Vermischtes

«Paranoia in Hollywood»: ARD erzählt vom Schicksal deutscher Exilkünstler

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Jan Jekals für den Leipziger Buchpreis nominiertes Sachbuch wird zum Hörbuch. Die Geschichte führt von der Flucht vor den Nazis zur Kommunistenverfolgung.

Hollywood war für zahlreiche deutsche Künstler und Intellektuelle in den 1930er- und 1940er-Jahren ein Zufluchtsort. Während das nationalsozialistische Regime in Europa immer mehr Menschen verfolgte und ins Exil zwang, fanden Persönlichkeiten wie Bertolt Brecht, Billy Wilder und Thomas Mann in Kalifornien eine neue Heimat. Doch die vermeintliche Sicherheit hielt nicht dauerhaft an. Mit «Paranoia in Hollywood – Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten» beschäftigt sich Kulturjournalist Jan Jekal mit einem wenig beachteten Kapitel der amerikanischen Film- und Kulturgeschichte. Ab Montag, den 30. November 2026, ist die Hörbuchfassung seines gleichnamigen Sachbuchs bei ARD Sounds verfügbar.

In Stadtteilen wie Santa Monica, Pacific Palisades und Beverly Hills entstand während der nationalsozialistischen Herrschaft eine bemerkenswerte Gemeinschaft europäischer Künstler. Schriftsteller, Regisseure, Komponisten und andere Intellektuelle versuchten, in den Vereinigten Staaten beruflich und persönlich Fuß zu fassen. Die Region wurde zeitweise als „Weimar am Pazifik“ bezeichnet, weil sich dort zahlreiche Vertreter der deutschsprachigen Kultur versammelten. Besonders Hollywood bot einigen von ihnen die Möglichkeit, ihre künstlerische Arbeit fortzusetzen. Billy Wilder etwa entwickelte sich in den Vereinigten Staaten zu einem der bedeutendsten Regisseure und Drehbuchautoren seiner Zeit.

Allerdings veränderte sich das politische Klima nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend. Mit dem Beginn des Kalten Krieges wuchs in den Vereinigten Staaten die Angst vor kommunistischer Einflussnahme. Die als „Red Scare“ bekannte antikommunistische Kampagne erfasste insbesondere die amerikanische Unterhaltungsindustrie. Filmschaffende, Autoren und andere Künstler gerieten unter politischen Verdacht, wurden verhört oder mussten um ihre berufliche Existenz fürchten. Die Untersuchungen des Ausschusses für unamerikanische Umtriebe und die später mit Senator Joseph McCarthy verbundene Verfolgungswelle prägten diese Epoche.

Gerade für jene Menschen, die zuvor vor politischer Unterdrückung aus Deutschland geflohen waren, entstand dadurch eine widersprüchliche Situation. Das Land, das ihnen Schutz vor den Nationalsozialisten geboten hatte, begegnete ihnen nun teilweise selbst mit Misstrauen. Besonders Bertolt Brecht geriet in den Fokus der amerikanischen Ermittler. Der Dramatiker musste sich 1947 vor dem Ausschuss für unamerikanische Umtriebe verantworten und verließ anschließend die Vereinigten Staaten. Auch andere Filmschaffende erlebten, wie politische Verdächtigungen ihre Arbeit und ihr gesellschaftliches Ansehen beeinflussten.

Jan Jekal zeichnet in seinem Buch nach, wie eng die Geschichte des europäischen Exils mit der Entwicklung Hollywoods verbunden war. Dabei geht es nicht nur um bekannte Namen, sondern auch um die politischen Rahmenbedingungen, unter denen Kunst und Unterhaltung entstanden. Die Erfahrungen der Emigranten zeigen, wie schnell sich gesellschaftliche Stimmungen verändern können und welche Auswirkungen politische Kampagnen auf die Freiheit künstlerischer Arbeit haben. Gleichzeitig wird deutlich, dass die amerikanische Filmindustrie von den Erfahrungen und Fähigkeiten der europäischen Einwanderer erheblich profitierte.

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