«next BITE» schaut in die Zukunft und mixt Zutaten, die man selten so serviert bekommt: Wir zeigen Menschen, die die Ernährung von morgen längst ausprobieren, enttarnen hartnäckige Ernährungsmythen, werfen einen Blick über den Tellerrand in andere Länder und haben mit mir schließlich einen Moderator am Start, der mittendrin is(s)t, statt nur zuzuschauen.
Wir fragen weiter: Wer hat für bestimmte Ernährungsprobleme, die uns alle beschäftigen, eigentlich schon Lösungsideen? So sind wir zum Beispiel auf Lupinen-Tempeh gestoßen oder haben mitten in Berlin wilde Brennnesseln geerntet. Mit «next BITE» haben wir bewusst den Ansatz des konstruktiven Journalismus gewählt, um zu zeigen, wer Lösungen schon lebt, statt nur die Missstände zu beklagen.
Meine Rolle dabei ist die des neugierigen Interviewers und Mitmachers. Mir macht es großen Spaß, mich in Situationen und Gespräche reinfallen zu lassen, ohne zu wissen, wo genau wir damit landen werden. Als Wissensvermittler gehe ich auf Erkenntnisreise genau wie unsere Zuschauer. Da lerne ich übrigens auch immer wieder Unerwartetes über mich selbst, wie zum Beispiel in unserer Proteinfolge, in der mir klar wird, dass meine Ruderfähigkeiten echt noch ausbaufähig sind.
Die erste Folge stellt die These „Gutes Essen geht auch günstig“ auf. Sie versuchen gemeinsam mit einer Auszubildenden, mit 50 Euro eine Woche lang auszukommen. Hat sich während des Drehs Ihr eigener Blick darauf verändert, wie realistisch Empfehlungen für gesunde Ernährung bei einem sehr begrenzten Budget tatsächlich sind?
Unser Experiment hat gezeigt, was viele Ratgeber, die Tipps zum günstigen Einkaufen geben, unter den Tisch fallen lassen: Wer mit schmalem Budget gesund und bezahlbar einkaufen möchte, braucht vor allem auch Zeit! Preise vergleichen, Zutaten geschickt aufeinander abstimmen, verschiedene Supermärkte abklappern, Angebote checken, smart vorkochen etc. Diese Zeit im Alltag zu finden, ist gar nicht so einfach. Und man braucht auch fundiertes Wissen darüber, welche günstigen Zutaten uns wirklich guttun und wo wir sie finden. Mein Fazit: Gesund und bezahlbar kann funktionieren, es kostet aber Zeit und man muss sich wirklich reinfuchsen.
Bei Ernährungstipps entsteht schnell der Eindruck, der Einzelne müsse lediglich besser planen, kochen und einkaufen. Besteht dabei die Gefahr, ein strukturelles Problem steigender Lebensmittelpreise zur individuellen Verantwortung der Verbraucher zu machen?
Ich finde es einerseits total wichtig, dass wir uns mit unserer Ernährung aktiv auseinandersetzen, sie gestalten und dafür auch Verantwortung übernehmen – und damit auch für unseren Körper und unsere Umwelt. Das Bewusstsein dafür ein bisschen hochzuschrauben, tut uns allen sicher gut. Andererseits ist für mich aber auch klar: Gesundes Essen darf gesellschaftlich nie zur Klassenfrage werden – die Lösung auf steigende Kosten darf nicht ausschließlich in die persönliche Verantwortung des Einzelnen abgeschoben werden. Die großen Stellschrauben liegen oft woanders – bei Politik, Handel und Industrie.
Sie gehen unter anderem Kräuter sammeln und kochen aus Lebensmittelresten. Sind solche Lösungen tatsächlich alltagstauglich für Menschen mit wenig Geld und wenig Zeit oder zeigen sie eher, wie viel Kreativität inzwischen notwendig sein kann, um günstig und trotzdem abwechslungsreich zu essen?
