Pixelpunkt: Endlich ein neues «The Movies»? «Super Movie Tycoon»

20 Jahre nach «The Movies» versucht «Super Movie Tycoon» erneut, Spieler zum Hollywood-Mogul zu machen – allerdings steht diesmal das Management stärker im Mittelpunkt.

Es gibt Spiele, deren Verschwinden eine erstaunlich große Lücke hinterlässt. «The Movies» gehört definitiv dazu. Lionhead Studios veröffentlichte die Wirtschaftssimulation 2005 und ließ Spieler ihr eigenes Hollywood-Studio errichten, Schauspieler zu Stars machen und schließlich tatsächlich eigene Filme drehen. Das Besondere war die Kombination: «The Movies» funktionierte als Wirtschaftssimulation, gleichzeitig aber auch als erstaunlich umfangreicher virtueller Filmkasten. Die produzierten Werke konnten sogar exportiert werden. Einen echten Nachfolger bekam der Titel nie.

Kein Wunder also, dass nahezu jede neue Filmstudio-Simulation irgendwann mit Peter Molyneux' Klassiker verglichen wird. «Super Movie Tycoon» bildet dabei keine Ausnahme. Das Spiel von Yuedong Game erschien Ende Oktober 2025 und verspricht bereits mit seinem Grundkonzept genau jene Fantasie, die «The Movies» vor zwei Jahrzehnten bediente: Vom Drehbuch bis zur Leinwand soll ein eigenes Filmunternehmen aufgebaut und Hollywood erobert werden.

Zunächst beginnt allerdings alles deutlich weniger glamourös. Ein Filmimperium braucht Platz, Mitarbeiter und eine funktionierende Infrastruktur. Spieler schalten neue Grundstücke frei und teilen ihr Studio in verschiedene Abteilungen auf. Die räumliche Planung ist keineswegs reine Dekoration. Kurze Wege und sinnvoll angeordnete Arbeitsbereiche sollen die Filmproduktion effizienter machen. Aus einem kleinen Unternehmen wächst auf diese Weise nach und nach eine regelrechte Traumfabrik.

Im Mittelpunkt steht selbstverständlich die Produktion der Filme. Ein Projekt beginnt mit einer Idee beziehungsweise einem Drehbuch und durchläuft anschließend unterschiedliche Produktionsschritte. Personal muss zusammengestellt, Ausstattung bereitgestellt und die eigentliche Herstellung organisiert werden. «Super Movie Tycoon» möchte den Spieler dabei gleichzeitig zum Produzenten, Regisseur und Studiochef machen. Statt lediglich auf einen Knopf mit der Aufschrift „Film produzieren“ zu drücken, soll hinter einem erfolgreichen Blockbuster ein funktionierendes Unternehmen stehen.

Das erinnert zwangsläufig an «The Movies». Auch dort musste ein Studiogelände aufgebaut, Personal eingestellt und die Karriere der eigenen Stars verwaltet werden. Lionhead ging allerdings noch einen entscheidenden Schritt weiter: Spieler konnten ihre Filme selbst gestalten. Sets, Schauspieler und Szenen wurden ausgewählt und mit dem erweiterten Filmeditor ließen sich daraus individuelle kleine Werke bauen. Gerade diese kreative Komponente war ungewöhnlich umfangreich und ist ein wesentlicher Grund dafür, dass sich Fans noch heute an den Titel erinnern.

«Super Movie Tycoon» setzt seine Schwerpunkte anders. Zwar dreht sich ebenfalls alles um die Herstellung von Filmen und die Gestaltung des Studios, doch das Management der Produktionsmaschinerie nimmt deutlich mehr Raum ein. Personal, Arbeitsabläufe, Räume und wirtschaftliche Entscheidungen greifen ineinander. Damit nähert sich das Spiel teilweise eher klassischen Tycoon-Titeln an. Das fällt auch der Community auf. In mehreren Steam-Rezensionen wird weniger «The Movies» als vielmehr «Mad Games Tycoon 2» als Vergleich genannt. Manche Nutzer beschreiben «Super Movie Tycoon» sogar sinngemäß als dessen Spielprinzip mit einem Filmstudio anstelle eines Spieleentwicklers. Andere sehen durchaus Potenzial als Alternative für Menschen, die seit Jahren auf einen modernen Filmstudio-Tycoon warten, vermissen aber gerade jene Möglichkeiten, die «The Movies» so besonders machten.

