Wer Männern die Rettung ihrer Männlichkeit verspricht, hat die Grenze vom Haarstyling zum Geschäft mit der Verunsicherung bereits überschritten. Genau mit dieser Botschaft tritt Don Quiff bei «Die Höhle der Löwen» an. Das Haarwachs soll stylen, die Haarwurzeln stärken und UV-Schutz bieten. Judith Williams und Frank Thelen vereinbaren in der Sendung einen Deal: 120.000 Euro für 30 Prozent der Firmenanteile. Das ist ein Vertrauensvorschuss in ein Geschäftsmodell. Einen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis sollte das Publikum darin keinesfalls sehen.Die Produktgeschichte klingt zunächst einleuchtend: Ein Shampoo wird ausgespült, ein Haarwachs bleibt über Stunden im Haar. Don Quiff wirbt entsprechend mit der längeren Kontaktzeit seines koffeinhaltigen Stylingprodukts. Dazu kommen unter anderem Biotin und Ectoin. Doch zwischen einer plausibel klingenden Erklärung und einem nachgewiesenen Nutzen gegen erblich bedingten Haarausfall liegt die entscheidende Frage: Was bewirkt dieses konkrete Produkt tatsächlich auf den Köpfen seiner Anwender? Eine längere Verweildauer ist für sich genommen noch kein Beleg für mehr Haarwachstum.
Dabei wäre auch das pauschale Gegenurteil, Koffein bringe grundsätzlich nichts, wissenschaftlich zu bequem. Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit wertete neun klinische Studien aus und fand Hinweise auf positive Effekte. Allerdings stuften die Autoren die Evidenz nur bei drei Studien als mittel, bei den übrigen als niedrig oder sehr niedrig ein. Bemängelt wurden unter anderem fehlende Kontrollgruppen und unzureichende Angaben zur Koffeinkonzentration. Das rechtfertigt weitere Forschung. Einen Freifahrtschein für beliebige koffeinhaltige Haarprodukte liefert es nicht.
Auch die Behauptung, gegen erblich bedingten Haarausfall helfe ausschließlich Finasterid, wäre falsch. Neben Finasterid gehört beispielsweise äußerlich angewendetes Minoxidil zu den etablierten Behandlungen. Beide können helfen, beide haben Grenzen und mögliche Nebenwirkungen. Bei Finasterid sind unter anderem sexuelle Funktionsstörungen bekannt; die europäische Arzneimittelbehörde bestätigte zudem Suizidgedanken als mögliche Nebenwirkung finasteridhaltiger Tabletten. Die Häufigkeit ist unbekannt. Solche Risiken verlangen eine sorgfältige ärztliche Abwägung. Sie machen ein kosmetisches Alternativangebot aber nicht automatisch wirksam.
Bemerkenswert ist deshalb, dass die entscheidende Nachfrage in der Sendung durchaus gestellt wurde. Dem veröffentlichten Sendungsbericht zufolge verlangte Carsten Maschmeyer eine bestätigende Studie; eine solche konnten die Gründer im Pitch nicht vorlegen. Williams und Thelen entschieden sich dennoch für das Angebot. Natürlich dürfen Investoren auf eine Marke, ihre Vermarktung und deren wirtschaftliches Potenzial setzen. Nur sollte das Publikum erkennen können, worauf sich ihre Zuversicht stützt. Verkaufbarkeit und nachgewiesene Wirksamkeit sind zwei unterschiedliche Prüfungen.
Genau hier trägt «Die Höhle der Löwen» Verantwortung. Die Sendung lebt davon, dass erfahrene Unternehmer Angebote prüfen, Schwachstellen erkennen und kritisch nachfragen. Wenn anschließend ein Deal zustande kommt, kann aus dieser Inszenierung beim Zuschauer leicht der Eindruck entstehen, auch die Produktversprechen hätten eine gründliche Prüfung bestanden. Bei Angeboten, die Hoffnungen gegen Haarausfall wecken, reicht deshalb eine kritische Nachfrage als dramaturgische Zwischenstation nicht aus. Die offene Beweisfrage gehört ebenso deutlich ins Ergebnis wie die ausgehandelte Beteiligung.







«Der König der Löwen» zum Feiertag: Zog die Kabel-Programmierung?
Primetime-Check: Samstag, 3. Oktober 2026

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