Wir werfen einen ganzheitlichen Blick auf das Thema Ernährung. Bei über sechs Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen in Privathaushalten in Deutschland ist das Zero-Waste-Kochen, was wir zeigen, vor allem ein echter Hebel, um Ressourcen zu schonen. Und im Alltag kann es hier und da helfen, auch ein bisschen zu sparen und uns den Wert unserer Lebensmittel nochmal bewusster zu machen. Das gilt auch für das Kräutersammeln, bei dem ich vor allem gelernt habe, das einheimische Zutaten hochpreisiger Importware, wie zum Beispiel Chiasamen, in nichts nachstehen müssen. Wir wollen Wissensbausteine zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Ernährung liefern, die sogar Spaß machen können.
In Dänemark lernen Kinder Kochen als Pflichtfach und in Kopenhagen werden Tausende Schulkinder mit Bio-Mahlzeiten versorgt. Hat Sie der Blick nach Dänemark auch fragen lassen, ob Deutschland Ernährung noch zu stark als private Angelegenheit und zu wenig als Bildungs- und Gesellschaftsaufgabe betrachtet?
Klares Ja! In Dänemark ist Kochen landesweit Pflichtfach – in Deutschland ist Ernährungsbildung bis heute kein eigenes Fach, sondern bestenfalls ein paar Stunden Hauswirtschaft, die je nach Bundesland, Schulform und Engagement der Lehrkraft umfangreich ausfallen oder eben nicht. Ich mache seit Jahren auch Kinder- und Jugendfernsehen fürs ZDF, bin dafür immer wieder an Schulen unterwegs und sehe, wie unterschiedlich das Thema behandelt wird. Selbst die Bundeszentrale für Ernährung kritisiert, dass angehende Lehrkräfte im Studium zu wenig über Ernährung lernen – wie sollen sie es dann im Unterricht vermitteln? Für mich ist das eine echte Bildungsgerechtigkeitsfrage: Ob ein Kind lernt, sich gesund zu ernähren, darf nicht vom Wohnort oder vom Schultyp abhängen. Kochen und Ernährung gehören für mich genauso zu den Grundkompetenzen wie Rechnen, Schreiben und Lesen - und damit auch auf den Stundenplan.
Mit „Gemüse auf Rezept“ zeigt der Film ein Projekt, das gesunde Lebensmittel gezielt zugänglich machen möchte. Wie wichtig war Ihnen, bei «plan b: next BITE» nicht nur Tipps für einzelne Zuschauer zu präsentieren, sondern auch nach Lösungen zu suchen, die auf gesellschaftlicher Ebene funktionieren könnten?
Das ist genau das Spannende am Thema Ernährung, es gibt diese verschiedenen Dimensionen, die ineinandergreifen. Klar, es betrifft in erster Linie jeden Einzelnen und den eigenen Körper ganz direkt. Aber es ist eben auch ein gesamtgesellschaftliches Thema mit Auswirkungen auf den gesamten Planeten. Bei einer noch immer wachsen Weltbevölkerung müssen wir den großen Blick darauf werfen und uns fragen: Welche Ideen können helfen, dass in Zukunft alle sicheren Zugang zu guten Nahrungsmitteln haben. Uns war wichtig, auch die großen Fragen zu stellen und nicht bei Rezepttipps stehen zu bleiben.
Die zweite Folge widmet sich dem Protein-Hype. Proteinpudding, Riegel, Chips oder Shakes werden inzwischen weit über die Fitnessszene hinaus vermarktet. Waren Sie überrascht, wie groß die Lücke zwischen dem Marketing solcher Produkte und dem tatsächlichen Proteinbedarf eines durchschnittlichen Menschen sein kann?