Der Vergleich ist interessant, weil sich daran zeigt, wie sehr sich das Tycoon-Genre verändert hat. «The Movies» wollte gleichzeitig Managementsimulation und Kreativwerkzeug sein. Man kümmerte sich um Finanzen und Stars, konnte anschließend aber auch das Ergebnis der eigenen Arbeit tatsächlich anschauen. „GameSpot“ lobte damals gerade die überraschend umfangreichen Möglichkeiten zur Filmgestaltung, sah allerdings auch eine gewisse Trennung zwischen Wirtschaftssimulation und Filmwerkzeug.

«Super Movie Tycoon» konzentriert sich stärker auf den Kreislauf, der moderne Managementspiele auszeichnet. Geld wird verdient, neue Bereiche werden freigeschaltet, Mitarbeiter werden verbessert und Produktionsabläufe effizienter gestaltet. Der nächste Film soll größer und erfolgreicher werden als der vorherige. Aus einem kleinen Studio entsteht so langsam ein Unternehmen, das regelmäßig Blockbuster produziert.

Dabei spielt auch das Team eine entscheidende Rolle. Hollywood besteht schließlich nicht nur aus Regisseuren und Schauspielern. Unterschiedliche Fachkräfte müssen zusammenarbeiten, damit ein Projekt erfolgreich abgeschlossen werden kann. Gute Mitarbeiter kosten entsprechend Geld und müssen sinnvoll eingesetzt werden. Wachstum bedeutet deshalb nicht automatisch Erfolg. Wer sein Studio zu schnell vergrößert und hohe laufende Kosten produziert, kann trotz ambitionierter Filme wirtschaftliche Probleme bekommen.

Gerade dieser Unternehmensaspekt sorgt für den typischen Tycoon-Reiz. Anfangs wird noch über jede Ausgabe nachgedacht, später arbeiten mehrere Abteilungen gleichzeitig an unterschiedlichen Aufgaben. Die Herausforderung verschiebt sich damit zunehmend von einzelnen Entscheidungen zur Organisation des gesamten Studios. Ein erfolgreicher Filmmogul dreht irgendwann nicht mehr selbst an jedem kleinen Rädchen, sondern baut eine Maschine, die möglichst zuverlässig erfolgreiche Produktionen hervorbringt.



Die Filme bilden dennoch das sichtbare Ergebnis dieser Arbeit. Genre, Besetzung und Produktionsqualität beeinflussen, ob ein Projekt beim Publikum funktioniert. Damit bleibt ein Element erhalten, das Filmwirtschaftssimulationen besonders attraktiv macht: Jeder wirtschaftliche Erfolg besitzt einen Namen und eine Geschichte. Statt einfach nur eine weitere Fabrik zu errichten, veröffentlicht man einen Western, eine Komödie oder den nächsten großen Blockbuster.

Ganz neu ist dieser Versuch natürlich nicht. Seit «The Movies» haben mehrere Entwickler versucht, die Idee eines Filmstudio-Tycoons wiederzubeleben. «Movies Tycoon» setzte beispielsweise ebenfalls auf Studioaufbau, Personal und die eigene Filmproduktion und wurde entsprechend direkt mit dem Lionhead-Klassiker verglichen. Trotzdem zeigt selbst die Diskussion unter Genre-Fans im Jahr 2026, wie hartnäckig die Suche nach einem wirklichen modernen Ersatz für «The Movies» geblieben ist.

Genau deshalb sind die Erwartungen an «Super Movie Tycoon» wahrscheinlich größer, als sie bei einer gewöhnlichen Wirtschaftssimulation wären. Wer lediglich einen Managementtitel rund um Hollywood sucht, bekommt ein interessantes Szenario mit Studioausbau, Mitarbeitern und Filmproduktionen. Wer dagegen «The Movies 2» erwartet, dürfte entscheidende Unterschiede feststellen. Der Lionhead-Klassiker verband Studiomanagement mit einem ungewöhnlich freien Werkzeug zum Inszenieren eigener Filme. «Super Movie Tycoon» interessiert sich stärker dafür, ob das Unternehmen hinter diesen Filmen funktioniert.
26.10.2026 12:08 Uhr Kurz-URL: qmde.de/176047
Benjamin Wagner

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• Super Movie Tycoon • The Movies • Mad Games Tycoon 2 • Movies Tycoon • The Movies 2


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