Auch die dritte Staffel bleibt dank Kristen Bell, Adam Brody und vieler starker Einzelmomente sehenswert, doch die Geschichten wirken häufig zu konstruiert und hätten von einer stärker horizontal erzählten Handlung deutlich profitiert.
Mit «Nobody Wants This» hat Netflix eine wunderbare Serie im Portfolio. In den vergangenen zwei Jahren durften die Abonnenten die Höhen und Tiefen von Joanne (Kristen Bell) und Noah (Adam Brody) erleben. Doch die Autoren um Erin Foster spielten in den ersten beiden Runden das gleiche Spiel: Mit der neunten und zehnten Folge wurden religiöse Probleme konstruiert, die schließlich zur Trennung des Pärchens führten.
Die neue Staffel von «Nobody Wants This» beginnt mit der Episode „Es ist perfekt“, in der das Paar zusammengezogen ist. Die beiden entdecken allerdings die nervigen Angewohnheiten des jeweils anderen, weshalb sich Joanne beispielsweise Ausreden überlegt und aus dem Haus flüchtet. Rabbi Noah kommt dies allerdings seltsam vor und ertappt seine Traumfrau. Statt einen Ehekrach anzuzetteln, zeigt sich Noah verständnisvoll und bittet Joanne einfach darum, solche Dinge künftig offen anzusprechen. Das sind die Momente, für die man die Netflix-Serie liebt.
In der Geschichte „Einweihungsparty“ bekommen die Zuschauer Joannes Ex-Freund Travis (Avan Jogia) vorgestellt. Natürlich weiß der Zuschauer, dass es nicht bei einer einzigen Begegnung bleiben wird. Dafür ist das Drehbuch von Liz Elverenli nicht raffiniert genug geschrieben. Noah und Joanne ärgern sich über die Mülltonnen des Nachbarn, die in ihrer Einfahrt stehen. Mit der Holzhammer-Methode wird Travis eingeführt, damit er schließlich gegen Ende der Staffel eine weitere Folge bekommt. Damit wären wir auch schon beim eigentlichen Problem der Serie: Zwar ist jede Geschichte toll, allerdings liegt der Fokus immer auf den einzelnen Storys. Sarah Silverman mimt beispielsweise Rabbi Eden – und das sehr gut. Allerdings gibt es Unstimmigkeiten zwischen Noah und Eden, die am Ende der Episode wie von Zauberhand wieder verflogen sind. Es gibt nur wenige Momente, in denen sich ein roter Faden erkennen lässt.
Joanne und Noah planen schließlich ihre Hochzeit – und damit kann es auch nicht schnell genug gehen. Bina (Tovah Feldshuh) und Ilan Roklov (Paul Ben-Victor) mischen sich stetig in die Planung der Feierlichkeiten ein. So kommt es, dass die gewünschte Hochzeitslocation für die gesamte Entourage zu klein ist und man deshalb eine Streichliste anlegt. Die Mutter verlegt die Hochzeit allerdings kurzerhand in das eigene Domizil. Das Haus wirkt auch nicht gerade so üppig, als würden dort 300 Personen Platz finden. Außerdem fehlt die kreative Storyline: Könnten die anderen Gäste nicht auch in umliegenden Hotels untergebracht werden? Vermutlich, aber es muss ja schließlich Drama her.

• Nobody Wants This • The Good Place • Veronica Mars • Die Eiskönigin
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