Ich bin ehrlich: Auch über mich ist die Proteinwelle in den vergangenen Monaten geschwappt. Man kann sich dem ja praktisch kaum noch entziehen. Und ich erwische mich dabei, dass ich im Alltag vor meinem Mittagessen sitze und denke: Soll ich da jetzt noch ein Spiegelei drauflegen oder nicht? Im Verlauf unserer Dreharbeiten hat es mich da schon beruhigt zu erfahren, dass wir in den allermeisten Fällen genug Proteine über eine gute, ausgewogene Ernährung abbekommen, ohne all die Zusatzprodukte. Es lohnt allerdings schon, sich über den eigenen Proteinbedarf mal ein bisschen Gedanken zu machen. Denn wer sehr aktiv oder älteren Semesters ist, kann vielleicht ein bisschen mehr vertragen und gönnt sich einen Löffel Linsen zusätzlich. An den Bedarf der Ruderprofis, mit denen wir gedreht haben, kommen wir Normalos aber sicher nicht ran: Die brauchen rund 6000 Kalorien täglich, da wird Essen echt zur Arbeit.
Sie lassen Ihren persönlichen Proteinbedarf bestimmen und versuchen anschließend, ihn mit normalen Lebensmitteln zu decken. Warum war Ihnen dieses Selbstexperiment wichtig – lässt sich Wissenschaft im Fernsehen leichter vermitteln, wenn Sie selbst zum Versuchsobjekt werden?
Für mich ist klar: Gutes Wissensfernsehen funktioniert vor allem auch über das Erleben, nicht nur übers Erklären. Eine Zahl wie „ich brauche täglich X Gramm Eiweiß“ bleibt abstrakt – aber wenn ich als Reporter vor der Müslibar stehe und mir über den Unterschied zwischen Skyr und Joghurt klar werden muss oder die Pilzbällchen aus dem Labor probiere, wird daraus eine Geschichte, die sich nachvollziehen lässt. Mein Credo: Wissen, das man auch erlebt, bleibt besser hängen – und macht im Übrigen auch jede Menge Spaß.
Bei möglichen Proteinquellen der Zukunft reicht die Sendung von Lupinen-Tempeh über Wasserbüffelfleisch bis zu Pilzbällchen aus dem Labor. Nach welchen Kriterien beurteilen Sie in der Reihe, ob eine Innovation wirklich eine sinnvolle Lösung sein könnte und nicht lediglich der nächste Ernährungstrend ist?
Wir schauen uns verschiedene Bereiche an, in denen die Ideen unserer Protagonisten wirken können. Zum einen interessiert uns, was die Auswirkungen auf unseren Planeten sind. Also wieviel Ressourcen werden benötigt beziehungsweise geschont und macht das auch Sinn im Vergleich zu dem, was es bereits gibt. Hier angebaute Lupinen schneiden da zum Beispiel deutlich besser ab als importiertes Soja oder klassisches Fleisch.
Zum anderen schauen wir aber auch, wie groß der Nutzen für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden ist. In Pilzmyzel stecken mehr Ballaststoffe und weniger gesättigtes Fett als in Fleisch, das ist handfester Mehrwert und nicht nur ein cleveres Label.
Auch die Skalierbarkeit interessiert uns, also lässt sich etwas wirklich in großem Stil umsetzen, oder bleibt es ein Nischenprodukt für Food-Nerds? Beim Wasserbüffelfleisch kann man diese Frage stellen, wir fanden das Projekt aber dennoch spannend, da die Tiere sozusagen „nebenbei“ auch noch die Landschaft pflegen und somit die Einbettung in die Umwelt mitgedacht wird. Bei den Menschen und Projekten, die wir uns anschauen, interessiert uns also wirklich, wieviel Substanz dahintersteckt.
Skyr wird in Deutschland als modernes „Superfood“ vermarktet, obwohl das Lebensmittel in Island eine jahrhundertealte Tradition besitzt. Zeigt dieses Beispiel auch, wie stark unsere Vorstellung von gesunder Ernährung inzwischen durch Marketingbegriffe und Trends geprägt wird?
