Die Kritiker

«Gwendolyn»

von
Story
Die 17-jährige Gwendolyn hat es nicht leicht – und sie macht es sich auch nicht einfach. Sie ist sensibel und klug, denkt viel über das Leben nach, kann aber auch charmant und witzig sein. Das jedoch erleben nur ausgewählte Personen, ganz bestimmt jedoch nicht ihre Hauptkontrahentin Lara, Gwendolyns Mutter. Mutter und Tochter passen perfekt nicht zusammen. Lara lässt ihrer Tochter kaum Freiräume und meint es dabei doch „nur gut“. In Laras Ehe mit dem Fahrlehrer Kurt gibt es kaum noch positive Schwingungen. Kurt ist auf bequeme Weise liebenswürdig zu allen, aber auch etwas skurril und gegen eine Midlife-Crisis nicht gefeit.

Eigentlich kommen in der Familie alle kurz zu ihrem Wunsch nach Zuneigung. Gwendolyns neunjähriger Bruder Sascha, ein naturwissenschaftlich begabter Junge, versucht deshalb, mit seinem Chemiekasten Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und verursacht so manche Sprengstoffexplosion.

Ungemütlich ist auch die Beziehung zwischen Lara und Oskar Birnbaum, dem älteren Gemeindepfarrer. Für einen Priester ist Birnbaum ein merkwürdiger Mann, oft genervt von seinen Aufgaben. Lara nimmt jede Gelegenheit wahr, um gegen ihn zu intrigieren. Gwendolyn dagegen entwickelt langsam und behutsam eine Beziehung zu Oskar.
Eines Tages erscheint ein überraschender Besuch, der alle völlig durcheinander bringt: Heather, Laras Mutter, kommt aus Namibia angereist, wo sie jahrzehntelang lebte. Lara sprach kaum mit ihrer Mutter und es ist unübersehbar, dass sie ein schlechtes Verhältnis zu Heather hat. Nur zögerlich finden Lara und ihre Mutter einen Weg. Denn Heather passt in kein Klischee und überhaupt nicht zur Familie. Sie ist eine Provokantin. Gwendolyn kommt schließlich hinter das Geheimnis von Heathers Rückkehr.

Darsteller
Henriette Schmidt («Der blinde Fleck») ist Gwendolyn
Mo Schwarz ist Heather
Detlef Bothe («FC Venus») ist Kurt Buck
Catherine Flemming («Charlotte Link: Die Täuschung») ist Lara Buck
Hayo Bertram («Kurhotel Alpenglück») ist Leon
Jessica Richter («Kometen») ist Nadine
Dieter Kirchlechner («Neue Freunde, neues Glück») ist Oskar Birnbaum
Lars Lünebach ist Sascha Buck
Raffaele Bonazza ist Wolfi

Kritik
«Gwendolyn» ist von Anfang bis Ende ein Debakel im Avantgarde-Stil. Die Charaktere sind uninteressant und ihr Handeln ist vorhersehbar. Lediglich die Hauptfigur hat wenigstens ansatzweise etwas Konfliktpotential und emotionale Tiefe, doch diese kommt allenfalls episodisch vor und insgesamt ist auch die Figur der Gwendolyn gehörig misslungen. Das Handeln der Charaktere bleibt stets unglaubwürdig und stumpfsinnig.

Konflikte gibt es nicht wirklich. Gut, Heather liegt im Sterben, was der Zuschauer, wenn er nicht zum ersten Mal einen Film des Bayerischen Rundfunks sieht, leicht vorhersagen kann; aber das war es dann auch schon. Die Familie kommt nicht miteinander aus und Gwendolyn ist mit der Gesamtsituation unzufrieden. Wieso sollte man etwas so Banales und Lächerliches sehen wollen?

Interessant ist natürlich, dass der «Gwendolyn» mit der Materie Film sehr spielerisch umgeht und dadurch versucht, die inhaltliche Dürftigkeit und die Unfähigkeit der Schauspieler zu kompensieren. Doch diese Taktik wird vom Zuschauer schnell durchschaut und mit interessanten und ungewöhnlichen Aufnahmen lässt sich leider kein miserables Drehbuch retten. Die Dialoge sind grässlich und die Darsteller maßlos überfordert, das ständige sinnentleerte Gelaber mit wenigstens einem Quäntchen Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe zu füllen.

Insgesamt ist «Gwendolyn» daher von vorn bis hinten misslungen und dramaturgisch gesehen ein einziges Desaster. Zuschauer mit Geschmack werden nach spätestens zehn Minuten abschalten.

Das Bayerische Fernsehen zeigt «Gwendolyn» am Sonntag, 25. November 2007, um 14.05 Uhr.

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