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Angeln, ballern, überleben – «How to Fish» wird zum überraschenden Steam-Hit

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«How to Fish» sieht zunächst wie ein gemütlicher Angelsimulator aus, verwandelt den Angelausflug aber schnell in ein chaotisches Physik-Abenteuer mit Waffen, Bosskämpfen und reichlich Koop-Wahnsinn.

Eigentlich könnte alles so friedlich sein. Ein paar Freunde sitzen gemeinsam auf einem Boot, trinken das eine oder andere Bier und verbringen einen entspannten Tag auf dem Wasser. Dann kracht das Boot gegen eine kleine Insel und aus dem gemütlichen Ausflug wird ein Überlebensproblem. Wer wieder nach Hause möchte, muss ausgerechnet etwas lernen, wofür die Gruppe offenbar nicht besonders gut vorbereitet ist: Angeln. So beginnt «How to Fish», das am 20. August 2026 veröffentlichte Spiel des schwedischen Indie-Studios Dazed Games. Was zunächst nach einem weiteren kleinen Physikspiel für einen lustigen Abend mit Freunden klingt, entwickelte sich unmittelbar nach Veröffentlichung zu einem erstaunlichen Steam-Erfolg.

Dabei führt bereits die Bezeichnung Angelsimulator ein wenig in die Irre. Natürlich wird in «How to Fish» geangelt. Eine Angel wird ausgeworfen, Köder kommen zum Einsatz und unterschiedliche Fische warten darauf, aus dem Wasser gezogen zu werden. Besonders viel mit einem realistischen Angelausflug hat das Geschehen allerdings nicht zu tun. Die Entwickler setzen stattdessen auf eine Physik-Sandbox, in der ständig etwas schiefgehen kann. Und wer einen Fisch an Land zieht, hat damit längst nicht automatisch gewonnen.

Das grundlegende Prinzip ist wunderbar absurd: Fische werden gefangen, anschließend bekämpft und schließlich verkauft. Mit dem verdienten Geld kauft man bessere Ausrüstung, stärkere Angelruten und vor allem Waffen. Tatsächlich gehören Pistolen und andere Kampfgeräte ziemlich schnell zur normalen Angelausrüstung. Neue Quests und besiegte Bosse öffnen schließlich den Weg zu weiteren Inseln, auf denen gefährlichere Kreaturen und bessere Gegenstände warten. Zusätzlich können seltene Varianten verschiedener Fische gesammelt werden.

Damit entwickelt sich «How to Fish» überraschend schnell von einem vermeintlichen Angelsimulator zu einem Actionspiel. Die Angel ist eher das Werkzeug, mit dem die nächste Katastrophe überhaupt erst herbeigeführt wird. Hat etwas angebissen, muss der Fang zunächst unter Kontrolle gebracht werden. Anschließend können Kreaturen durchaus Gegenwehr leisten. Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Angelausflug, Ego-Shooter und einer dieser absurden Physiksimulationen, deren größter Unterhaltungswert daraus entsteht, dass die Spielwelt nicht immer so reagiert, wie man es eigentlich geplant hatte.

Besonders deutlich wird das bei den Bossen. Wer neue Inseln erreichen möchte, muss Quests erledigen und deutlich größere Kreaturen bezwingen. Damit besitzt das Spiel trotz aller Albernheiten einen klaren Fortschritt. Man angelt also nicht einfach stundenlang am gleichen See, um immer größere Zahlen in einer Statistik zu sammeln. Stattdessen führt die Reise über verschiedene Inseln, auf denen neue Aufgaben und Gegner warten. Aus dem missglückten Bootsausflug wird so tatsächlich ein kleines Abenteuer.

Eine zusätzliche Möglichkeit, Geld zu verdienen, sind Trickshots. Das passt hervorragend zum restlichen Spiel, denn «How to Fish» möchte offensichtlich nicht, dass seine Systeme besonders ernst genommen werden. Wer seine Beute auf möglichst spektakuläre Weise erledigt, wird dafür belohnt. Selbst Glücksspiel gehört zum Programm – allerdings ausschließlich mit der virtuellen Währung beziehungsweise den Fischen des Spiels und nicht mit echtem Geld.