Absolut. Skyr ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie sehr unser Bild von gesunder Ernährung inzwischen durch Marketing beeinflusst wird – und nicht durch das Lebensmittel selbst. Wir müssen uns bewusst machen: Ein Lebensmittel wird nicht automatisch dadurch gesund, dass plötzlich „High Protein“ oder „fettarm“ draufsteht – dafür aber oft deutlich teurer. Ich halte es für hoch problematisch, wenn Marketing zunehmend mit darüber entscheidet, was wir für gesund halten, nicht Wissenschaft oder gesunder Menschenverstand. Mit unserem Ernährungsmythencheck in jeder Folge wollen wir da auch ein bisschen gegensteuern und klarmachen: Wir sollten nicht jedem Etikett glauben, sondern genauer hinschauen, was wirklich drinsteckt.
Ernährung ist mittlerweile ein erstaunlich emotionales Thema: Fleisch, vegane Ernährung, Zucker oder Nahrungsergänzung können schnell zu regelrechten Glaubensfragen werden. Wie schwierig ist es für Sie als Wissenschaftsjournalist, zwischen widersprüchlichen Studien, Ernährungstrends und teilweise sehr überzeugten Lagern Orientierung zu geben?
Manchmal ist das eine Herausforderung, das stimmt. Gerade bei Themen wie Fleisch, veganer Ernährung oder Nahrungsergänzungsmitteln schlagen die Emotionen schnell höher als die Fakten, und aus Diskussionen werden fast schon Glaubensfragen. Meine Strategie ist dabei eine im besten Sinne journalistische: Ich versuche, mich konsequent auf die Fakten zu konzentrieren und die Emotion rauszulassen – auch wenn eine Antwort dadurch manchmal weniger eindeutig ausfällt, als sich das jeweils überzeugte Lager vielleicht wünschen würde. Und für unsere Sendungen spreche ich bewusst mit Menschen, die echte Expertise in den jeweiligen Bereichen haben, statt auf das aufzuspringen, was gerade am lautesten durchs Netz schallt. Also: Fakten statt Gefühl, Fachleute statt Lagerdenken, um seriös Orientierung zu geben.
«plan b: next BITE» möchte ausdrücklich Lösungen zeigen und dabei „ganz ohne erhobenen Zeigefinger“ auskommen. Gerade bei Gesundheit und Nachhaltigkeit liegt Moralisierung allerdings schnell nahe. Wie wollen Sie verhindern, dass Zuschauer nach einer Folge das Gefühl haben, ihnen werde vorgeschrieben, was sie essen dürfen – und woran würden Sie merken, dass die Reihe ihr Ziel erreicht hat?
Wir vermeiden den „Zeigefinger“, indem wir einfach jede Menge Lust aufs Ausprobieren machen. Niemandem bekommt bei uns gesagt, was er essen soll – wir zeigen Menschen, die für sich schon gute Lösungen gefunden haben oder Ideen für die Allgemeinheit nach vorne bringen. Es bleibt den Zuschauern überlassen, zu entscheiden, was davon zu ihnen passt und wie sie es für sich einordnen wollen. Wenn am Ende hängen bleibt „Das war spannend, vielleicht probiere ich das mal…“, dann haben wir es geschafft, den Blick ein wenig zu weiten und Lust auf Neues zu machen. Veränderung fängt nicht beim Verzicht an, sondern bei der Neugier!
«plan b: next BITE» ist am Sonntag, 11. Oktober, um 15.30 Uhr im ZDF zu sehen. Die Dokumentation wird seit 8. Oktober gestreamt.







«Promi Big Brother»: Was kann die Show noch im Jahr 2026?
David Attenborough kehrt mit «Blue Planet III» zurück

Produktionsassistenz (w/m/d)
TV Producer Live Shopping (m/w/d)




Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel