ihnen befand sich zum Beispiel die transsexuelle Tanja, die auf diese Weise ihren Alltag mit dem Publikum teilte. Darüber hinaus wurden auch einige Promi-Sternchen mit einer Kamera ausgestattet. So zeigte die Eiskunstläuferin Tanja Szewczenko, die später vor allem durch ihre Rollen bei «Unter Uns» und «Alles was zählt» bekannt wurde, was sie damals in ihrem Leben durchmachte. Zu den kuriosesten Teilnehmern zählte sicherlich der Möchtegern-Pornodarsteller Sachsen-Paule, der sich später in Sachsen-Haiko umbenannte und durch seine Teilnahme an «Big Brother» deutschlandweit bekannt wurde.

Die halbstündigen Tageszusammenfassungen liefen wochentags um 19.00 Uhr, während die Wochenrückblicke und das Voting sonntags um 18.15 Uhr ausgestrahlt wurde. Durch die Sendung führte Yared Dibaba, den die Produzenten zuvor in einem Werbespot für Reis entdeckt hatten.

Obwohl das Konzept recht vielversprechend klang, entstanden selten unterhaltsame Momente. Die meisten Szenen zeigten banale Situationen, die kaum eine Sendeberechtigung hatten. Dazu kam, dass die Kameraperspektiven nicht wechselten, da sich die Protagonisten selbst filmten und damit in der Bildgestaltung zu eingeschränkt waren. Am Ende sorgten die langweile Umsetzung, der unprominente Sender und letztlich die Dominanz von «Big Brother» für ein relativ schnelles Ende der Produktion.

«Geld für Dein Leben» wurde am 19. Mai 2000 beerdigt und erreichte ein Alter von rund drei Monaten. Die Show hinterließ den Moderator Yared Dibaba, der später den Platz von Eva Hermann an der Seite von Bettina Tietjen in der freitäglichen Talkshow vom NDR einnahm.

Möge die Show in Frieden ruhen!

Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs widmet sich dem Erotikquiz mit Jürgen Drews.

Kurz-URL: qmde.de/34614
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