Seine eigentliche Stärke entwickelt das Konzept allerdings im Mehrspieler-Modus. Ursprünglich wurde «How to Fish» als Spiel für ein bis vier Personen veröffentlicht. Bereits wenige Tage später reagierten die Entwickler auf den gewaltigen Andrang und erweiterten mit Patch 1.0.4 die Lobby-Unterstützung auf bis zu acht Spieler. Wenn mehrere Menschen gleichzeitig versuchen, Fische aus dem Wasser zu ziehen, Gegner zu bekämpfen oder mit der Physik des Spiels zurechtzukommen, entstehen zwangsläufig Situationen, die vermutlich niemand bei Dazed Games exakt geplant hat. Gerade darin liegt der Reiz.

«How to Fish» gehört damit zu jener neuen Generation günstiger Koop-Spiele, deren Unterhaltung weniger durch eine aufwendig inszenierte Geschichte als durch das gemeinsame Chaos entsteht. Spiele wie «Lethal Company» haben gezeigt, wie gut dieses Prinzip funktionieren kann. Die Mechaniken liefern lediglich den Rahmen; die eigentlichen Geschichten entstehen zwischen den Spielern. Wenn ein eigentlich einfacher Angelausflug innerhalb weniger Sekunden vollkommen eskaliert, ist das Scheitern häufig unterhaltsamer als ein perfekter Erfolg.

Dass dieses Konzept einen Nerv getroffen hat, zeigen die Zahlen eindrucksvoll. Nur fünf Tage nach Veröffentlichung erreichte «How to Fish» laut „GamesRadar“ zeitweise mehr als 370.000 gleichzeitig aktive Spieler auf Steam. Für ein kleines, selbst veröffentlichtes Indie-Spiel ist das ein außergewöhnlicher Wert. Auch die Nutzerbewertungen fallen äußerst positiv aus. Ende August waren rund 95 Prozent von mehr als 13.000 englischsprachigen Steam-Rezensionen positiv; inzwischen ist die Zahl der Bewertungen weiter gestiegen.

Bemerkenswert ist dabei, wie klein das verantwortliche Studio ist. Hinter Dazed Games stehen die beiden Mitgründer Melvin Olsson und Carl-Vilhelm Johansson. Auf der eigenen Internetseite führt das Studio neben «How to Fish» lediglich «Out of Hand: Deluxe» als weiteres entwickeltes Spiel auf. Ein großer Publisher steht ebenfalls nicht hinter dem Überraschungserfolg: Dazed Games veröffentlicht den Titel selbst.

Natürlich sollte niemand eine ausgefeilte Angelsimulation erwarten. Wer realistische Fischarten, detailgetreue Ausrüstung und die möglichst authentische Nachbildung eines ruhigen Tages am See sucht, ist hier vollkommen falsch. Die Physik soll Chaos erzeugen, die Kämpfe sind bewusst überdreht und die Präsentation lebt von ihrem absurden Humor. Auch technisch musste Dazed Games nach Veröffentlichung bereits verschiedene Probleme beheben. Die Entwickler reagierten allerdings schnell mit Patches und Balanceänderungen.

«How to Fish» ist damit eines dieser Spiele, deren Titel eine vollkommen falsche Erwartung erzeugt. Wer hier tatsächlich lernen möchte, wie man angelt, dürfte anschließend vermutlich noch weniger über das Hobby wissen als vorher. Dafür weiß man irgendwann, wie man einen widerspenstigen Fang mit einer Schusswaffe erledigt, gemeinsam gegen riesige Kreaturen antritt und einen harmlosen Bootsausflug in völliges Chaos verwandelt. Dazed Games hat keinen realistischen Angelsimulator gebaut, sondern ein herrlich absurdes Koop-Abenteuer und ausgerechnet diese Mischung hat «How to Fish» innerhalb weniger Tage zu einem der überraschendsten Steam-Hits des Sommers gemacht.

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